Schulden, Schnee und Scheingeschäfte

RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat will sich künftig offenbar auch Promis mit Geldproblemen annehmen. Die Produktionsfirma hat schon bei dem hoch verschuldeten Ex-Bundesligaspieler Ailton angeklopft. Die ARD setzt ihre Tradition des Wetter-”Brennpunkts” fort und zeigt eine Sondersendung zum Thema “Deutschland im Schnee”. Und beim MDR will Intendant Udo Reiter die neueste Korruptionsaffäre des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgerechnet mit mehr Bürokratie bekämpfen.

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Dass RTL-Erfolgsformate wie “Bauer sucht Frau”, die “Super Nanny” oder “Raus aus den Schulden” nicht unbedingt lupenreine Alltags-Dokumentationen sind, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die Produzenten von “Raus aus den Schulden” mit dem Vogel-artigen Peter Zwegat wollen offenbar bald die nächste Fiktionalitäts-Stufe zünden: Promis müssen her! Wie Bild.de berichtet, hat die Produktionsfirma bei dem ehemaligen Bundesliga-Torjäger Ailton angeklopft, ob er für die Sendung zur Verfügung steht. Laut Bild hat der Brasilianer mehrere Hunderttausend Euro Schulden. Ideales RTL-Futter: halbwegs prominent und Schulden. Ailtons Anwalt soll aber abgewunken haben: "Dann kann Ailton gleich bei ‚Bauer sucht Frau‘ mitmachen." Aber die TV-Macher lassen bestimmt nicht entmutigen – C-Promis mit Geldproblemen soll es ja noch ein paar geben.

Falls es schon jemand gemerkt hat: Es hat geschneit in Deutschland. Dieser Umstand setzt nicht nur große Teile des Verkehrs außer Kraft und ruft im eher ländlichen Raum die Spezies der so genannten Schneeräum-Nazis auf den Plan, sondern auch die ARD. An diesem Freitagabend nach der Tagesschau sendet die ARD tatsächlich einen "Brennpunkt: Deutschland im Schnee". Das könnte man jetzt als übertrieben, albern, gebührenverschwendend usw. geißeln. Aber: Auch im vergangenen Jahr sendete die ARD einen "Brennpunkt" als die Temperaturen deutlich unter Null Grad fielen, der hieß "Kältekammer Deutschland". Und war an einem Mittwoch Anfang September 2009 sogar die meist gesehene Sendung des Tages. So betrachtet ist die ARD mit dem "Brennpunkt: Deutschland im Schnee" wahrscheinlich direkt am Puls des Zuschauer-Interesses. Wetter ist als Thema halt immer noch ein Dauerbrenner. Auch beim "Brennpunkt".

Der Fall des Kika-Mitarbeiters, der Millionen veruntreut haben soll, belegt aufs neue eindrucksvoll die Anfälligkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für Korruption. Die Liste der Fälle ist lang und sie wird immer länger. Schleichwerbung, Product Placement, Untreue, Betrug. Diesmal geht es um Scheinrechnung für nicht erbrachte Leistungen in beträchtlicher Höhe. Und das alles bei dem für den Kika verantwortlichen Sender MDR. Der hatte mit seinem ehemaligen Sportchef Wilfried Mohren schon einmal einen handfesten Bestechungsskandal im Haus. Damals wurde ein Korruptionsbeauftragter eingesetzt. Was es gebracht hat, sieht man. Jetzt wurde ein Krisenstab eingerichtet und MDR-Intendant Udo Reiter fordert reflexartig schärfere Kontrollen und "weitere Sicherungen bei der Rechnungsprüfung", also noch mehr Kontroll-Bürokratie. Dabei ist es wahrscheinlich nicht zuletzt die überbordende Bürokratie des öffentlich-rechtlichen Rundfunkwesen, die es so anfällig für Missbrauch macht. In dem Wust aus Verwaltungen, Hierarchien, Genehmigungen, Instanzen, Räten und Behörden und Gebühren-Milliarden ist die Versuchung offenbar groß, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Dass es sich bei den immer wiederkehrenden Fällen um Symptome eines öffentlich-rechtlichen Phänomens handelt, kann man kaum noch leugnen. Korruptionsfälle aus öffentlich-rechtlichen Sendern wird es auch 2011 wieder geben – garantiert.

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