Diese Apps sind wahre Plaudertaschen

Apps sind nicht nur nützlich, sondern mitunter recht geschwätzig. Das hat das Wall Street Journal bei einem breit angelegten Test herausgefunden. Das erschreckende Ergebnis: 56 der Apps übertrugen die Gerätenummer, ohne den User darüber zu informieren. 47 übermittelten ungefragt den Aufenthaltsort des Users, fünf schickten sogar Alter, Geschlecht und andere sensible Daten an Dritte. Die Informationen landen bei Werbeunternehmen. Wir erklären Ihnen, was welche Apps mit Ihren Daten anstellen.

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Werbefirmen und App-Entwickler nutzen eine Lücke in den AppStore-AGBs. Anders als bei der Verwendung von Geodaten verlangen Apple und Google von den Entwicklern nicht, in ihren Apps bei der Abfrage der Gerätenummer eine Erlaubnis einzuholen. Diese Nummer wird vom Hersteller oder Telefonanbieter vergeben und lässt sich nicht verändern. App-Anbieter können anhand dieser Nummer ihr Smartphone aus der Masse der Geräte identifizieren und – ähnlich wie bei Cookies im Browser – genau verfolgen, welche Programme sie herunterladen und wie sie sie benutzen.

Ein User, 150 Kategorien
Firmen wie das US-Unternehmen Mobclix sammeln diese Infos und bündeln sie zu Nutzerprofilen. Nach eigenen Angaben könne man eine Person auf diese Weise in 150 unterschiedliche Kategorien einordnen. Vom “grünen Enthusiasten” bis zur “Fußballmutter”. Anzeigenkunden können mit solchen Profilen zielgenau Werbung schalten. Dafür werden die gesammelten Daten beispielsweise mit Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen zusammengeführt. Das Ergebnis sind ausgeklügelte Gruppenprofile, sortiert nach Geschlecht, Standort, Alter oder Vorlieben. Mobclicx arbeitet mit 25 Werbenetzwerken zusammen, die für rund 15.000 Apps Werbepartner suchen. Ein riesiger, bislang gänzlich unbeachteter Markt für sensible Daten.

Welche Apps plappern ungefragt? Was erzählen Sie? Und wem? Grob festzuhalten ist nur, dass Bezahl-Apps im Durchschnitt weniger Daten übermitteln als kostenlose. So schickte beispielsweise die Android-App des Social Networks MySpace Alter und Geschlecht zusammen mit der Gerätenummer an Millennial Media, ein großes Werbenetzwerk.
Wir haben eine kleine Auswahl der beliebtesten Apps zusammengestellt und erklären, was Sie mit Ihren Daten anstellen.

Pandora: Als besonders geschwätzig gilt die App, die eigentlich für mobilen Musikgenuss sorgen soll. Sie übermittelt Alter und Geschlecht sowie die Gerätenummer an acht unterschiedliche Empfängere. Darunter auch die Werbefirmen Weeklyplus und Medialets.

Angry Birds
: Die kleinen Vögel sind nicht nur böse, sondern auch überaus redselig. Die App übermittelt die Phone-ID, den Standort, Kontaktdaten und Login-Daten. Diese Informationen werden an den Games Publisher Chillingo und das Werbeunternehmen Flurry übermittelt.

Facebook
: Diese App sammelt auf Wunsch Username und Passwort, den Standort und die Kontaktdaten des Users und übermittelt sie an Facebook selbst. Auf Anfrage des WSJ erklärte das Unternehmen, in keinem Fall sensible Daten an Dritte zu verkaufen.

Foursquare: Der Geolocationdienst übermittelt die Telefonnummer, den Standort, das Alter und das Geschlecht sowie die Login-Daten an das Unternehmen selbst sowie auf Wunsch an Twitter und Google.

Hipstamatic
: Die beliebte Foto-App übermittelt die Gerätenummer an Apple bzw. iTunes. Allerdings ohne vorher den User um Erlaubnis zu bitten.

NYTimes: Journalistisch weiterhin ohne Fehl und Tadel, gibt sich die App der New York Times gar nicht so vorbildlich. Sie greift die Gerätenummer und auf Wunsch den Standort ab, übermittelt aber ungefragt an Dritte die Stadt und die Postleitzahl sowie die Phone-ID. Unter den Empfängern befinden sich die Werbefirmen Flurry, Medialets und Quattro (verantwortlich für die iAds).

Shazam: Kaum eine App wird so häufig genutzt wie das Tool, das auf Knopfdruck erkennt, wie ein Song heißt und wer ihn spielt. Aber irgendwie muss sich der geniale Service ja finanzieren. Deswegen übermittelt die App munter Daten an die Mobile Interactive Group, Flurry und Quattro – allesamt Werbefirmen.

Talking Tom
: Talking Tom ist ein kleines Kätzchen, das mit einer Fiepsstimme alles nachplappert, was Sie in Ihr iPhone sprechen. Nicht mehr, nicht weniger. Die App ist kostenlos, leitet jedoch Standort und die Phone-ID an die Drittunternehmen Mobclicx, Inmobi, AdMob, und Quattro weiter.

PaperToss: In diesem kleinen Spiel müssen Sie per Fingerwisch Papierknäuel in einen Korb befördern. Und auch hier bekommt man das Gefühl, dass einige Apps nur existieren, um Userdaten weiterzuleiten. Denn Publisher Backflip hat hier ganze Arbeit geleistet. Die App funkt an DoubleClick, AdSense, Admob, Geocade, Flurry und Quattro. Diese Firmen verdienen Geld mit der Analyse von Kundendaten.

Fragen des Wall Street Journals an Apple, ob das Unternehmen künftig in den AGBs nachbessert, wurden nicht beantwortet. Das App-Geschäft scheint aus Privacy-Sicht noch eine Grauzone zu sein. Denn die meisten der getesteten Anwendungen verfügen noch nicht einmal über eine Datenschutzerklärung. Fraglich ist auch, was mit den Kundendaten passiert, die bei den Werbefirmen auflaufen. Werden Sie eventuell weiterverkauft? Was passiert mit den Kundenprofilen? Wie genau sind die Informationen über mein Kaufverhalten?
Wenn Sie etwas mehr Gewissheit wollen, welche App sich nur wenig um Ihre Privatssphäre schert, sollten Sie sich “Privacy‘>. Leider ist die App nur für Android-Smartphones verfügbar. Das kleine Programm erklärt Ihnen detailliert, worauf andere Apps zugreifen und mit wem sie kommunizieren. Ein Übersicht, welche Apps es sich außerdem noch zum Ziel gesetzt haben, ihre Daten anderen mitzuteilen, finden Sie in der interaktiven Infografik des Wall Street Journals.

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