Wie der Winter Bild und BamS schadet

Bild und Bild am Sonntag mussten im vierten Quartal 2010 ihre schlechtesten Verkaufsauflagen seit mindestens den 60er Jahren verkraften. Einer der Gründe, die Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in Interviews dafür nannte: Der Wintereinbruch habe viele Leute davon abgehalten, zum Kiosk zu gehen. Ein vorgeschobener Grund oder Tatsache? MEEDIA hat aktuelle Zahlen analysiert und beschreibt, wie das Winterwetter Zeitungen und Zeitschriften tatsächlich schaden kann.

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Seit mindestens 1965 – ältere Zahlen liegen MEEDIA nicht vor – haben sich Bild und BamS nicht so schlecht verkauft wie im vierten Quartal 2010. Die Bild verlor 4,6% gegenüber dem Vorjahr und unterschritt mit 2,900 Mio. verkauften Exemplaren pro Tag die 3-Mio.-Marke, die Bild am Sonntag lag mit 1,483 Mio. Verkäufen sogar 6,1% unter dem entsprechenden Quartal des Vorjahres. Sicher lagen diese Rückgänge nicht nur am Dezember-Winterwetter, doch zum Teil dürfte die Kälte und der Schnee in der Tat daran mitgewirkt haben, dass die Verkaufszahlen so abnahmen.

Die Bild am Sonntag lag beispielsweise mit acht der elf Ausgaben 40 bis 50/2010 oberhalb der 1,5-Mio.-Marke, das Minus wäre mit diesen Zahlen längst nicht so deutlich ausgefallen. Doch Nummer 51 verkaufte sich nach MEEDIA-Infos nur noch 1,419 Mio. mal und Ausgabe 52 lag sogar noch unter dieser Zahl. Folge: Der Quartals-Durchschnitt wurde nach unten gezogen, das Minus von 6,1% entstand. Zwar gehörten die Titelthemen der beiden Nummern mit der "Herz für Kinder"-Gala und den im Iran inhaftierten BamS-Reportern womöglich nicht zu den allergrößten Auflagebringern, doch als alleiniger Grund fällt die Attraktivität des Titels wohl aus. Denn: Nie zuvor seit Start der IVW-Heftauflagen-Ausweisung im Jahr 1996 verkaufte sich eine BamS so schlecht wie die Nummern 51 und 52 des Jahres 2010.

Dass nicht nur der Wintereinbruch im Dezember 2010, sondern auch andere Winter solche Folgen hatten, zeigt der Blick auf frühere Verkaufszahlen. Für die meisten Zeitungen und Publikumszeitschriften ist das vierte Quartal eines jeden Jahres das schwächste. Das gilt insbesondere für die Titel, die besonders abhängig vom Kioskverkauf sind, weil sie keine oder nur wenige Abonnenten haben. Betrachtet man beispielsweise die jeweils schwächsten Bild-am-Sonntag-Ausgaben der vergangenen Jahre, so kamen sie fast immer aus den Wintermonaten Dezember und Januar.

Der Dezember 2010 mag diese Wirkung noch verstärkt haben, weil vielerorts nicht gestreut wurde und der Schnee auf dem Weg zum Kiosk liegen blieb. Insbesondere für ältere Leser war das durchaus ein Hindernis für den Zeitungskauf. Und so dürften Bild und BamS nicht die einzigen großen Verlierer der aktuellen IVW sein – insbesondere die anderen (regionalen) Boulevardblätter werden ebenfalls deutlich unter dem Vorjahr liegen, wenn die IVW-Zahlen in dieser Woche veröffentlicht werden. Als einzigen Grund für die Auflagenrückgänge sollten die Verlage das Winterwetter dennoch nicht heranziehen, denn damit würden sie es sich zu einfach machen und die Augen vor der Realität verschließen.

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