Assange: mit Memoiren aus der Haft

Die einen schreiben für den Ruhm, die anderen für das Geld. Assange schreibt, um nicht ins Gefängnis zu wandern. Der Wikileaks-Gründer ist auf Kaution frei, musste aber schon Unsummen in seine Verteidigung stecken. Jetzt will er seine Memoiren versilbern lassen - für rund 1,2 Millionen Euro. Ein Job, der dem 39-Jährigen zutiefst zuwider scheint. Denn bis zur Veröffentlichung des Irak-Videos und dem Durchbruch von Wikileaks galt der ehemalige Physiker unter Kollegen als Couchsurfer und Schnorrer.

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Assange lebt derzeit recht komfortabel auf Ellingham Hall, dem Landsitz seines Freundes Vaughan Smith im Südosten Englands. Aber was ihm bald bevorsteht, ist alles andere als komfortabel. Er kämpft nicht nur mit der schwedischen Justiz, die ihn wegen "weniger grober Vergewaltigung" anklagt, sondern muss auch damit rechnen, wegen der Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen in die USA ausgeliefert zu werden.

Mit Memoiren sich und Wikileaks retten
Assange könnte monate-, wenn nicht sogar jahrelanges Prozessieren bevorstehen. Und das kostet Geld, viel Geld. Er muss den Prozess in Schweden finanzieren, bei dem er laut schwedischer Medien nur wegen der internationalen Aufmerksamkeit Chancen auf ein mildes Urteil hat.

              Julian Assanges Couchsurfing-Profil?

Indes droht auch der Enthüllungsplattform selbst das Geld auszugehen: Visa, Mastercard und die Bank of America haben den Zahlungsverkehr mit Wikileaks eingestellt. Zwar spenden immer noch Menschen, aber der Geldfluss stockt. Die Finanzierung zum Erhalt der Seite und Betrieb der Server droht zu kippen.

Der Australier hat nun angekündigt, seine Autobiographie zu schreiben. Unfreiwillig, wie er gesteht: "Ich will dieses Buch nicht schreiben, aber ich muss", erklärt der 39-Jährige. Die Verträge mit Verlagen sind bereits unterzeichnet. Eine Million Pfund (rund 1,17 Millionen Euro) will er so in die Kriegskasse spülen. Für die Autobiografie werde er 518.000 Pfund (610.000 Euro) von seinem US-Verlag Alfred A. Knopf erhalten, sagte Assange. Der Verlag gehört über die Gruppe Random House zum deutschen Bertelsmann-Konzern. Weitere 325.000 Pfund sollen vom schottischen Verlag Canongate kommen. Zusätzlich soll Geld über Tantiemen eingespielt werden.

Vom Couchsurfer zum gesuchten Mann
Es wirkt beinahe so, als wäre es Assange zutiefst zuwider, Geld zu verdienen. Aussagen ehemaliger Wikileaks-Mitstreiter untermauern das. So soll der 39-Jährige bis zum Scoop mit dem Irak-Video, das die Erschießung eines unbewaffneten Kamerateams zeigt, auf Kosten von anderen gelebt haben. Laut Daniel Domscheit- Berg, einst WikiLeaks- Sprecher, hatte Assange bei einem längeren Aufenthalt in Deutschland vor fünf Jahren nicht einmal genug Geld für ein Hotel oder eine Wohnung.

Das verwundert kaum. Denn als Begründer der Seite war Assange wie kein anderer rund um die Uhr in der Weltgeschichte unterwegs, während seine Mitstreiter “normalen” Berufen nachgingen. So soll er alle zwei Wochen bei einem anderen Kollegen übernachtet haben. Man munkelt, dass Assange auf derartigen Couchsurfing-Reisen auch die Frauen kennenlernte, die ihn später wegen Vergewaltigung anklagten.

Wie das Wall Street Journal recherchierte, leitete die in Deutschland ansässigen Wau-Holland-Stiftung 2010 rund eine Million Euro an Spenden an Wikileaks weiter. 2009 hatte die Whistleblower-Plattform noch ein Budget von 150.000 Euro, das fast ausschließlich für Server, Software und Assanges Reisen eingesetzt wurde.

Und erstmals zahlte die Stiftung Gehälter an die Aktivisten aus – bisher 100.000 Euro an sieben Personen. Assange ist eine davon und erhielt gleich zwei Drittel der Gesamtsumme. Beim Bezahlmodell orientiert man sich an der Umweltorganisation Greenpeace, die ihren Bereichsleitern monatlich 5.500 Euro zahle. Doch mit 66.000 Euro lässt sich kein Mammut-Prozess gewinnen. Und selbst ein Honorar von 1,2 Millionen Euro verblasst im Vergleich zur Gage anderer prominenter Memoiren-Schreiber. Tony Blair, ehemaliger britischer Premier, erhielt für “A Journey” rund 5,6 Millionen Euro.

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