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Der Günther-Jauch-Anzug steht ihm gut

Man musste zweimal hinschauen, um den Unterschied zu bemerken. Steffen Hallaschka hat die Nachfolge von Günther Jauch bei "stern TV" angetreten, und fast hätte man es nicht gemerkt. Hallaschka hat eine ähnliche Statur wie Jauch, er hielt die Moderationskärtchen genau wie Jauch und man hätte meinen können, er imitiere auch die Sprechweise von Jauch. Fürs Erste in den Fußstapfen von Jauch zu bleiben, ist eine gute Idee. Das Konzept von "stern TV" ist aber dringend überholungsbedürftig.

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Die ganze Sendung ist nämlich schlicht und ergreifend viel zu lang und viel zu langweilig, doch das ist nicht die Schuld des Moderators. "Stern TV" mit Jauch war, wenn man ehrlich ist, auch schon lange ziemlich langweilig. Das Format passt einfach nicht mehr in die Zeit. Es ist schon kein kleines Wunder, dass diese Sendung in dieser immergleichen Form so lange läuft. Vielleicht war das mit ein Grund, warum Jauch sich nun den Talk-Zirkus in der ARD antut.

Hallaschka war während seiner Premiere unaufgeregt und souverän. Er führte die Gespräche locker und moderierte lässig, kam sympathisch rüber. Aber die Themen, die Themen! Da war ein Fußballer vom FC St. Pauli, der spielsüchtig ist und von der Wettmafia geschmiert wurde. Da war ein nerviges Kind, das von einem Rottweiler angefallen wurde. Da war der Beitrag, der zeigte, wie böse Männer unbedarfte Frauen via Webcam ausspionieren. Allet schon mal dajewesen. Und nicht nur einmal. Lustig: In der Sendung zeigte ein "Experte", wie er mit Hilfe von diesem Google-Dings Zugriff auf frei zugängliche Überwachungskameras bekommt. Hui, dieses Internet! Plötzlich war eine stinklangweilige Fabrikhalle zu sehen. Hallaschka aufgekratzt und sichtlich bemüht um ein wenig Dramatik: "Ist das das CERN, der Teilchenbeschleuniger? Oder die Uran-Anreicherungsanlage im Iran? Dann hätten wir gleich die nächste große Story am Haken…" Jaja, schon klar – er hat das nicht ernst gemeint. Aber die Diskrepanz zwischen seinem Spruch und der tristen Wirklichkeit bei "Stern TV" war bezeichnend.

Dann war da noch der Gaga-Vorschlag des CDU-Gesundheits-Heißsporns Jens Spahn mit seiner tollen Brille, der Zweibettzimmer in Krankenhäusern für alle fordert. Blabla usw., gute Nacht. Knapp zusammengefasst: Günther Jauch hatte ganz recht, die Moderation von "Stern TV" abzugeben. Steffen Hallaschka ist ein guter TV-Mann mit Potenzial. "Stern TV" aber gehört eingestellt oder ganz grundsätzlich überarbeitet.

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