„Strombergs“ billige „Traumschiff“-Schelte

“Stromberg”-Darsteller Christoph Maria Herbst und sein Verlag mit dem passenden Namen Scherz haben zum Jahreswechsel einen echten Buch-Coup gelandet. Herbst spielt in der der Neujahrsfolge der ZDF-Kultserie “Das Traumschiff” mit und hat darüber ein Läster-Buch namens “Ein Traum von einem Schiff” geschrieben. Die PR-Maschinerie, die dazu in Gang gesetzt wurde, ist beeindruckend: von Talkshows über “TV total” bis hin zur Seite 1 der Bild. Das Buch selbst wird dem Wirbel aber nicht gerecht.

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Die Marketing-Strategie zu Christoph Maria Herbsts Buch “Ein Traum von einem Schiff” wirkt so perfekt wie die Sonnenuntergänge an Bord der MS Deutschland. Spätestens seit er mit dem Büro-Ekel “Stromberg” die Rolle seines Lebens gefunden hat, ist Herbst für gewisse studentische Kreise eine Art Held. Für diese Zielgruppe hat er nun “eine Art Roman” geschrieben, wie es im Untertitel zum Buch heißt.

Der Gedanke dabei war vermutlich ungefähr so: Der Herbst lästert zynisch und ein bisschen politisch unkorrekt über den “Mumien-Schlepper Traumschiff” ab, das sorgt für Schlagzeilen und TV-Einladungen im Vorfeld der Ausstrahlung und pusht die Verkaufszahlen. Parallel wurden große Buchhandelsketten und Bahnhofsbuchhandlungen mit riesigen Christoph-Maria-Herbst-Pappaufstellern und ausreichend Büchern versorgt, mit denen sie ihre Schaufenster dekorieren können.

Die Bild-Zeitung freute sich auch. An einem Tag zierten die vermeintlich ach so fiesen Herbst-Sprüche (“Volkshochschulschauspieler”, “schwimmende Schwarzwaldklinik” etc.pp.) die Seite 1. Am nächsten Tag kam dann “Traumschiff”-Produzent Wolfgang Rademann zu Wort, der so tut, als mache ihm die Kritik nichts aus, der aber trotzdem leicht beleidigt wirkt (“Aber wahrscheinlich hat er nur zugesagt, weil die Reise so schön war.”). Der Quote wird es auch nicht schaden, denn das normale “Traumschiff”-Publikum schaltet sowieso ein und nun kommen vielleicht noch ein paar “Stromberg”-Fans dazu, die schauen, ob sie die Beschreibungen ihres Meisters auf dem Bildschirm wiederfinden.

Dabei liefert Christoph-Maria Herbst in seinem Buch laue Witzchen am Fließband, die auch eines Mario Barth würdig wären. Es ist schon gut so, dass er den “Stromberg” spielt und nicht die Dialoge schreibt. So scheint er es offenbar für gelungene sprachliche Komik zu halten, ständig diverse Dialekte von Passagieren oder den Berliner Zungenschlag von Wolfgang Rademann in Lautschrift aufzuschreiben (“Det is’n Kracha.”) Oder die häufige Verwendung des Wortes “Wow” für ein überragendes Stilmittel zu halten. “Wow. Panama.”, “Wow. Hygiene.”, “Wow.Schwerkraft.”, “Wow Pelikane.”, “Wow Takkatukkaland” usw. Allein die Ankündigung im Klappentext des Buches zeigt, in welche Humor-Richtung es geht: “Das bleibt kein Bullauge trocken.” Wer über solchen Wortwitz lachen kann, ist hier genau an der richtigen Adresse.

Das Schlimmste aber ist die versteckte Anbiederei, die zwischen all den Zeilen steht. Herbst vermischt in seinem Buch Beobachtungen mit Erfundenem. Echte Namen sucht man, mit Ausnahme Rademanns, vergeblich. Peinliche Enthüllungen über Schauspieler-Kollegen gibt es nicht. Und auch der gekünstelte Überbau, dass vielleicht alles doch ein Traum war, eben ein “Traum von einem Schiff”, scheint eher an die mitlesenden TV-Kollegen von Herbst gerichtet als an die Leser. Die Botschaft: War doch alles nicht so böse gemeint, war doch alles nur ein “Traum”, bzw. eine “Art Roman”. Der Mann will schließlich auch künftig mitspielen im TV-Business und das Nest, in dem er sitzt, nicht allzu sehr beschmutzen. Unter solchen Voraussetzungen können Marketing-Coups und Verkaufserfolge entstehen. Aber keine guten Bücher. Und generell gilt ohnehin: Bei Büchern, auf deren Cover ein Foto des Autoren prangt, sind mit allerhöchster Vorsicht zu genießen. Beziehungsweise: besser gar nicht.

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