Kerners Bundeswehr-TV mit zu Guttenberg

Dass Johannes B. Kerner das Thema Bundeswehr in Afghanistan nutzt, um seiner lahmenden Show ein bisschen Publicity zu verschaffen, kann ihm niemand vorwerfen. Dass die PR-Schuss mit der "Kerner"-Spezial Sendung mit Karl Theodor zu Guttenberg aus Afghanistan letztlich doch für alle Beteiligten nach hinten losging, lag am Über-Inszenierungswillen des Verteidigungsministers und daran, dass der typische Kerner-Talk nicht recht zum Thema passen wollte.

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Die Szenerie hatte etwas Gespenstisches. Die Show-Bühne war in einer Halle im Bundeswehrlager in Masar-i-Sharif aufgebaut, umrahmt von  Bundeswehr-Fahrzeugen, u.a. einem Helikopter und einem gepanzerten Wagen. Das Publikum bestand aus uniformierten Soldaten in Wüsten-Tarnkleidung, die die Aufzeichnung der Sendung mit unbewegten Mienen und weitgehend ohne zu applaudieren verfolgten. Wahrscheinlich waren sie sich nicht sicher, welches Verhalten in dieser seltsamen Situation angemessen war. Kerner tat, was er immer tut, egal ob er jetzt in seinem Studio in Hamburg sitzt oder in Afghanistan: Er las belanglose Fragen von Kärtchen ab.

Der Verteidigungsminister, dessen Frau übrigens nicht in der Sendung auftauchte, gab mit stets betroffener Miene Antwort. Das war alles noch nicht einmal besonders peinlich, es war aber auch wenig erhellend und schlicht langweilig. Da wurde ein Soldat auf die Bühne gebeten und seine Ausrüstung vorgeführt, geradeso wie man in der “Kerner”-Show auch ansonsten Nutzwert zu simulieren pflegt. Und hier, gucken Sie mal, diese Morphinspritze und, huch, Patronen hat er auch dabei. Dass die Soldaten und Soldatinnen auf der Bühne hölzern ihre Antworten gaben, kann man ihnen nicht vorwerfen. Was sollen sie auch sagen? Kameradschaft ist wichtig, die Familie wird vermisst, die Ausrüstung ist aber tiptop und man würde sich mehr Unterstützung aus der Heimat wünschen usw.. Wenn ein TV-Team mit Bundeswehr-Flugzeugen nach Afghanistan fliegt und in einer Bundeswehr-Halle vor Soldaten eine Talkshow mit dem Bundesverteidigungsminister macht kann nichts anderes dabei herauskommen, als reinrassiges Bundeswehr-TV.

Ein authentisch wirkendes Bild vom wahren Charakter des Einsatzes wurde so jedenfalls nicht vermittelt. Was bleibt, ist ein bisschen PR für “Kerner” und die Erkenntnis, dass zu Guttenberg nicht mehr recht zu spüren scheint, wann ein Zuviel an Polit-Inszenierung erreicht ist. Das kann ihm noch gefährlich werden. Die Soldaten vor Ort empfanden die Aufzeichnung vielleicht als wohltuende Abwechslung und mediale Wertschätzung. Dann hätte die “Kerner”-Show aus Afghanistan wenigstens doch noch einen gewissen Nutzen gehabt.

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