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Viel heiße Luft in der “Maschi”-Show der ARD

Im Vorfeld gab es viel Rummel um die ARD-Dokumentation “Der Drückerkönig und die Politik”, in der der NDR die Verflechtungen des Finanz-Managers, AWD-Gründers und Multimillionärs Carsten Maschmeyer in höchste politische Kreise nachzeichnen wollte. Maschmeyer und sein Medienanwalt Matthias Prinz übten großen juristischen Druck aus, um der ARD vor der Ausstrahlung das Leben schwer zu machen. Der Film selbst war die Mühe kaum wert. Ein großes Thema wurde mit zu viel heißer Luft verschenkt.

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Im Vorfeld gab es viel Rummel um die ARD-Dokumentation “Der Drückerkönig und die Politik”, in der der NDR die Verflechtungen des Finanz-Managers, AWD-Gründers und Multimillionärs Carsten Maschmeyer in höchste politische Kreise nachzeichnen wollte. Maschmeyer und sein Medienanwalt Matthias Prinz übten großen juristischen Druck aus, um der ARD vor der Ausstrahlung das Leben schwer zu machen. Der Film selbst war die Mühe kaum wert. Ein großes Thema wurde mit zu viel heißer Luft verschenkt.
Die Sache klang im Vorfeld nach einem sehr guten Grund, Gebühren zu zahlen. Der NDR-Reporter Christoph Lütgert hat sich auf die Fersen des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer geheftet. “Maschi” drehte schon im Vorfeld durch und ließ über seinen Medienanwalt Prinz allen ARD-Intendanten eine Art Drohbrief schicken. Dabei gab es in dem Film schlicht nichts Neues. Reporter Lütgert war mindestens ebenso häufig, wenn nicht gar häufiger im Bild, wie Maschmeyer selbst.
Dass “Maschi” fester Bestandteil der so genannten "Hannover-Connection" mit Ex-Kanzler Schröder, Bundespräsident Wulff und Leuten wie dem sehr kleinen Scorpions-Sänger Klaus Meine ist, wusste man länger. Dass die Wulffs nach der Bundespräsidentenwahl nichts besseres zu tun hatten, als Urlaub in der Luxusvilla ihres Freundes “Maschi” auf Malle zu machen – auch bekannt. Dass Maschmeyer zusammen mit dem Politik-Berater und Privatrenten-Architekten Bert Rürup eine gemeinsame Firma hat – ebenfalls bekannt. Dass es viele Leute gibt, die mit Firmen wie AWD so ihre Probleme haben und viel Geld verloren: schlimm, aber auch schon oft gelesen.
Wenn es also schon nix Neues gab in der großen “Maschi”-Show, stimmte dann wenigstens die Aufbereitung? Ja und Nein. Der Film hatte durchaus starke Momente, in denen aktive und ehemalige Politiker entlarvt wurden. Den früheren Arbeitsminister und Renten-Namensgeber Walter Riester mit seinen, in der Tat sehr fragwürdigen, Auftritten bei AWD zu konfrontieren war gut und brachte Riester fast zum Ausrasten. Und die aktuelle Familienministern Kristina Schröder floh geradezu vor der Kamera, als das NDR-Team sie befragte, ob es denn eine gute Idee sei, sich ausgerechnet vom Duo Maschmeyer/Rürup bei der Einführung einer neuen Pflegeversicherung beraten zu lassen. Das waren schöne Reporter-Momente.
Aber ein mehr Zurückhaltung von Christoph Lütgert hätte dem Film gut getan. Dass er “Maschi” stellt und dokumentiert, wie dieser sich einem Interview verweigert – OK. Aber muss Lütgert kopfschüttelnd in die Kamera sprechen, wie schockiert er ist, dass sich Maschmeyer nicht äußern will. Lütgert bei AWD-Opfern. Lütgert bei einer Finanztest-Redakteurin. Lütgert am Schnittplatz. Lütgert, wie er bei “Maschi” klingelt. Lütgert, wie er aus dem Auto steigt. Der Reporter war ein bisschen zu oft selbst im Bild. Selbst für eine Presenter-Reportage. Lütgert dürften Maschmeyers Anti-Reaktionen nicht überrascht haben, er hat ja schon einmal einen Film über ihn fürs Dritte Programm des NDR gemacht. Vor diesem Hintergrund wirkte die Selbstinszenierung des Reporters doch arg aufgesetzt.
Gerne hätte man stattdessen mehr über das sehr gute Verhältnis von Maschmeyer zu anderen Medien gehört. Zum Beispiel zur Bild. Für deren Hilfsaktion “Ein Herz für Kinder” hat er gerade großherzig 1,4 Millionen Euro gespendet. Dafür darf er sich in einem erstaunlich zahmen “Verhör” in der aktuellen Bild auch ausführlich zum ARD-Film äußern und alles in seinem Sinne unwidersprochen zurecht rücken. Bild berichtet gerne über “Maschi” – er ist halt ein erfolgreicher Unternehmer und hat eine glamouröse Freundin. Dabei kommen dann Zeilen raus wie “Klitschko und der Superspender”, “Finanzgenie Maschmeyer gründet Pharmafirma”, “Ferres & Maschmeyer – Liebes-Auftritt bei Menschen 2009”, “Happy Birthday, Maschi” usw. Hätten Maschmeyer und sein Anwalt Prinz die halbstündige ARD-Doku vorab sehen können, sie hätten ihre juristischen Drohgebärden womöglich sein gelassen.

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