„Model-Diät“: Brigitte zieht positive Bilanz

Zum Geburtstag gibt es bestimmt eine fette Sahnetorte: Die Ohne-Model-Kampagne von Brigitte feiert mit der kommenden Ausgabe ihr Jubiläum. Vor zwölf Monaten hatten sie als erstes deutsches Magazin den Schritt gewagt, auf Fotoproduktionen mit Models zu verzichten, um damit eine Initiative gegen den Mager-Wahn zu setzen. Und das auch mit kleinem Erfolg: Im Einzelverkauf verzeichneten die Hamburger 2010 ein Plus von knapp vier Prozent, bei den Abonnements ging es allerdings bergab.

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In einer groß angelegten PR-Aktion hatten die Chefredakteure Brigitte Huber und Andreas Lebert vor einem Jahr auf die Aktion aufmerksam gemacht. Journalisten wurden sogar zum ersten Fotoshooting mit den No-Models eingeladen. Lebert hatte damals im Spiegel erklärt, dass er es "pervers" finde, dass große Modelabels wie Prada, Gucci und Co. ihre Outfits meist nur in kleinen Konfektionsgrößen für Shootings lieferten. Im Nachhinein würden die Bilder dann in Photoshop bearbeitet und die Proportionen künstlich dicker gemacht. "Was hat das noch mit unserer echten Leserin zu tun?", zitierte ihn das Nachrichtenmagazin. Die Antwort: nichts. Denn die Durchschnittsleserin sei nicht nur 23 Prozent schwerer als die aktuelle Model-Generation, sondern auch in die Jahre gekommen: Der Altersschnitt liege bei 48 Jahren.

Die Cover-No-Models des vergangenen Jahres

Ein neues Konzept musste also her. Professionelle Testimonials wurden gegen Laien ausgetauscht, auch das Cover zierte seit der zweiten Januar-Ausgabe nur noch Nicht-Models. Geblieben ist aber die Schönheit. Auch wenn die fotografierten Frauen vielleicht nicht das ideale Modelmaß oder die entsprechende Erfahrung mitbrachten, blieb der Anspruch an Makellosigkeit offensichtlich bestehen.

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Rund 30.000 Frauen meldeten sich bei Brigitte für den No-Model-Contest an. Auf das Cover schafften es davon 27, die die Redakteurinnen aussuchten. Insgesamt fanden 321 Frauen sowie 61 Männer den Weg ins Heft und bekamen dafür ein Honorar. "Auf 4.000 redaktionellen Seiten haben wir den Grundgedanken unserer Initiative überzeugend erlebbar gemacht: Attraktivität hat viele Gesichter", bilanzieren Lebert und Huber. "Wir freuen uns über die Lebendigkeit die in Brigitte eingezogen ist, und die spannenden Liaison zwischen klassischem Journalismus und zeitgemäßer Inszenierung von Mode und Beauty", bilanzieren Lebert und Huber.

Der Vergleich: geschminkt und ungeschminkt

Die Idee kam gut bei den Leserinnen an, zumindest am Kiosk. Nach Verlagsangaben konnten die Hamburger den Einzelverkauf im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent steigern. Betrachtet man jedoch die Zahlen der ersten drei Quartale, musste die Brigitte-Redaktion bei den Abonnements einen herben Rückschlag hinnehmen. Allein im dritten Quartal 2010 verlor die Zeitschrift elf  Prozent. Wie die Gesamtbilanz der Brigitte ohne Models auf allen Verkaufskanälen aussieht, werden die IVW-Zahlen zeigen, die für die kommende Woche erwartet werden.

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