Gewinner & Verlierer des Print-Werbejahres

Mit dem Jahreswechsel hat der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ seine Zentrale Anzeigenstatistik (ZAS) gestrichen und veröffentlicht künftig stattdessen die Zahlen der Forscher von Nielsen Media Research. Bereits verfügbar sind nun die Daten des Jahres 2010. MEEDIA zieht Bilanz und sagt, welche Zeitschriften besonders viel - oder besonders wenig Geld mit Werbung umgesetzt haben. Für die meisten Titel lief 2010 zwar besser als 2009, doch in manchen Segmenten sieht es weiterhin bitter aus.

Anzeige

Die gute Nachricht vorweg: Die von Nielsen ausgewerteten Publikumszeitschriften haben im Jahr 2010 brutto rund 4,3% mehr Geld mit Werbung umgesetzt als 2009. Statt 3,44 Mrd. Euro waren es 3,59 Mrd. Und: Etwa 60% der Titel konnten ihre Zahlen verbessern, nur ca. 40% lagen unter dem Jahr 2009. Es geht also allmählich wieder aufwärts im Geschäft mit der Werbung. Aber: Die Umsätze aus früheren Zeiten sind bei den meisten Titeln weiterhin unerreichbar.

Beispiel Stern, Spiegel und Focus. Die drei großen Wochenmagazine verbesserten sich 2010 um 8,1%, 8,9% und 1,4%. Mit 152,63 Mio. Euro, 140,14 Mio. Euro und 113,08 Mio. Euro landeten alle drei Titel aber nur bei ihren zweitschlechtesten Werten des bisherigen 21. Jahrhunderts. Zum Vergleich: 2004 setzte der Stern brutto laut Nielsen noch 226,44 Mio. Euro um, 2009 waren es nur noch 141,19 Mio. und nun immerhin wieder 152,63 Mio.

Von den 25 umsatzstärksten Publikumszeitschriften konnten immerhin 18 zulegen. Prozentual gesehen am deutlichsten profitierten dabei Glamour (+19,8%), Cosmopolitan (+15,6%), Auto Bild (15,6%), Gala (15,4%) und auto motor und sport (15,1%). Verloren haben hingegen besonders Für Sie (-8,1%), TV Spielfilm (-7,8%) und Vogue (-7,3%). TV Spielfilm gehört in den vergangenen Jahren zu den insgesamt größten Verlierern der Branche. Noch 2004 setzte das Programmie 99,99 Mio. Euro mit Werbung um, 2010 war es nichtmal mehr die Hälfte. Ähnlich das Bild bei TV Movie: Aus 99,70 Mio. im Jahr 2004 wurden 54,05 Mio.

Auch auf den Rängen 26 bis 50 überwiegen die Gewinner: 18 zu 7 beträgt das Verhältnis. Prozentual am deutlichsten hinzugewinnen konnte hier Schöner Wohnen. Das G+J-Magazin steigerte sich um 58,0% auf 29,28 Mio. Euro. Ebenfalls stark über den Zahlen des Vorjahres landeten die Apotheken Umschau A (+27,9%), myself (+19,4%) und das Zeitmagazin (+18,3%).

Bei den Verlierern fällt die überdurchschnittliche Menge an Computer-Titeln auf. So verlor Computer Bild 3,1%, c’t 4,9% und die Computerwoche 6,2%. Außerhalb der Top 50 finden sich noch deutlichere Absteiger aus dem Genre: Der PC-Welt gingen 11,2% des Vorjahres-Werbeumsatzes abhanden, Chip sogar 12,9%. Insgesamt finden sich unter den 17 ausgewerteten Magazinen aus dem Computer-Segment nur zwei Gewinner: com! Das Computer-Magazin und PCgo. Besonders deutlich nach unten ging es für die beiden PC-Spiele-Magazine PC Games (-27,1%) und PC Action (-33,7%).

Die Flop Ten der Umsatz-Verlierer wird zwar von Bellevue angeführt, doch war das Minus dort eins mit Ansage. Denn: 2009 erschienen noch 12 Ausgaben des Magazins, seit 2010 nur noch 6 pro Jahr. Ein dicker Anzeigenverlust war also die logische Folge. Größter echter Verlierer ist daher nach absoluten Zahlen gemessen TV Spielfilm – 3,95 Mio. Euro weniger landeten brutto in den Kassen der Programmzeitschrift. Ebenfalls aus dem Segment unter den 10 größten Verlierern zu finden: TV Movie, TV Digital, TV Today und prisma. Auch das eben erwähnte Magazin PC Games findet sich mit seinem 27,1%-Minus in der Liste.

Größter Gewinner des Jahres ist nach Euro gerechnet die Bild am Sonntag. Mit dem Plus von 13,47 Mio. Euro erreichte die BamS sogar ihren höchsten Brutto-Werbeumsatz seit über zehn Jahren und ist damit eine Ausnahme in der aktuellen Branchen-Entwicklung. Auf den weiteren Plätzen folgen Spiegel und Stern, sowie das bereits gewürdigte Schöner Wohnen, das 58,0% oder 10,74 Mio. Euro hinzu gewann. Prozentual gesehen hat das Boom-Magazin der vergangenen Jahre LandLust die Nase vorn: Um heftige 109,1% verbesserte es sich und gehört mit 8,52 Mio. Euro Werbeumsatz immerhin schon zur Top 100 – obwohl nur sechs Ausgaben pro Jahr erscheinen.

Wie immer muss zu den Nielsen-Werbeumsätzen angemerkt werden, dass es sich um Brutto-Zahlen handelt. Sprich: Die Zahl der Anzeigenseiten wird einfach mit den offiziellen Preislisten kombiniert. Eventuelle Rabatte, Gegengeschäfte, Kooperationen, etc. werden nicht mit einberechnet, da diese Infos natürlich nur in den jeweiligen Verlagen bekannt sind. Die Zahlen geben also nicht die tatsächlichen Umsätze der Titel wieder, zeigen aber dennoch anschaulich, wie sich die Branche entwickelt und wie die Machtverhältnisse zwischen den einzelnen Titeln aussehen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige