Sarrazins bitterer Weihnachtsgruß in der FAZ

Die FAZ räumte in ihrer Heiligabend-Ausgabe die ganze erste Seite des Feuilletons für eine Weihnachtsbotschaft der unversöhnlichen Art frei. Ein Bild zeigt Thilo Sarrazin mit Weihnachtsmütze vor einem Glühweinstand. Mit seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” hat er einen beispiellosen Bestseller geschrieben und eine anhaltende Diskussion um die Integration von Zuwanderern angezettelt, wurde aber auch scharf kritisiert. Mittlerweile empfinde er für Politik und Medien nur noch Verachtung.

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“In Politik und Medien gibt es nach meiner Überzeugung heute keineswegs mehr, sondern eher weniger Zivilcourage und wirklich unabhängiges Denken als in der Weimarer Republik oder in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik”, schreibt Sarrazin in der FAZ und geißelt “überbordenden Opportunismus” und “kriecherische Feigheit”.

Die schärfsten Kritiker seines Buches hätten dieses gar nicht gelesen, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff. Letzterer empfing zur Aufzeichnung seiner Neujahrsansprache Kinder, Nonnen und Pfadfinder und lobte das Ehrenamt – eine Szenerie die wahrscheinlich nicht dazu geeignet ist, Sarrazins Verachtung zu mildern.

Der Kanzlerin bescheinigte Sarrazin ein Vorgehen wie bei der “Heiligen Inquisition”, als sie sein Buch als “nicht hilfreich” bezeichnete. Und Goethe habe vor 200 Jahren mehr von der totalitären Gefahr des Islam verstanden als heute die Redenschreiber des Bundespräsidenten. Dem haute Sarrazin dann noch ein unvollständiges und verfälschtes Goethe-Zitat um die Ohren, dass Wulff bei seinem Türkei Besuch verwendet hatte. Sarrazin: “Wie schön wäre es, wenn unsere politischen Führer nicht nur über die Halbbildung ihrer Redenschreiber, sondern über eigene Bildung verfügten!”

Im zweiten Teil seines Textes beschreibt Sarrazin zahlreiche Begegnungen mit Fans, darunter viele Einwanderer und junge Leute, die sich dankbar gezeigt hätten, dass er ein Kartell der politischen Korrektheit durchbrochen habe. Sein Fazit fällt halb resigniert aus. Manche starke Wort sei von Politikern in den vergangenen vier Monaten womöglich aufgrund seines Buches gesprochen worden – aber mehr als Worte könne er noch nicht erkennen. “Viele Politiker warten offenbar darauf, dass die durch das Buch ausgelöste Resonanz im Windschatten der nächsten Aufregung verschwindet”, so Sarrazin. Sein Buch wurde bisher rund 1,2 Mio. mal verkauft. Es ist der größte Verkaufserfolg seit der Einführung der Buchverkaufsstatistik in Deutschland. Viele der Käufer dürften das Buch tatsächlich auch gelesen haben – ganz im Gegensatz zu vielen Büchern von Politikern.

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