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Nach 20 Jahren: Jauchs letzte ‚Stern‘-Stunde

Nach 20 Jahren und 953 Folgen moderiert Günther Jauch heute seine letzte "Stern TV"-Sendung. Mit seinem Ausstieg aus dem RTL-Magazin verabschiedet sich der TV-Star auch aus seiner Paraderolle als begnadeter Infotainer. Mit seinem Einstieg als Anne-Will-Nachfolger und ARD-Talker wird sich Jauch mit etwas herumschlagen müssen, von dem er bislang verschont blieb: massiver Kritik. Zudem ist unklar, ob der fließende "Stern TV"-Übergang von Jauch zu dem noch wenig bekannten Steffen Hallaschka gelingt

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Mit dem neuem Moderator gehen die Produktion und RTL ein gewisses Risiko ein. Der ehemalige NDR-Mann ist bundesweit noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Der große Erfolg von "Stern TV" basierte jedoch immer auf zwei Säulen: der guten Themen-Mischung und -Aufbereitung sowie Günther Jauch als einem der beliebtesten deutschen TV-Moderatoren. Dieser zweite Faktor fällt nun weg.

Gebannt werden die Programm-Planer und RTL-Manager auf die Quoten der ersten Hallaschka-Ausgaben blicken. Interessant wird dabei die Frage: Was passiert, wenn der Neue nicht gleich einschlägt? Wie viel Zeit hat er, um ein eigenes Profil und eine eigene Fan-Gemeinde aufzubauen?

Diesem Umstand ist sich allerdings auch Hallaschka selbst bewusst. So sagte er gegenüber dem Nachrichten-Portal News.de: "Auf lange Sicht wird es natürlich meine Aufgabe sein, eine eigene Handschrift zu hinterlassen und daran zu arbeiten, dass ‚Stern TV‘ nach einiger Zeit ganz selbstverständlich mit meinem Namen verbunden wird. Sendung und Format sind stark genug, um diesen Wechsel hin zu bekommen."

Thematisch will der Hamburger erst einmal nicht so viel verändern, was bei der großen Bandbreite, die die Sendung abdeckt, auch kaum möglich wäre. Trotzdem plant er, die Kompetenz der Fernseh-Wundertüte im Bereich der neuen Medien und neuer technischer Entwicklungen zu steigern. "Man wird merken können, dass ich aus einer anderen Generation als Jauch stamme."

Die kommenden Monate werden aber nicht für Hallaschka zur Herausforderung. Auch sein Vorgänger wird sich ganz neu beweisen müssen. Mit "Stern TV" und "Wer wird Millionär..?" hatte sich Günther Jauch eine für seine Fähigkeiten perfekte Nische geschaffen. Er war der sympathische und doch seriöse TV-Unterhalter, der niemandem weh tun musste. Ob der Wahl-Potsdamer nun eine Runde von profilierungs- und streitsüchtigen Politikern und Verbandsfunktionären leiten und mit einem möglichst hohen Erkenntnisgewinn befragen kann, ist noch völlig unklar.

Die letzten jauchschen Politiker-Interviews beim RTL-Jahresrückblick lassen jedoch darauf schließen, dass der Moderator noch einiges an Schärfe zulegen muss. Der Standard-Vorwurf an seine Sonntags-Talk-Vorgänger Sabine Christiansen und Anne Will war immer, dass sie zu nett seien und Defizite in der kritischen Gesprächsführung hätten. Es ist gut möglich, dass sich Jauch mit den exakt gleichen Rügen wird rumärgern müssen. Vor allem, weil Frank Plasberg, der öffentlich-rechtliche Meister einer straffen Gesprächsführung, ab Herbst immer nur einen Tag nach Jauch seine Gäste "hart, aber fair" befragen darf.

Mit dem Jauch-Ausstieg bei "Stern TV" geht heute Abend ab 22.05 Uhr (RTL) eine Erfolgsgeschichte zu Ende, die sich so nicht mehr wiederholen lässt – weder für den Sender noch für den Moderator.

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