Das sind die Journalisten des Jahres 2010

Das medium magazin hat die Journalisten des Jahres 2010 gewählt. Der Preis geht in diesem Jahr an Carolin Emcke. Chefredakteur des Jahres ist Wolfgang Büchner. Frank Schirrmacher erhält den Preis als Kulturjournalist des Jahres für die Aufarbeitung von Sarrazins Thesen. Newcomer des Jahres ist Sebastian Heiser für sein Projekt “open taz”. Den Preis für das Lebenswerk vergab die Jury aus Journalisten und Medienexperten an den scheidenden Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Hans Werner Kilz.

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Mit der Auszeichnung "Journalist des Jahres 2010" würdigte die Jury des medium magazin die freie Autorin Carolin Emcke: "Carolin Emcke hat 2010 durch ihre publizistischen Beiträge der gesellschaftlichen Debatte in Deutschland wichtige Impulse gegeben. Ihr ist es beispielhaft gelungen, Themen wie kulturelle Identität und gesellschaftliche Konfliktsituationen aus der nationalen Bauchnabelschau zu holen und in den notwendigen internationalen Kontext einzuordnen. In der Vielfalt ihres publizistischen Wirkens – als Reporterin, Essayistin und Buchautorin – zeigt sie eine außergewöhnliche Bandbreite mit hoher intellektueller Unabhängigkeit in ihrer Urteilskraft.” Emcke war zuvor schon mit dem Reporterpreis 2010 ausgezeichnet worden.

Zum Chefredakteur des Jahres wählte die Jury Wolfgang Büchner. Ihm sei es gelungen, “der dpa neue Impulse zu geben: Er setzt Maßstäbe für Kommunikation und Transparenz, so beim offenen Umgang mit Fehlern. Er meisterte den Umzug in einen zukunftsweisenden Newsroom der größten deutschen Nachrichtenagentur.”

Sabine Adler vom Deutschlandfunk erhält den Preis als Politikjournalistin des Jahres: "Sabine Adlers Kommentare, Berichte und Interviews zeichnen sich durch ebenso kompetente wie kluge Analysen auf konstant hohem Niveau aus. Sie entzieht sich bewusst dem oft allzu aufgeregten Hauptstadtjournalismus und sorgt ruhig für den notwendigen Überblick über das politische Geschehen, insbesondere mit ihren Beiträgen in den "Informationen am Morgen" des Deutschlandfunk. Das macht sie zur unverzichtbaren Stimme im Konzert der politischen Berichterstattung."

Die Auszeichnung als Wirtschaftsjournalist des Jahres darf Klaus Ott von der Süddeutschen Zeitung entgegennehmen. "Klaus Ott hat sich als glänzender investigativer Journalist in diesem Jahr vor allem um die Aufklärung des BayernLB-/HypoAlpeAdria-Komplexes verdient gemacht hat. Seine Hartnäckigkeit und Fähigkeit, Fehlentwicklungen in hochkomplexen Wirtschaftsprozesse und -verflechtungen aufzuspüren und auch für Laien verständlich zu machen, sind vorbildlich. Das hat er 2010 herausragend unter Beweis gestellt”, so die Begründung der Jury.

Kulturjournalist des Jahres ist Frank Schirrmacher. Ihm sei mit der wegweisenden und beispielgebenden Behandlungen des Aufregerthemas des Jahres ein Meisterstück gelungen: Thilo Sarrazins Thesen aus dem Buch “Deutschland schafft sich ab”. “Seine Essays, Interviews und Themensetzungen, auch zu anderen Themen wie z.B Internet oder Auswärtiges Amt, sind der beste Beweis dafür, dass die Auseinandersetzung mit der Kultur einer Gesellschaft das Fundament der politischen Berichterstattung ist", erklärt die Jury ihre Entscheidung.

Sportjournalist des Jahres ist Philipp Köster von 11Freunde. Die Begründung: "Philipp Köster hat im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 selbst Meisterhaftes geleistet. Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum von ’11Freund zeigte er und sein Team mit seinen WM-Specials, was der Begriff ‚Fußballkultur‘ im besten Sinne bedeuten kann. Kein Wunder, dass Gruner + Jahr von diesem Meisterspiel profitieren will und sich an 11Freunde beteiligt hat."

Comedian Oliver Welke bekommt für seine “heute show” im Zweiten den Preis als Unterhaltungsjournalist des Jahres. Die Jury: "Oliver Welke als Kopf der ‚heute show‘ gelingt es im deutschen TV die hohen Maßstäbe für Late-Night-Unterhaltung mit hartem politischem Kern zu füllen. Auf dem nicht ganz leichten wöchentlichem Sendeplatz schaffte er es mit der ‚heute show‘ 2010 als innovatives Satire-Format Highlights zu setzen und zu beweisen, dass Journalismus und Unterhaltung im Fernsehen durchaus funktionieren können, ohne im Seichten stecken zu bleiben."

Ranga Yogeshwar ist zum Wissenschaftsjournalist des Jahres gewählt worden. Ihm gelinge es, selbst komplizierte wissenschaftliche Themen mit Leichtigkeit zu erklären und den Menschen nahe zu bringen. Als besonders verdienstvoll würdigte die Jury seine aufklärerische Arbeit in der Sarrazin-Debatte.

Reporter des Jahres ist Holger Gertz von der Süddeutschen Zeitung. "Holger Gertz zeigte 2010 Reportertugenden in außergewöhnlicher Themen-Vielfalt von konstant hohem Niveau: Mit seinen Fußballreportagen, die stets weit mehr als ’nur‘ Sport erzählen, mit seinen Beiträgen aus Südafrika, die den Blick weit über die Fußballstadien richteten, mit seinen Portraits z.B. über Franz Xaver Kroetz, Heiner Geissler, Michael Schumacher oder – zusammen mit Alexander Gorkow- über Luis van Gaal , die zu den Meisterstücken des Genres gehören."

Regionaler Chefredakteur des Jahres ist Alfons Pieper für sein Blog "Wir in NRW". Als Regionale Autoren des Jahres wurden die beiden freien Journalisten Thomas Datt/Arndt Ginzel gewählt. Als “Anerkennung für ihre Haltung, mit der sie seit Jahren die Nachwehen aus ihren Recherchen zum ‚Sachsensumpf‘ aus- und ertragen”.
Zur Redaktion des Jahres 2010 wählte die Jury "Panorama-DIE REPORTER", vertreten durch Christoph Lütgert und Dietmar Schiffermüller. "Die Redaktion von ‚Panorama – die Reporter‘ zeige zweierlei zugleich: Mit der Machart der aufwändigen Präsenter-Reportage, wie moderner TV-Journalismus aussehen kann. Vor allem aber, dass intensive Recherche auch für das vom Quotendruck getriebene Fernsehen kein Tabu sein muss, sondern sich sogar auszahlen kann. Beispiel ‚KiK-Story‘, präsentiert von Christoph Lütgert: Das Investigativ-Stück über die Methoden des Textildiscounters zog gut vier Millionen Zuschauer in seinen Bann."

Den Ehrenpreis "Lebenswerk" für Hans Werner Kilz begründete die Jury folgendermaßen: "Mit außergewöhnlicher Souveränität und beispielhafter journalistischer Haltung hat er die ‚Süddeutsche Zeitung‘ an die Spitze der meinungsbildenden Medien in Deutschland geführt. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat er stets die redaktionelle Unabhängigkeit als oberstes Gebot verteidigt. Sein Wirken setzt Maßstäbe für die Branche, weil er stets klassische Tugenden wie sorgfältige Recherche und schreiberisches Können mit Innovationsfreude zu verbinden wusste."

Der Newcomer des Jahres ist Sebastian Heiser von der taz. Auf dem neu geschaffenen Posten eines Investigativ-Redakteurs gehe er mit dem Projekt "open taz" neue Wege: “Er hat eine innovative Mischung aus Wikileaks-Prinzip und Leser-Blatt-Bindung (die Leser sagen, was sie untersucht haben wollen) geschaffen. Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt sein Scoop, als er Geheimverträge der Berliner Wasserbetriebe in November 2010 herausfand und die Ergebnisse seiner Recherchen ähnlich dem Wikileaks-Prinzip veröffentlichte. Bemerkenswert ist zudem, wie er seine selbstkritische Grundhaltung öffentlich dokumentiert und so den Lesern die journalistische Arbeit transparent macht."

Ein Sonderpreis geht an die Journalistenvereinigung "Freischreiber" für ihr ehrenamtliches Engagement für die beruflichen Belange freier Journalisten.

Der medium magazin-Preis "Journalist des Jahres" wird seit 2004 verliehen und durch ein mehrstufiges Wahlverfahren einer unabhängigen Jury ermittelt. Die Preisverleihung findet am 7. Februar 2011 im Deutschen Historischen Museum in Berlin statt.

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