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Frankfurter Rundschau – der ewige Patient

Mit trauriger Regelmäßigkeit erreichen die Branche Hiobsbotschaften der Frankfurter Rundschau. Kurz vor Weihnachten wurde im elektronischen Bundesanzeiger die Geschäftsbilanz 2009 samt Ausblick veröffentlicht. Demnach schreibt die FR wohl auch 2010 und 2011 weiter Verluste. Ein weiterer Stellenabbau wird von der Geschäftsführung als “unabdingbar” bezeichnet. Die eigentlich als überregionale Tageszeitung positionierte FR hat einen langen Leidensweg hinter sich, der offenbar noch immer nicht vorbei ist.

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Der interessanteste Teil der im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz der Frankfurter Rundschau für 2009 ist die Prognose, bei der es ums gerade zuende gegangene Jahr 2010 geht. Demnach rechnete der FR-Geschäftsführer Karlheinz Kroke auf Basis der Planungen vom November 2009 damit, dass die FR für 2010 einen Verlust in Höhe von 18,3 Mio. Euro schreibt. Auch für das angebrochene Jahr 2011 werde noch mit einem Verlust gerechnet, heißt es in dem Finanzbericht. Und weiter: “Der weitere Personalabbau ist unabdingbar, um die Gesellschaft mittelfristig zu einem ausgeglichenen bzw. positiven Ergebnis zu führen.”

In der Branche wird schon seit längerem über einen neuen Stellenabbau bei der Frankfurter Rundschau spekuliert, was bisher freilich offiziell dementiert wurde. Kai-Hinrich Renner schreibt in seiner Medienkolumne im Hamburger Abendblatt von 25 bis 40 Stellen, die vor allem in der Redaktion gekürzt werden sollen. Zuvor war schon einmal von bis zu 50 Stellen die Rede. Träfe dies zu, so wäre der überregionale Anspruch der Frankfurter Rundschau kaum zu halten.

Die FR hat in den vergangenen Jahren eine Sparrunde nach der nächsten erlebt. Im Jahr 2000 beschäftigte das Blatt noch rund 1.650 Mitarbeiter. Als die SPD-Medienholding DDVG die Frankfurter Rundschau im Jahr 2004 vor der drohenden Pleite rettete und 90 Prozent des Blattes übernahm, arbeiteten dort noch rund 1.110 Leute. Als der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg dann 2006 als neuer Mehrheitsgesellschafter einstieg, lag die Zahl der Mitarbeiter noch bei 730. 2009 wurde die Zahl der Mitarbeiter im Durchschnitt mit 539 angegeben. Ein bemerkenswerter Personal-Kahlschlag, der in der Branche seinesgleichen sucht.

In der Zwischenzeit wurde das alte FR-Gebäude verkauft und die Redaktion zog in ein renoviertes Straßenbahndepot in Frankfurt-Sachsenhausen. Die neuen, wesentlich kleineren Räume sind zwar schick aber auch Ausdruck der geschrumpften publizistischen Bedeutung der FR. Und nicht nur Bedeutung und Belegschaft schrumpften. Der von DuMont geholte neue Chefredakteur Uwe Vorkötter machte sich daran, die Zeitung auf das handliche Tabloid-Format zu verkleinern. Ein Schritt, der bis heute in der Redaktion nicht unumstritten ist.

Auch Auflage und Umsatz der Zeitung befinden sich seit zehn Jahren auf Schrumpfkurs. Laut MEEDIA-Analyzer hat die Zeitung im Fünf-Jahres-Trend 31 Prozent ihrer Abonnenten verloren. Der Einzelverkauf lag im 3. Quartal 2010 noch bei mageren 17.535 Exemplaren – Tendenz weiter sinkend. Die kurz vor Weihnachten im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen für 2009 belegen den traurigen Trend. Trotz einer Preiserhöhung beim Abo sanken die Vertriebsumsätze 2009 um 1,6 Prozent im Vergleich zu 2008.

Schlimmer noch für die Bilanz ist die Entwicklung im Anzeigenmarkt. Das Werbegeschäft der FR ist im Krisenjahr 2009 um 20,3 Prozent eingebrochen. Unterm Strich erwirtschaftete die FR im Jahr 2009 einen Verlust von 24,5 Mio. Euro. Weder der Relaunch der Website noch eine in der Branche vielfach positiv beachtete aufwändige neue iPad-Ausgabe haben das Potenzial die negative Entwicklung im Kerngeschäft umzudrehen.

Die Augen im Verlag DuMont dürften sich darum auf weitere Synergien vor allem mit der Berliner Zeitung richten. Im April 2010 hat eine neue Redaktionsgemeinschaft von DuMont die Arbeit aufgenommen, die für die Titel Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau, Kölner Stadt-Anzeiger und Mitteldeutsche Zeitung überregionale Stories aus Politik und Wirtschaft beisteuert. Gut möglich, dass dieses Modell künftig noch erweitert wird. Ob die Frankfurter Rundschau als Vollredaktion im Jahr 2011 noch zu halten ist, erscheint derzeit mehr als fraglich. Der ewige Patient FR hat seine schmerzhafte Therapie noch immer nicht hinter sich.

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