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Zehn gute Vorsätze für Journalisten

Das Jahr geht langsam aber ziemlich sicher zu Ende und damit beginnt die kurze Zeit der guten Vorsätze. Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, abnehmen, Nachbarn nicht mehr ärgern - das dürften die Klassiker sein. Die MEEDIA-Redaktion hat sich Gedanken über zehn gute Vorsätze für Journalisten gemacht - von Tipps fürs Innehalten bei der täglichen Hetze bis zu ganz banalen Dingen. Voilà, unsere zehn guten Journalisten-Vorsätze fürs neue Jahr!

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Probier’s mal mit Social Media!
Probieren geht über studieren, lautet so ein Spruch aus der Mottenkiste der Sprüche. Aber natürlich ist da etwas dran. Allen alt gedienten Print-Redakteuren und Zeitungs- und Zeitschriftenmachern sei also zugerufen: Das Internet ist gar nicht so schlimm. Einfach mal dieses Twitter ausprobieren oder mal testweise ein Konto bei Facebook anlegen. Ganz Mutige dürfen sogar mit einem eigenen Weblog herumexperimentieren. Dann weiß man gleich viel besser Bescheid, wenn man sich das nächste Mal über diesen Onlinewahn aufregt.

Probier’s mal mit ’ner Zeitung!
Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Alle "Holzmedien"-Lästermäuler sollten wenigstens mal ein Testabo einer gedruckten Zeitung abschließen. Vielleicht merken sie dann, dass Medienkonsum ganz ohne Elektronik doch noch etwas ganz anderes ist. Dass man ab und zu auf Themen stößt, die man in seinem RSS-Reader so nicht gefunden hätte, dass es auch mal ganz angenehm sein kann, nicht auf einen Bildschirm zu glotzen.

Mindestens einen großen Roman lesen!
Dicke Bücher liegen nicht unbedingt im Trend. Ein guter Grund, sich mindestens einmal im Jahr einen echten Wälzer vorzunehmen ist aber, dass dabei das Hirn gefordert wird. Wenn man einen guten Roman über viele hundert Seiten liest, da werden die Synapsen mal wieder auf Vordermann gebracht und Spaß macht es auch. Vielleicht merkt man auch, dass es einem gar nicht mehr so leicht fällt, sich auf die absolute Langform des Erzählens von Geschichten einzulassen, weil man im Job auf Hektik und textliche Kurzatmigkeit gedrillt wurde. Umso wichtiger ist es, dem täglichen Text-Sprint in der Redaktion einen literarischen Langstreckenlauf entgegenzusetzen. Mindestens 500 Seiten sollten es schon sein. Tipp für alle, denen kein gescheiter Roman einfällt: Jonathan Franzens "Freiheit". Der hat gut über 700 Seiten und man macht damit garantiert nix verkehrt.

Eine sportliche Herausforderung annehmen!
Greifen wir noch ein Stückchen tiefer in die Sprüche-Mottenkiste und holen jenen Kameraden hervor: "Ein gesunder Geist wohnt nur in einem gesunden Körper." Also sollte man im neuen Jahr eine größere sportliche Herausforderung annehmen. Wichtig: Keine Larifari-Vorsätze im Stil von "Ich will wieder mehr laufen gehen…" Nein, es sollte schon eine gewisse Härte mit Zeitmessung und Publikum involviert sein. Ein Marathonlauf ist immer gut, aber auch ein Radrennen oder eine Geocaching-Meisterschaft. Wichtig ist: Es muss ein echter Wettkampf sein, der öffentlich ist. Dabei lernt man nebenbei auch Leute abseits des Bürosumpfes kennen und macht ein paar neue Erfahrungen mit sich und anderen. Das soll für den Journalisten-Beruf ab und zu auch ganz hilfreich sein.

Sei kein Rechtschreib-Nazi!
Nicht falsch verstehen: Natürlich müssen wir alle auf die Rechtschreibung achten und an unserem Stil feilen. Der Duden und der Textor ("Sag es treffender") gehören auf jeden Journalisten-Schreibtisch. Und wenn wir in einem Text einen üblen Fehler finden, schadet auch ein Hinweis an den Kollegen nicht. Aber bitte nicht im Oberlehrer-Lempel-Tonfall in den Kommentaren Vertipper und Kommasetzung korrigieren. Das wirkt besserwisserisch und streberhaft. Leute, die so was machen, wurden früher auf dem Schulhof vermöbelt. Online fehlt dieses Korrektiv. Als digitale Alternative kann man vielleicht dieses hervorragende Video des britischen Schriftstellers Stephen Fry empfehlen, in dem er mit den so genannten "Grammar Nazis" abrechnet.

Jeden Tag mindestens 15 Minuten fürs bewusste Alleinsein reservieren!
Journalisten sind Herdentiere, daher kommt ja auch der berüchtigte Herdentrieb, bei dem plötzlich alle dieselbe Meinung haben und/oder voneinander abschreiben. Das Kuscheln am Kaffeeautomaten oder in der Kantine hat ja auch etwas Nestwarmes. Aber man sollte sich ab und zu auch mal von der Herde lösen. Reservieren Sie sich jeden Tag mindestens 15 Minuten Alleinsein. Egal ob beim Spaziergang mit dem Hund, abends, wenn die Kinder im Bett sind oder in der Mittagspause, wenn die Herde in die Kantine oder zum üblichen Mittagstisch trottet. Dabei kann man prima denken und kommt leichter auf neue Ideen, die vielleicht noch nicht so ausgeleiert sind, wie die Lästereien über die Kollegen, denen sonst so über Mittag gefrönt wird.

Mit medialen Möglichkeiten ein Charity-Projekt unterstützen!
Warum nicht mal die eigene Mini-Medien-Macht für eine gute Sache einsetzen. Man kann sich selbst für ein gutes Projekt engagieren und/oder über ein Projekt oder eine Hilfsorganisation, von der man persönlich überzeugt ist, berichten und sie damit ein bisschen bekannter machen. Die meisten Charity-Initiativen sind auf Spenden angewiesen, für die ist jeder Artikel oder Beitrag sehr viel wert. Natürlich muss man jetzt nicht den großen Glamour-Charity-Ladies publizistisch nachlaufen – Sie wissen wahrscheinlich schon, wen wir meinen. Aber es gibt zig kleine Vereine und Initiativen, die es auch wert sind, ein bisschen mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.

Nie wieder die Leser langweilen!
Leicht gesagt, schwer getan. Wenn man in einem Thema tief drinsteckt, neigt man oft zur Verschwurbelungen und Detail-Anfällen, die einen Text mehr oder weniger unlesbar machen, außer für die ganz Ausdauernden. Das ist, man muss es leider sagen, eine Krankheit, die häufiger im Feuilleton anzutreffen ist. Da wird gerne mal zwei oder drei Absätze um den heißen Brei herumgeredet, bevor man zum Punkt kommt. Da steckt oft nicht eine besonders elaborierte Ausdrucksweise dahinter, sondern schlicht Faulheit, nochmal einen Schritt zurückzutreten und alles ein bisschen verständlicher zu machen.

Niemals mehr die Anrede "Liebe Kollegen" verwenden!
Die Anrede "Liebe Kollegen" in Kommentaren, Mails oder Tweets ist zu einer Art Realsatire der Kollegenschelte verkommen. Was auf den ersten Blick noch freundlich wirkt, ist meist nur der Auftakt zu einer Fingerzeig- und Besserwisser-Arie, die man lieber nicht gesungen hätte. Wenn überhaupt, dann ist diese Phrase nur noch ironisch zu gebrauchen – aber das kapiert dann ja auch wieder keiner.

Keine Vorsatz-Listen machen, von denen man nicht wenigstens versuchen würde, sich selbst dran zu halten!
Wie das so ist mit den guten Vorsätzen und Vorsatzlisten: Am 2. Januar sind sie wieder Schnee von gestern, bzw. vom vergangenen Jahr. Aber indem wir Ihnen diese Liste zusammengestellt haben und Sie nun schon ganz unten beim allerletzten Punkt sind, versprechen wir, dass wir zumindest versuchen werden, uns an unsere eigenen Vorsätze zu halten. Wenn das nicht immer hundertprozentig klappt, nehmen wir gerne Hinweise und Vorschläge für die Vorsatzliste im nächsten Jahr entgegen.

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