nr: BamS-Aktion „grundsätzlich lobenswert“

Am vergangenen Wochenende druckte die Bild am Sonntag auf ihr Titelblatt Fotos von rund hundert Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, die die Freilassung der zwei im Iran inhaftierten deutschen Reporter fordern. Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (nr) hat die Aktion als "grundsätzlich lobenswert" kommentiert. Sie wies aber darauf hin, dass die Zeitung dadurch auch eine "anspruchsvolle Selbstverpflichtung" eingehe.

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In der Stellungnahme von Netzwerk Recherche heißt es:
"1. Grundsätzlich ist es sehr lobenswert, dass sich die Bild-Zeitung s o intensiv für seine Mitarbeiter einsetzt, die der Springer Verlag zur Berichterstattung in den Iran entsandt hat. Damit geht die Bildzeitung natürlich eine anspruchsvolle Selbstverpflichtung ein: künftig auch in anderen noch schwerwiegenden  Fällen, etwa der Folterung oder Tötung von Journalisten in der Welt Alarm zu schlagen. Über die Einschränkung der  Pressefreiheit und die Verletzung von Menschenrechten wird die Bild-Zeitung  künftig sicher sehr prominent berichten, um den selbst formulierten Ansprüchen gerecht zu werden.

2. Wirkliche Solidarität von Prominenten bei solch einer Kampagne erschöpft sich natürlich nicht in einem Statement. Manager, die enge Wirtschaftskontakte zum Iran unterhalten, sollen ihre Kontakte mit iranischen Regierungsvertretern  nutzen. Außenminister Guido Westerwelle verfügt über bislang ungenutzte Instrumente, sich für verfolgte Journalisten in aller Welt einzusetzen. Es geht hier ja auch nicht um isolierte Einzelfälle sondern um eine Gesamtbetrachtung.

3. Bei einer Kampagne mit diesem Ausmaß besteht natürlich auch die Gefahr der Selbstinszenierung mit der verdeckten Marketing-Botschaft an das Publikum: Seht her: Wir sind der Gralshüter der Pressefreiheit; Wir riskieren Leib und Leben für die Wahrheit; Wir legen uns mit Diktaturen an. Ein ziemlich hoher moralischer Anspruch, dem dann natürlich die gesamte Berichterstattung genügen muss."

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