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Bayerns Innenminister und das Rapper-Video

Gangsterrap mit Bildungsbürgerhintergrund: Wenn ein 18-Jähriger über Drogen und Sex rappt, ist das nicht weiter schlimm. Man will cool sein, Aufmerksamkeit bekommen. Aber wenn er der Sohn eines bayerischen Innenministers ist, der sich aktiv gegen Drogenmissbrauch einsetzt, dann ist es eine Imagekatastrophe. Jakob Herrmann battlet unter dem Pseudonym “Jackpot” als Rapper auf YouTube, sein Vater ist der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Der wiederum vertritt eine konservative Linie.

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"2010, ich hab alles gefickt. Hab Deine Mutter zu Jürgen Drews nach Malle geschickt”, rappt “Jackpot”. Mit seinen provokanten Zeilen brachte es der 18-Jährige allerdings nicht zu Bekanntheit, vielmehr durch seine Herkunft. Sein Vater Joachim Herrmann ist Abgeordneter der CSU und seit 1994 Mitglied des Bayerischen Landtags. Seit 2007 ist er bayerischer Innenminster. Seine politische Linie lässt sich als recht konservativ bezeichnen. Er sprach sich öffentlich gegen übermäßigen Alkoholmissbrauch und für ein Verbot von Killerspielen aus. Diese stünden in “ihren schädlichen Auswirkungen auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornographie”.

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Da passt es für die regionale Presse natürlich wunderbar, wenn der Filius auf seinem jüngst veröffentlichten Mixtape "Wie im Film" Songs mit Titel wie “Jede Frau bückt sich”, “Keiner fickt mit uns”, “Ausrasten”, “Kassen auf” oder “32 Bars” bringt. Im einigermaßen professionell produzierten Video zum Song “Das R mit der Krone” cruist “Jackpot” mit einem Mercedes durch Erlangen, gibt den harten Kerl vor Baugerüsten und Graffiti.

Die Abendzeitung, die die Geschichte aufgedeckt hat, fragt sich nun, ob Joachim Herrmann trotz hoher moralischer Ansprüche bei der Erziehung seines Sohnes ein Auge zugedrückt hat. Den Eindruck mag man zumindest bekommen, wenn der Sohn auf Facebook damit prahlt, Wodka wie Wasser zu trinken und sich auf seinem Profilbild mit überdimensionierter Wodkaflasche zeigt. Da wirken die Forderungen des Vaters, nächtliche Alkoholausgaben an Tankstellen zu verbieten, reichlich unglaubwürdig. Im Web sind keine Beweise zu finden, dass “Jackpot” tatsächlich der Sohn des Innenmininsters ist. Allerdings dürften sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch die Abendzeitung über entsprechende Kontakte ins bayerische Innenministerium verfügen.

Allerdings ist der junge Nachwuchsrapper längst nicht so gefährlich wie seine Textzeilen. Auf seinem eigenen Facebookprofil kommentieren seine Freunde zwar, dass man die Veröffentlichung der neuen Single ja mit einem “Absturz” feiern müsste. Gleich nebenan ist aber nachzulesen, dass der ein Fan der “Drei Fragezeichen” ist. Wer kann da noch böse sein?
Update 21. Januar: "Jackpot" hat das Musikvideo aus Youtube gelöscht. Offenbar wollte sein Vater nicht mit den Inhalten in Verbindung gebracht werden.

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