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Der steile Abstieg der DSDS-Gewinner

Wer war noch mal Tobias Regner? Und Daniel Schuhmacher? Ach ja, beide haben einst "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen. Vage Erinnerungen an den "Rocker" und den "Schmusejungen" mögen noch da sein – doch musikalisch sind sie längst in der Versenkung verschwunden. Selbst von Mehrzad Marashi, dem jüngsten Produkt der RTL-Cashcow, redet kaum noch jemand. Ab Samstag sucht Deutschland einen neuen Instant-Star. MEEDIA hat sich angeschaut, wie es den bisherigen "Gewinnern" nach der Finalshow erging.

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Alexander Klaws
Auch wenn Alexander Klaws in Sendenhorst aufwuchs, zum Sendungshorst machte er sich – von seinem legendär-peinlichen Discoauftritt zum Flashdance-Song "Maniac" einmal abgesehen – verglichen mit späteren Gewinnern recht wenig. Der heute 27-Jährige war weder der Hartz-IV-Empfänger, für den das Format die von den Machern gerne propagierte "letzte Chance" bietet, noch saß er im Gefängnis oder hatte Drogenprobleme. Nicht einmal Affären konnte man dem Saubermann andichten. Klaws war der beinah unerträglich normale Junge von nebenan, der sich dafür musikalisch verhältnismäßig lange oben halten konnte.
Dem ersten DSDS-Gewinner gelangen zwei von Dieter Bohlen komponierte Nummer-1-Hits, fünf Top-10-Singles und insgesamt acht Top-20 Platzierungen. Sein Debut-Album "Take your Chance" und das 2004 veröffentlichte "Here I am" landeten ebenfalls auf Platz 1. Damit war der große musikalische Erfolg jedoch vorbei. Seine 2006 und 2008 erschienenen Platten schafften es nur noch auf die Plätze 20 bzw. 28 der Charts. Die 2008er-Single "Welt" kam nur auf Rang 65.
Doch selbst sieben Jahre nach der Castingshow hat Klaws noch einen Namen, wenn auch nicht als Chart-Musiker. In dem Musical "Tanz der Vampire" spielte er in Berlin von 2006 bis 2008 die Rolle des Alfred. Anschließen war er gut zwei Jahre täglich auf dem TV-Bildschirm in der Sat.1-Telenovela "Anna und die Liebe" zu sehen. Seit Mai 2010 gibt Klaws den "Tarzan" im gleichnamigen Hamburger Musical.

Elli Erl
Als bislang einzige Frau gewann Elli Erl 2004 das zweite RTL-Casting. Als einziger "Superstar" schaffte sie nicht den Sprung auf Platz 1 der Charts. Ihre erste Single "This is my Life" landete nur auf Rang 3, die zweite Single "In my Dream" sogar nur noch auf Platz 40. Bereits nach der ersten Single brach die Sängerin mit dem "Poptitan". 2005 nahm sie das ehemalige DSDS-Jurymitglied Thomas Stein unter Vertrag. Für ihre schlechten Chartplatzierungen machte sie auch ihr altes Management verantwortlich. Sie habe das Gefühl gehabt, es sei nicht richtig an sie geglaubt worden, erklärte Erl im Stern. "Das Album erschien erst sechs Monate nach ‚DSDS‘ – viel zu spät." Bis heute macht die 31-Jährige weiter Musik, allerdings ohne große Chart-Erfolge. Zuletzt veröffentlichte die Songwriterin die musikalisch gar nicht mal schlechte Platten auf ihrem eigenen Label "1773 Records".

Tobias Regner
Ähnlich erfolglos war der zum Rocker stilisierte Tobias Regner, Gewinner der dritten "DSDS"-Staffel. Mit der Single "I still burn" und dem Album "Straight" stieg er zwar auf Platz 1 ein, doch seine weiteren Singles "She’s so" und "Cool without You" kamen nur noch auf die hinteren Ränge. Zu einer Castingshow würde er nie wieder gehen, sagt Regner heute. Seit Ende 2007 schlägt er sich ohne Plattenvertrag durch. Im Frühjahr 2010 veröffentlichte Regner mit seiner gleichnamigen Band das kaum wahrgenommenen Album "Kurz Unsterblich".

Mark Medlock
Auch wenn sich die Show mit der vierten Staffel immer weiter von der Musik entfernte und zur Seifenoper mutierte, kann Mark Medlock, der im DSDS-Melodram erstmals als der abgehalfterte Arbeitlose ohne Perspektive besetzt wurde, musikalisch als bisher erfolgreichster "Superstar" gelten. Er hatte im Anschluss an das Casting mit "Now or never", "You can get it" und "Summer Love" drei Nummer-1-Hits. 2009, immerhin zwei Jahre nach seinem Sieg, schaffte er es mit der Single "Mamacita" auf Platz 2 und das dazugehörige Album "Club Tropicana" landete auf dem dritten Chartplatz. Auch seine 2010 veröffentlichte Platte "Rainbow’s End" kam auf Platz 3.

Thomas Godoj
Mit dem deutsch-polnischen Sänger Thomas Godoj – ebenfalls Hartz-IV-Empfänger – ging das DSDS-Sozialdrama in die zweite Runde. An die Erfolge von Mark Medlock konnte mit dieser Besetzung jedoch nicht angeknüpft werden. Zwar sprang seine Debut-Single "Love is you" 2008 ebenso auf Platz 1 der Charts wie das Album "Plan A". Schon die zweite Single "Helden gesucht" erreichte allerdings nur noch Platz 12. Schon nach kurzer Zeit trennte sich der Underdog von seinem Manager, dem DSDS-Juror Volker Neumüller. "Er buchte riesige Hallen, um hohe Vorschüsse zu kassieren. Dabei war gar nicht klar, dass ich sie füllen würde", erklärt der 32-Jährige gegenüber RP online. Seither tritt der Musiker vor allem auf kleineren Bühnen auf. Sein zweites Album "Richtung G" schaffte es auf Platz 15. Mit seiner 2010 erschienenen Single "Uhr ohne Stunden" landete er nur auf Platz 47.

Daniel Schuhmacher
Schnell bergab ging es für Daniel Schuhmacher, dem Gewinner der sechsten Staffel. Zwar stieg seine erste Single "Anything but Love" von Null auf Eins ein und auch sein Debut-Album landete auf dem ersten Platz – doch schon heute ist der Gewinner von 2009 in Vergessenheit geraten. Keiner seiner weiteren Songs schaffte es in die Top20. Im September 2009 trennte sich auch Dieter Bohlen von Schuhmacher. Kurz zuvor erklärte der Chef-Juror in einem Bunte-Interview, dass er "nicht diesen Killerinstinkt hat, den man in diesem Business eigentlich braucht."

Mehrzad Marashi
Auch dem "Superstar" der vergangenen Staffel Mehrzad Marashi hat der DSDS-Sieg nur kurz Glück gebracht. Seine erste Single kam auf Platz 1, sein Album "New Life" jedoch nur auf den fünften Platz der Charts. Seine groß angelegte Tournee musste er absagen, weil nicht genug Karten verkauft wurden. Kurz darauf hat sich Bohlen als Produzent von ihm getrennt. Für den Jury-Chef war der Iraner ohnehin nur zweite Wahl. Bohlens-Favorit war von Anfang an Marashis Kontrahent Menowin Fröhlich. Das für 2011 angekündigte zweite Album soll nun vor allem von Marashi selbst geschriebene Titel enthalten.

Fazit: Am morgigen Samstag startet die neue DSDS-Staffel. Ob diesmal ein "Superstar" gefunden wird, der sich mehr als ein bis zwei Jahre an der Spitze der Charts behaupten kann, ist fraglich. Bislang kann zwar festgehalten werden: Irgendwie überleben sie alle im Musikgeschäft – doch erfolgreich sind die wenigsten. Bis auf Alexander Klaws und Mark Medlock führte der Weg der DSDS-Gewinner über einen kurzen Höhenflug direkt in die Bedeutungslosigkeit. Mehrheitlich bestätigt sich, was Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in seinem Buch "Die Casting-Gesellschaft. Die Sucht nach Aufmerksamkeit und das Tribunal der Medien" formulierte: "Das Ziel einer Castingshow ist eine Castingshow".

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