Börse 2.0: Facebook-Aktien nur für Reiche

Eine der wichtigsten Nachrichten des Internet-Jahres wurde bereits zu Beginn der ersten Kalenderwoche verkündet: Das Goldman-Sachs-Investment in Facebook bedeutet den Anfang einer neuen Ära. Auf einen Schlag ist das Social Network zum Establishment von Corporate America geworden, das künftig in einem Atemzug mit Apple und Google genannt wird – die Start-up-Tage sind unwiderruflich vorbei. Während Goldman Sachs Zugang zum größten Börsengang der USA bekommt, bleiben Kleinanleger außen vor.

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Eine der wichtigsten Nachrichten des Internet-Jahres wurde bereits zu Beginn der ersten Kalenderwoche verkündet: Das Goldman Sachs-Investment in Facebook bedeutet den Anfang einer neuen Ära. Auf einen Schlag ist das Social Network zum Establishment von Corporate America geworden, das künftig in einem Atemzug mit Apple und Google genannt wird – die Start-up-Tage sind unwiderruflich vorbei. Während Goldman Sachs Zugang zum größten Börsengang der USA bekommt, bleiben Kleinanleger außen vor.

Der Paukenschlag ertönte kurz vor Sonntag-Mitternacht amerikanischer Zeit. "Goldman Sachs investiert 450 Millionen Dollar in Facebook, Digital Sky weitere 50 Millionen", berichtet die New York Times den Scoop als Erste. Das weltgrößte Social Network wurde über Nacht mit 50 Milliarden Dollar bewertet, während der Reichtum des Gründers Mark Zuckerberg auf 15 Milliarden explodierte. So weit die hard facts.

Doch das war noch nicht alles. Im Tagesverlauf wurde bekannt, dass die renommierteste Investmentbank der Wall Street Facebook weitere 1,5 Milliarden Dollar zu jener 50 Milliarden-Bewertung beschaffen werde – durch Aktien-Verkäufe an seine gut betuchten Kunden.

Cashflow ohne Ende: 2 Milliarden frische Mittel

Damit haben sich buchstäblich über Nacht die Größenverhältnisse gewandelt. Facebooks enorme Bewertung, die schon Wochen zuvor durch den Handel von Mitarbeiteraktien am Sekundärmarkt in ähnliche Höhen geschossen war,  ist offiziell – denn offizieller als von Goldman Sachs bewertet zu werden, geht an der Wall Street kaum. Das nicht mal sieben Jahre alte Social Network ist nach der Marktkapitalisierung damit schon die Nummer drei im Web hinter Google und Amazon.

Und Facebook hat eine neue, mächtige Währung, mit der es seinen Wachstumskurs antreiben kann. Gleich zwei Milliarden Dollar hat Facebook zusätzlich eingesammelt – damit kann das Unternehmen in den nächsten Jahren Mitarbeiter anheuern und zukaufen, wie es ihm beliebt.

Pre-IPO ist das neue IPO

Gleichzeitig haben sich die Spielregeln des Investierens in Internet-Unternehmen geändert. Pre-IPO, als das Investment vor dem Börsengang, ist das neue IPO. Im neuen Internet-Boom der Web 2.0-Ära ist nicht mehr der Kleinanleger der Geldgeber für das Wachstum, sondern die  Großinvestoren, die zuvor einsteigen. Sie finanzieren die Frühphase des Unternehmens und werden Kasse machen, wenn sie wollen. Bereits der Google-Börsengang 2004 schien mit einer  Spitzenbewertung von 35 Milliarden Dollar mächtig spät – Yahoo,  Amazon, eBay debütierten 1997, 1998 und 1999 noch für einen Bruchteil dieser Bewertung.

Bei Facebook, so viel ist klar, wird nicht nur ein Vielfaches der Dot.com-Pioniere erlöst, sondern wohl sogar auch ein Vielfaches von Google, denn Goldman Sachs wird nicht bei 50 Milliarden Dollar investiert haben, um zu 50 Milliarden Dollar wieder zu veräußern. 50 Prozent Gewinn dürfte das Minimum sein, was sich die Goldmänner als Return on Investment vorstellen, eigentlich ist alles unter einer Wertverdopplung unter den Gepflogenheiten der Top-Banker – damit könnte Facebook zum größten Börsengang  der westlichen Welt avancieren.

Kapitalismus 2.0: Nur Reiche werden bei Facebook wohl reicher

Profiteure davon werden jene Anleger sein, die bereits investiert sind – also die wohlhabende Goldman Sachs-Klientel, die jetzt zum Zuge kommt, während der Kleinanleger, der vielleicht gerne schon für ein 1000 Dollar-Investment eingestiegen wäre,  so lange  zuschauen muss, bis das komplett aufgeblähte Facebook irgendwann den freien Kapitalmarkt erreicht.

So klingt Kapitalismus 2.0: Facebook, das kostenlose, soziale Netzwerk für jedermann, wird damit zum unsozialsten Investment der Neuzeit – nur Reiche werden wohl reicher.

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