Maschmeyer und Prinz gegen die ARD

Am heutigen Mittwoch läuft um 21.45 Uhr im Ersten der Film “Der Drückerkönig und die Politik”. Es geht es um Carsten Maschmeyer, den Gründer des Finanzdienstleisters AWD. Der Film beleuchtet kritisch die Arbeitsweise von AWD und legt Maschmeyers Beziehungen zu Politikern wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Christian Wulff offen. Maschmeyer hat über Medienanwalt Matthias Prinz gewaltige Mittel in Bewegung gesetzt, um die Ausstrahlung zu behindern. Bisher ohne Erfolg.

Anzeige

Kritische Berichte über Firmen wie AWD oder die in der selben Branche operierende MLP sind nichts neues. Schon des öfteren wurde das Gebaren der sogenannten Struktur-Vertriebe von Finanzdienstleistungen in Artikeln und TV-Filmen unter die Lupe genommen. Der Hannoveraner AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ist nun freilich ein besonders illustrer Vertreter seiner Branche. Seine Anteile an AWD hat er für viel Geld an den Konzern Swiss Life verkauft. Über Swiss Life hat Maschmeyer aber immer noch Einfluss auf AWD.

Die "Hannover-Connection"
Zum einen, weil er durch seine Partnerschaft mit der Schauspielerin Veronica Ferres mittlerweile Bestandteil der Promi-Welt ist, zum anderen weil er offensichtlich ein gut funktionierendes und engmaschig geknüpftes Netzwerk mit Kontakten zur Politik geknüpft hat. Gut in Erinnerung ist zum Beispiel, dass der neue Bundespräsident und ehemalige Ministerpräsident Niedersachsens, Christian Wulff, seinen Sommer-Urlaub im pompösen Anwesen Maschmeyers auf Mallorca verbrachte. Der Sprecher von AWD ist Bela Anda, ehemaliger Bild-Journalist und Regierungssprecher von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der, genau wie Wulff, zuvor Ministerpräsident in Niedersachsen war. Mit dem einflussreichen Politikberater Bert Rürup betreibt Maschmeyer eine gemeinsame Firma. Manche sprechen von einer “Hannover-Connection”. Man kennt sich, man schätzt sich.

Da passt es gut ins Bild, wenn Maschmeyer kürzlich erst eine Millionen-Spende großzügig an “Ein Herz für Kinder” gab. Eine gute Sache unter den Fittichen der Bild-Zeitung. In der ZDF-Spendengala zu “Ein Herz für Kinder” ist Maschmeyer gerne aufgetreten und ließ sich von Thomas Gottschalk befragen. Interview-Anfragen des NDR für den Film wurden laut Sender ignoriert. Maschmeyers Anwalt Matthias Prinz teilte der Presse dagegen mit, man hätte gerne Stellung genommen, der NDR habe es allerdings versäumt, “konkrete Rechercheanfragen” zu stellen.

NDR schon länger im Clinch mit Maschmeyer
Stattdessen überzog Prinz de gesamte ARD mit einer Reihe von Schreiben im Vorfeld der Ausstrahlung des Films. Alle ARD-Intendanten wurden von Prinz schriftlich gewarnt. Die “zu erwartenden Rechtsverletzungen unseres Mandanten” seien geeignet, “dass das Handeln des NDR bzw. der ARD (…) als Präzedenzfall dazu geeignet wäre, die Grenzen der gebührenfinanzierten und gesetzlichen Grundversorgung gerichtlich feststellen zu lassen.” Anwalt Prinz bevorzugt offenbar die schweren Geschütze. Und es kommt noch dicker: Das Vorgehen des NDR lege den Verdacht nahe, so Prinz in einem Schreiben, “dass die NDR-Redaktion von AWD-Wettbewerbern zur Geschäftsschädigung instrumentalisiert wird.” Nun kann man den öffentlich-rechtlichen Sendern vieles vorwerfen, aber dieser Vorwurf erscheint nun doch etwas weit hergeholt.

Der NDR befindet sich schon länger im juristischen Clinch mit Maschmeyer und Prinz. Im Dritten Programm des NDR lief schon einmal eine Maschmeyer-Doku, die dem AWD-Gründer nicht gefiel. Anwalt Prinz ging gegen den Film mit einer ganzen Reihe von angeblichen Persönlichkeitsrechts- und Urheberrechtsverletzungen vor. Augenscheinliches Ziel: eine Wiederholung der Ausstrahlung mit juristischen Mitteln verhindern.

Die ARD ging nun im Vorfeld des neuen Maschmeyer-Films so weit, bei der Pressevorführung nur namentlich bekannte Journalisten zuzulassen, berichtet die Süddeutsche. Man fürchtete offenbar, ein Vertreter der Kanzlei Prinz könnte sich den Film vorab zu Gemüte führen und die Ausstrahlung stoppen. Soweit ist es nun trotz aller Drohgebärden nicht gekommen. Der Film läuft am heutigen Mittwochabend um 21.45 Uhr im Ersten. Wer in sich anschauen will, sollte dies heute tun. Wer weiß, ob der Film jemals wiederholt werden darf.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige