Hürriyet-Verkauf: Springer, übernehmen Sie!?

Die drittgrößte türkische Tageszeitung steht zum Verkauf: Wie Agenturen berichten, will der Medienkonzern Dogan Yayin sein Massenblatt Hürriyet (Auflage: rund 500.000 Exemplare) verkaufen. Mit dem Erlös sollen Steuerstrafen beglichen werden. Die US-Bank Goldman Sachs habe den Prozess dafür eingeleitet, so die Nachrichtenagentur Reuters. Erste Gebote müssten bis zum 1. Februar vorliegen. In Deutschland, wo Hürriyet ebenfalls erscheint, hat Dogang zu Springer beste Kontakte. Ein Fall für eine Übernahme?

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Dogan Yayin war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Hürriyet-Aktien legten nach Bekanntwerden der Verkaufsabsichten mehr als fünf Prozent zu. Der deutsche Medienkonzern Axel Springer ist an der Fernsehtochter von Dogan beteiligt.
Der Schritt von Hürriyet sei unabhängig vom geplanten Verkauf weiterer Geschäftsteile, hieß es. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte es Gerüchte gegeben, wonach die RTL-Gruppe ein Gebot für Dogan Yayin vorgelegt habe. In der Türkei haben Fernsehsender und Zeitungen von Dogan, darunter die Hürriyet, einen Marktanteil von rund 30 Prozent. Auch die US-Konzerne News Corp. und Time Warner sind laut Reuters an einer Übernahme interessiert. Doch das Geschäft ist verzwickt: Dogan soll höhere Steuerbußgelder an den Staat bezahlen, als es an der Börse wert ist.
Das Unternehmen befindet sich in einem Steuerstreit mit der türkischen Regierung. Die geforderten Bußgelder summieren sich auf 4,8 Milliarden Türkische Lira (umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro), berichtet die Agentur Dow Jones Newswires. Das RTL-Angebot für den Medienkonzern bewerten Analysten mit zwei Milliarden Euro. Ein Sprecher von Dogan sagte damals, dass das Unternehmen schon länger Vermögenswerte verkaufen wolle. Allerdings gestalte sich der Abschluss einer Transaktion wegen des schwelenden Steuerstreits schwierig. Nun gibt es einen neuen Anlauf.
Bereits 2008 wollte ein deutscher Verlag im großen Stil bei Dogan einsteigen: Die Axel Springer AG ist mit 20 Prozent an Dogan TV beteiligt. Sie verzichtete wegen des Steuerstreits im vergangenen Jahr jedoch darauf, die Beteiligung auszubauen, obwohl schon mehrere Gespräche stattgefunden hatten. Nicht ausgeschlossen, dass man sich in Berlin überlegt, ein Angebot für Hürriyet abzugeben. Ein Springer-Sprecher lehnte eine Stellungnahme in diesem Zusammenhang ab und verwies darauf, dass es sich bislang lediglich um Verkaufsspekulationen handele.
Den Streit zwischen der türkischen Regierung und Dogan beäugt das Ausland kritisch. EU-Politiker gehen davon aus, dass der Präsident Tayyip Erdogan regierungskritische Medien bestrafen oder ruhigstellen will. Offiziell geht es bei dem Zwist jedoch darum, den Umfang der grauen und bislang nicht besteuerten Wirtschaft zu reduzieren.

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