Christian Ude rechnet mit Journalisten ab

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der selbst einmal Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung war, übt scharfe Kritik an Journalisten, die hämisch über Politiker und deren angebliche Fehler berichten: "Zurzeit ist es einfach angesagt, Politiker dem allgemeinen Gespött auszuliefern, als Volltrottel, die alles falsch machen", schreibt er in einem Beitrag für das Zeit Magazin. Sich selbst hielten Journalisten dagegen für unfehlbar und blendeten eigene Fehlurteile konsequent aus.

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Als "hinterfotzige Niedertracht" bezeichnet Ude es – in ironischem Ton -, dass er für das Zeit Magazin zu Papier bringen solle, was er in diesem Jahr "schon wieder alles falsch gemacht" habe. Anstatt zu machen, was das Hamburger Verlagshaus von ihm forderte, lästert der 63-Jährige lieber über seine ehemaligen Redakteurskollegen.
"Journalisten irren nie, sie sind nur dedicated followers of fashion", schreibt Ude in seinem Beitrag. Sie würden nur der gängigen Meinung folgen. Weiter fragt er: "Gab es eigentlich einen einzigen Journalisten im bekanntlich großen Bundesland NRW, der wenigstens nachträglich zugegeben hätte, dass es doch vielleicht keine gute Idee von ihm war, die Bochumer Oberbürgermeisterin mit Hohn und Spott zu überziehen, weil sie tatsächlich wegen polizeilicher Sicherheitsbedenken die Chance verpasste, mit einer Loveparade in die Champions-League der Eventstädte aufzusteigen?"
Münchens Oberbürgermeister spricht in seinem Artikel auch Probleme der Kommunalpolitik an. Wenn man zum Beispiel den Wohnungsbau ankurble, müsse man sich anhören, man zerstöre die letzten Oasen der Stadt. Wenn man aber alle Wiesen bewahre, sei man schuld an schrecklichen Schicksalen von Wohnungssuchenden und an den steigenden Mieten.
Bedenklich wird Udes Beitrag an der Stelle, an dem er über die Wirtschaftsjournalisten der deutschen Zeitungen sinniert: "Gut 15 Jahre lang haben sie nicht nur im Wirtschaftsteil unisono gefordert, endlich ‚weniger Staat‘ zu wagen, Finanzmärkte zu entfesseln, Regeln und Kontrollen fallen zu lassen und der Allwissenheit des Marktes zu vertrauen." Diese Behauptung ist schwer zu überprüfen und möglicherweise auch nicht ganz falsch. Aber es wirkt reichlich pauschal, wenn der 63-Jährige Redaktionen wie die der Welt und der taz über einen Kamm schert.

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