Medienbasar: Verlage räumen Portfolio auf

Jetzt schlägt die Stunde der Dealmaker: Zum Ende jedes Jahres geht es in der Medienbranche zu wie in der heißen Transferphase im Fußball. Fast täglich werden Titel verkauft, Startups übernommen und das eigene Produkt-Portfolio bereinigt. Über Monate wurden die Deals verhandelt, kurz vor Weinachten machen die Manager Nägel mit Köpfen. Besonders Aktiv in diesem Jahr bislang: Burda, die offenbar ihre Online-Strategie neu ausrichten, und Stefan von Holtzbrinck, der sich von einigen Print-Titeln trennt.

Anzeige

Jetzt schlägt die Stunde der Dealmaker: Zum Ende jedes Jahres geht es in der Medienbranche zu wie in der heißen Transferphase im Fußball. Fast täglich werden Titel verkauft, Startups übernommen und das eigene Produkt-Portfolio bereinigt. Über Monate wurden die Deals verhandelt, kurz vor Weinachten machen die Manager Nägel mit Köpfen. Besonders Aktiv in diesem Jahr bislang: Burda, die offenbar ihre Online-Strategie neu ausrichten, und Stefan von Holtzbrinck, der sich von einigen Print-Titeln trennt.

Für Stefan von Holtzbrinck war der gestrige Montag ein großer Zahltag. So wurde durch eine Kartellamts-Meldung bekannt, dass der Verleger den LPV Lebensmittel Praxis Verlag an das junge Münchner Medienhaus EPP European Professional Publishing verkauft. Zudem verkündete Ebay, dass man den Shopping-Club Brands4Friends für 150 Millionen Euro übernimmt. Holtzbrinck-Venture hielt an dem Startup laut Gründerszene.de eine Beteiligung von 16 Prozent. Das macht einen Verkaufsanteil von 25,6 Millionen Euro.

Wichtigster Deal des Stuttgarters war jedoch der Verkauf der Main-Post an Mediengruppe Pressedruck. Das Mutterhaus der Augsburger Allgemeinen übernimmt von Holtzbrinck eine profitable und bestens eingeführte Tageszeitung.

Die beiden Print-Verkäufe begründet der Verleger in einem Gespräch mit der Main-Post mit strategischen Überlegungen. "Wir haben entschieden, uns stärker auf die Bereiche Bildung und Wissenschaft, den Buchbereich und das Internetgeschäft zu fokussieren."

Der Stuttgarter verkündet seinen Strategiewechsel aus einer Position der Stärke. So sagte er in dem Interview: "Die neuen Medien haben viel zu unserer Stabilität beigetragen. Die Veräußerungsgewinne der Holtzbrinck Digital haben bereits einen dreistelligen Millionenbetrag deutlich überschritten. Zum anderen sind die meisten unserer Internet-Unternehmen in diesem Jahr profitabel." Bestes Beispiel dafür ist die VZ-Gruppe, die im zweiten Halbjahr 2010 die Gewinnschwelle erreicht haben soll.

Auch bei Burda geht es aktuell vor allem um eine neue Online-Ausrichtung. In Anlehnung an den immensen Erfolg von Holidaycheck.de will man in München weniger auf contentgetriebene, sondern vielmehr auf transaktionsgetriebene Startups setzen. In diesem Zusammenhang sind viele personelle Veränderungen der vergangenen Monate und auch der Verkauf der Frage- und Antwort-Plattform Cosmiq an Holtzbrinck zu sehen.

Auch wenn die Zukäufe der vergangenen Woche eine andere Sprache zu sprechen scheinen, passen sie doch trotzdem ins Raster. Denn sowohl der Kauf der Videoplattform Sevenload, wie auch die Xing-Akquise von Amiando waren Gelegenheiten, die sich die Münchner nicht nehmen lassen wollten.

Bei Amiando wurde offenbar die Tatsache ausgenutzt, dass das bestens eingeführte Startup, das kurz vor dem Break Even steht, große Probleme hatte eine Anschluss-Finanzierung zu finden. Es war offenbar günstig zu haben.

Bei Sevenload dagegen handelten die Münchner ganz im Sinne des Firmen-Patriarchen. Auf den VDZ-Tagen in Berlin sagte Hubert Burda, dass er erwarte, dass in den kommenden Jahren einige Werbemillionen in TV-Nischenprogrammen fließen würden. Mit Sevenload kontrolliert der Verlag jetzt einen ersten Zugang zu solchen Angeboten.

Bei Burda und Holtzbrinck dürften die wichtigsten Verkäufe und Käufe für das Jahr abschlossen sein. Spannend wird zu beobachten sein, ob auch die anderen Verlage noch an Deals arbeiten. Wie beim Fußball dürfte, je näher das Ende der Transferphase rückt, die Hektik noch einmal kräftig zunehmen. Die Deadline in diesem Jahr liegt allerdings wohl erst nach den Weihnachtsfeiertagen. Das ist übrigens auch – nach Meinung vieler Kommunikationsprofis – der ideale Zeitpunkt, um schlechte Nachrichten, also das Ende von Titeln oder gar das Schließen ganzer Redaktionen, bekannt zu geben.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige