Wie Apple mit iOS Nintendo & Co. bedroht

Bei Verlagen gelten Geräte wie iPhone und iPad als mögliche Retter für Bezahl-Inhalte. Für die Spiele-Industrie dagegen ist die iOS-Plattform von Apple ein Preisbrecher, die ein ganzes Geschäftsmodell existenziell bedroht. Während Firmen wie Nintendo für exklusive Spiele auf ihren Konsolen Preise von über 40 Euro verlangen, lockt die App-Welt mit immer besseren und teilweise identischen Games bis zu 5,99 Euro. Das Preisgefüge der App-Welt stellt die Games-Industrie vor gewaltige Herausforderungen.

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Das vielleicht beste Beispiel ist das Spiel “Lego Harry Potter- die Jahre 1 bis 4”. In der beliebten Lego-Videospiel-Reihe kann man bekannte Filmstoffe mit Lego-Figuren nachspielen. Das gab es bereits für “Star Wars”, “Indiana Jones” und “Batman”. Das “Lego Harry Potter Spiel” kostet für Nintendos Wii-Konsole bei Amazon derzeit knapp 60 Euro, für die Playstation 3 knapp 40 Euro und für Nintendos Mobil-Konsole DS etwas über 30 Euro. Für iPad und iPhone gibt es eine Version des Spiels für 3,99 Euro. Allein dieser Vergleich zeigt das Problem, das die Konsolen-Hersteller haben.

Die iPad-Variante von “Lego Harry Potter” steht grafisch und vom Spielspaß her den ungleich teureren Konsolen-Versionen kaum nach. Die mobilen Geräte werden nämlich immer besser. Das 4,99 Euro teure iPhone/iPad-Spiel “Infinity Blade”, bei dem es um waffenklirrende Schwertkämpfe geht, bietet schon heute eine Grafik, die man vor kurzem noch ausschließlich auf einer High-Tech-Konsole vermutet hätte. Der Spielumfang ist zwar geringer als bei Konsolen-Titeln, aber es zeigt, was mittlerweile alles auf mobilen Geräten möglich ist.

Noch ein Beispiel: Nintendo macht einen großen Teil seines Geschäfts mit exklusiven Spiele-Titeln, die ausschließlich für Nintendo-Konsolen zu haben sind. Zum Beispiel den Super-Mario- oder Zelda-Spielen. Ein beliebtes Spiel wie “Mario Kart Wii” kostet immer noch um die 40 Euro, obwohl das Spiel schon über ein Jahr alt ist. Nun ist “Mario Kart Wii” sicher ein tolles Spiel mit ausgefeiltem Gameplay und viel Spielspaß. Aber für die iOS-Plattform gibt es einen Titel wie “Shrek Kart”, der das gleiche in grün bietet. Bei “Shrek Kart” ist das Gameplay zugegebenermaßen nicht ganz so ausgefeilt wie bei “Mario Kart” – aber für viele Kids ist der riesige Preisunterschied bei einem sehr ähnlichen Titel ein ausschlaggebendes Argument. Zumal bei den iOS-Spielen viele Spiele in abgespeckten Gratis-Versionen vor dem Kauf erst antesten kann.

Aber es kommt noch schlimmer für die Konsolen-Hersteller: Mit einem Smartphone, einem iPod oder Tablet bekommt die unterhaltungshungrige Kundschaft nicht nur ein Spielgerät, sondern auch einen MP3-Spieler, einen Internet-Browser, eine Kamera, ein Gerät, mit dem man Filme anschauen kann usw. Kein Wunder, dass in diesem Jahr unter vielen Weihnachtsbäumen eher ein iPod Touch lag, statt einem Nintendo DS.

Das Geschäft der Konsolenhersteller, wie Nintendo, Sony und Microsoft, besteht darin, Konsolen vergleichsweise günstig zu verkaufen und anschließend mit teuren Spielen viel Geld zu machen. Apple stellt das Prinzip auf den Kopf. Hier sind es die Geräte, die dem Hersteller das Geld bringen. Die Fülle an Apps sind eher ein Kauf-Argument für die Hardware, nicht umgekehrt.

Bisher ist Nintendo und Co. noch keine Abwehrstrategie eingefallen. Man muss abwarten, wie die angekündigte 3D-Version der Mobilkonsole DS im Markt aufgenommen wird. Nintendo ist eine Firma, die im Jahre 1889 gegründet wurde und sich in ihrer Anfangszeit auf die Produktion von klassischen japanischen Spielkarten konzentriert hat. Erst in den 70er Jahren wandte sich das Unternehmen den damals aufkommenden Videospielen zu und brachte es zum Weltmarktführer. Vielleicht muss sich Nintendo irgendwann in der Zukunft noch einmal ein neues Geschäftsfeld suchen.

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