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Warum Heilmann bei Facebook ausstieg

2008 stieg er ein, und noch vor dem 50-Milliarden-Deal mit Goldman Sachs stieg er Weihnachten 2010 wieder aus. Thomas Heilmann, Web-Investor und Mitgründer von Scholz & Friends, erklärt im MEEDIA-Interview, wieso er schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken spielte, seine Anteile an Facebook zu verkaufen. Wie der Verkauf ablief. Und warum er nicht glaubt, dass das Social Network den hohen Erwartungen der Finanzmärkte gerecht werden kann.

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Herr Heilmann, was war für Sie ausschlaggebend, Ihre Anteile zu verkaufen?

Das war ein Prozess, der im Sommer begann. Die Preise wurden immer höher. Irgendwann hab ich mir dann gesagt: "Jetzt ist es mal gut mit den horrenden Bewertungen". Und habe meine Anteile verkauft.

Und das schon vor dem Goldman-Sachs-Deal.

Von diesem Deal wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber die Bewertung war ja lange Zeit schon in ähnlichen Höhen.

Wie lief der Verkauf ab?

Nicht so, wie sonst bei nicht-börsennotierten Unternehmen. Denn Facebook selbst darf das ja nicht direkt machen, wenn sie ihre Unternehmenszahlen weiterhin nicht veröffentlichen wollen. Es gibt in solchen Fällen Mittler, die man kennen muss. Facebook bedient sich dieser. Und die ruft man dann an.

Auf diesem Wege kam Facebook damals auch auf Sie zu.

Genau. Was diese Leute 2008 bewogen hat, mich zu fragen, kann man nur erahnen. Damals war Facebook ja noch nicht in Deutschland aktiv. Deswegen ging man auch nicht davon aus, dass jeder sofort das Geschäftsmodell versteht. Als Xing-Co-Investor wird einem das vielleicht eher zugetraut. Das läuft ähnlich wie im Journalismus, wenn Sie ein freier Autor sind. Weiß eine Zeitung, was Sie können und wovon Sie etwas verstehen, ruft der Ressortleiter Sie auch an.

Warum nennen Sie die aktuelle Bewertung von Facebook “irre”?

Eine Bewertung bildet sich immer aus Angebot und Nachfrage. Man beurteilt den Wert eines Unternehmens immer auch fundamental. Und bei der fundamentalen Bewertung komme ich nach meiner Rechnung nicht auf 50 Milliarden Dollar. Nicht mal annähernd. Die Erwartungen müssen derart hoch sein, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie Facebook so etwas schaffen will. "Best Guess" ist ja, dass sie heute eine Milliarde Umsatz machen. Dann wären wir bei Faktor 50. Außerdem reden wir hier von Umsatz. Normalerweise richten sich Unternehmenswerte ja nach dem Gewinn aus.

Wenn Facebook an die Börse geht: Würden Sie wieder einsteigen?

Das hängt vom Preis ab.

Durch Ihren Verkauf haben Sie jetzt ein wenig Geld auf der hohen Kante. Irgendwelche Investment-Tipps für unsere Leser?

Das ist schwierig. Gerade, weil auch das wirtschaftliche Umfeld insgesamt schwer zu beurteilen ist. Ansonsten mache ich natürlich private Investments. Die sind aber nicht allgemein zugänglich.

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