Apple: Sechs Mrd. Dollar Gewinn in 92 Tagen

Erwartungsgemäß hat Apple nach Handelsschluss an der Wall Street das beste Quartalsergebnis seiner Firmengeschichte vorgelegt. Das Ausmaß verblüfft jedoch selbst kühnste Optimisten: Bei Umsätzen von fast 27 Milliarden verdiente Apple enorme 6 Milliarden Dollar! Damit stößt das Kultunternehmen aus Cupertino in Gewinn-Dimensionen von Öl-Multis vor. Das iPhone wurde im Weihnachtsquartal alleine 16 Millionen Mal verkauft, das iPad mehr als 7 Millionen Mal. Die Aktie erholt sich.

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Es sind bewegte Tage bei Apple. Rund 30 Stunden, nachdem Apple-CEO Steve Jobs seine krankheitsbedingte Auszeit verkündet hatte, der nächste Showdown für Apple-Aktionäre – die turnusmäßigen Quartalszahlen. Dass das Zahlenwerk gut ausfallen würde, war angesichts der jüngsten Verkaufsrekorde von iPhone, iPad und Macintosh-Computern längst erwartet worden – die Frage war nur, wie gut.

Die Antwortet lautet schlicht: verblüffend gut. Nach 15,7 Milliarden Dollar erlöste Apple nunmehr enorme 26,7 Milliarden Dollar – unglaubliche 70 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Einen Umsatzsprung in solchen Dimensionen hat es in der Technologiebranche noch nicht gegeben. Doch noch historischer ist die Gewinnentwicklung, die von 3,38 Milliarden auf exakt 6 Milliarden Dollar oder 6,43 Dollar je Aktie explodierte!

iPads und iPhones Treiber der Wachstums
Damit wurden selbst die optimistischsten Gewinnschätzungen pulverisiert: Apple verdiente fast 40 Cent je Aktie bzw. 2 Milliarden Dollar mehr als die zuversichtlichsten Wall Street-Analysten in den Flüsterschätzungen vorhergesagt hatten. So etwas nennt man im Vokabular der Wall Street ein "Blowout"-Quartal.

Treiber des Wachstums waren vor allem die beiden jüngsten Konzernsparten, das iPhone und iPad. Apples vor dreieinhalb Jahren eingeführtes Smartphone verzeichnete einen rasanten Nachfrage-Boom: 16,24 Millionen iPhones wurden zwischen Oktober und Dezember verkauft – beeindruckende 86 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 

Auch die Nachfrage nach dem gerade mal ein Dreivierteljahr altem iPad explodierte förmlich: Nach 4,2 Millionen Geräten im Vorjahrquartal verkaufte Apple nun 7,33 Millionen Tablet-Macs im Weihnachtsquartal. Damit kommt das iPad bereits auf einen Marktanteil von 7 Prozent auf dem weltweiten PC-Markt! Apple verkaufte damit ebenfalls deutlich mehr iPads als Macintosh Computer, deren Zuwächse bei 23 Prozent auf 4,13 Millionen lagen. Nur die iPod-Verkäufe gingen moderat auf 19,45 Millionen Geräte zurück (- 7 Prozent).

Apple-Aktie fährt Achterbahn und tendierte fast unverändert
"Wir hatten ein phänomenales Weihnachtsquartal mit Rekordverkäufen von Mac, iPhone und iPad," erklärte Apple-CEO Steve Jobs aus dem Off der Presserklärung.  Spätestens an dieser Stelle dürften Apple-Aktionäre in ihrer Feierstimmung jedoch innehalten. Richtig, da war doch was: Die große Sorge nach der zeitlich unbegrenzten Auszeit der genialen Apple-Visionärs Steve Jobs.

Die amerikanischen Aktionäre verdauten die schlechte Nachricht des Vortages weitaus besser als deutsche Anleger, die das Papier gestern noch um in der Spitze 11 Prozent fallen ließen – an der Wall Street setzte heute eine Erholungsrallye ein, die die Verluste auf lediglich zwei Prozent begrenzte. Nachbörslich ging es nach einem ebenfalls straken Ausblick auf das laufende Quartal, in dem ein Gewinn von 4,90 Dollar je Aktie anfallen soll, zunächst sogar um vier Prozent auf 355 Dollar nach oben, ehe Gewinnmitnahmen einsetzen und die Aktie bei 345 Dollar fast auf dem Niveau einpendeln ließen, auf dem die Aktie noch zu Wochenbeginn gestartet war.

Wer auf die Kursnotierung blickt, könnte also denken, es wäre fast nichts passiert beim wertvollsten Technologie-Unternehmen der Welt – doch das Gegenteil ist der Fall. Die vergangenen 48 Stunden haben die Apple-Welt verändert. Der iPhone- und iPad-Hersteller verdient noch mehr und wächst noch schneller, als es ihm kühnste Optimisten zugetraut hätten – die aktuelle Bewertung mit einem KGV von 15 erscheint angesichts des drastischen Gewinnsprungs weiter höchst moderat. Doch dann ist da eben auch die dramatische Entwicklung um CEO Steve Jobs, die als Gegendynamik auf der Aktie lastet. Fest steht zumindest: Der morgige Handelstag dürfte kaum weniger spannend werden.

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