Wettunfall: Streit zwischen ZDF und Klinik

Im Fall des schwer verunglückten "Wetten. dass..?"-Kandidaten Samuel Koch war es still geworden. Jetzt macht sein Gesundheitszustand erneut Schlagzeilen - vorerst in der Schweiz, wo das Unfallopfer behandelt wird. Die einflussreiche Zeitung SonntagsBlick berichtet von "dicker Luft", die zwischen der Spezialklinik in Nottwil und dem ZDF herrsche. Über die Mainzer schreibt das Blatt: "Es scheint, als wolle das ZDF die Nachrichten über den Verunfallten steuern. Es sollen möglichst positive Nachrichten sein."

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Das ZDF erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die Ärzte im Paraplegiker-Zentrum im Kanton Luzern. Der SonntagsBlick (in der Schweiz vergleichbar mit der Bild am Sonntag) zitiert Sendersprecher Walter Kehr: "Das Erste, was sie abhielten, war eine Pressekonferenz, in der sie sagten, er werde nie mehr richtig gehen können. Das war weder mit Vater noch Sohn Koch so abgesprochen." Und: In Nottwil habe man sich vor allem selber gelobt. Die Klinik hält dagegen. Die Kommunikation des Gesundheitszustands sei sehr wohl mit der Familie abgestimmt gewesen, so eine Sprecherin.
Worum geht es? Am 4. Dezember war der 23-Jährige beim Versuch, mit so genannten Powerisern im Salto über mit 25 km/h entgegenfahrende Autos zu springen, schwer gestürzt und bewusstlos auf der "Wetten, dass..?"-Bühne  liegengeblieben. Nach dem Transport in die Düsseldorfer Uniklinik herrschte Ungewissheit, wie schwer seine dort diagnostizierten Verletzungen an der Wirbelsäule sein würden. Eine Woche später meldete Bild: "Hoffnung für Samuel" und spekulierte über eine weitgehende oder sogar völlige Genesung des Verunglückten. Am selben Wochenende trat der Vater von Samuel Koch in einem Interview auf, das im Rahmen des von Thomas Gottschalk moderierten ZDF-Jahresrückblicks ausgestrahlt wurde. Er wirkte wenig hoffnungsvoll.
Die "zaghaft positive" Prognose, die einem der behandelnden Düsseldorfer Ärzte zugeschrieben wurde, teilten die Schweizer Kollegen offensichtlich nicht. Sie machten klar, dass sie nicht von der Möglichkeit einer weitreichenden Heilungschance ausgingen. Dennoch, so der Blick, habe das ZDF noch vor Weihnachten auf seiner Website genau dies in den Raum gestellt und zurückhaltend berichtet, dass es nach Angaben der Ärzte "möglich" sei, "dass er (Samuel) dauerhaft gelähmt bleibt".
Der Blick dazu: "Möglich? Das war zu diesem Zeitpunkt längst sicher." Samuel Koch, so die Zeitung, die sich beim Bericht auf "zuverlässige Quellen" beruft, leide an ­einer schweren Tetraplegie: "Das heißt, er wird sein Leben lang Lähmungen an Armen und Beinen haben. Die ­Ärzte in Nottwil haben also keineswegs dramatisiert." Auch nach MEEDIA-Informationen verdichten sich die Anzeichen, dass die Lähmungen schwerwiegender und dauerhafter sind, als von allen erhofft. Gewissheit wird es frühestens kommende Woche geben, wenn die nächste Pressekonferenz des Ärzteteams in Nottwil zum Zustand von Samuel Koch stattfinden soll. Laut Blick-Bericht liegt der Verletzte nach wie vor auf der Intensivstation des Paraplegiker-Zentrums.
Gibt es in der Sache so unterschiedliche ärztliche Einschätzungen? Oder geht hier es um etwas Anderes? Tatsächlich dürften das ZDF sowie dessen Unterhaltungs-Flaggschiff "Wetten, dass..?" den geringsten Imageschaden davontragen, wenn die Hoffnung auf eine vollständige Erholung des Kandidaten von seinen Verletzungen möglichst lange erhalten bleibt. So wurden zwar Änderungen am Konzept sowie eine "Entschärfung" gefährlicher Wetten angekündigt, allerdings ist unklar, wie es mit mit dem Quoten-Garanten weitergehen soll, falls der Wettkandidat tatsächlich lebenslang mit schweren Folgeschäden zu kämpfen hätte. Auch Moderator Thomas Gottschalk (den der SonntagsBlick ebenfalls kritisiert) hatte erklärt, er werde über seine eigene künftige Rolle bei "Wetten, dass..?" erst dann nachdenken, wenn klar sei, wie es langfristig um die Gesundheit von Samuel Koch steht. Für den 12. Februar ist die nächste Show angesetzt.

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