Abo-Pauschale: Springers genialer iPad-Kniff

Verlage sehen im iPad den Heilsbringer. Doch wer auf dem Apple-Tablet Geld verdienen will, muss 30 Prozent seines Umsatzes an Apple abgeben. Bei Tausenden Downloads und In-App-Verkäufen bedeutet das eine Menge Geld, die für die Präsenz im App-Store verloren geht. Die Axel Springer AG hat jetzt eine Möglichkeit entdeckt, dass Verlagsmanager mit Argusaugen beobachten werden dürften. Mit einem neuen Geschäftsmodell lässt er Apple - zumindest zu Teilen - außen vor. Wie geht das überhaupt?

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Für die Axel Springer AG sind iPad und Co. kein Versuchsfeld, sondern ein Geschäftsfeld. Insgesamt wurden die 15 kostenpflichtigen Services und Apps mehr als eine halbe Million Mal (539.600) verkauft und 811.400 Mal heruntergeladen. Allein die Bild-App für das iPhone hat sich demnach seit dem Start Ende 2009 bereits 405.400 Mal verkauft (bei 263.300 Downloads). Die Welt erzielte mit ihren Apps für iPhone und iPad 50.000 Verkäufe, das Welt am Sonntag-Luxusmagazin The Iconist landete bei 7600 Verkäufen, Autobild bei 14.000. 30 Prozent des Umsatzes gehen an Apple. Daran will der Verlag zumindest teilweise etwas ändern.

Der Deal ist für den Kunden denkbar einfach: Der Kunde bekommt für eine Monatspauschale von 24,90 Euro ein iPad mit 16 GB und WLan – bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Dazu gibt es einen iTunes-Gutschein über 15 Euro und das Abo der Bild-HD-App für zwei Jahre. Dem Gerät liegt ein Code bei. Dieser Gutscheincode wird innerhalb der iPad-App eingegeben und schaltet das Abo für zwei Jahre frei.

Bündelung von Tablets und Abos
Sprecherin Tanja Schlinck erklärte im Focus den Vorstoß: "Wir halten die Bündelung von Tablets mit Abonnements für ein viel versprechendes Geschäftsmodell und sind zuversichtlich, dass sich vernünftige Lösungen im Sinne aller Beteiligten finden lassen." Allerdings will man Apple nicht umgehen: "Die App ist weiterhin ohne Einschränkung im App-Store erhältlich", erklärt Schlinck gegenüber MEEDIA. Apple war auf Anfrage zu keinem Kommentar bereit.

Vergangene Woche sorgte Springer noch für User-Frust, als der Verlag kurzerhand den Zugang zu Bild.de über das iPad sperrte. Wer die Webseite vom Apple-Tablet ansteuerte, bekam lediglich Werbung für die neue iPad-App zu sehen. Die Seite ist künftig nur noch über die App aufrufbar. Bild HD ist ab im AppStore erhältlich und kann zum Schnupperpreis von 79 Cent eine Woche lang genutzt werden. Danach kostet eine Ausgabe im tagesaktuellen Download 79 Cent, das Monats-Abo für die Bild iPad-App kommt für 12,99 Euro, das Drei-Monats-Abo für 34,99 Euro, und der Jahres-Abonnent zahlt 129,99 Euro.

Ein Deal mit Präzedenzcharakter?
Dennoch wirkt das Tauziehen zwischen deutschen Verlagen und dem Computerhersteller in letzter Zeit alles andere als produktiv. Als mehrere Zeitungsanbieter ankündigten, das Tablet in Kombination mit Abos zu vertreiben, unterband Apple das Vorhaben. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger hätte bereits eine klare Zusage von Apple vorgelegen, die solche Pakete erlaubt. Doch das Unternehmen habe die Erlaubnis ohne Angabe von Gründen wieder zurückgezogen.

Springers Vorstoß hat durchaus Präzedenzcharakter. Zum einen bleibt es interessant zu beobachten, wie Kunden auf ein Pauschalangebot für das iPad reagieren. Eine Ratenzahlung von 24,90 Euro im Monat dürfte das Gerät für neue Käuferschichten interessant machen. Und im Handy- bzw. Smartphone-Bereich sind derartige Modelle mittlerweile Usus. Zum anderen dürften die Verlage auf Apples Reaktion gespannt sein. Hat Springer mit seiner Idee tatsächlich Erfolg, dürfte die Konkurrenz schnell nachziehen.

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