Franz Josef Wagner: 12 Tipps für Reporter

Der Gossen-Goethe und Bild-Briefe-Onkel Franz Josef Wagner hat ein erstaunliches Buch geschrieben. In "Brief an Deutschland" rast der ehemalige Bunte-Chefredakteur durch ein ganzes Journalistenleben. Neben schwülstigen Belanglosigkeiten steckt das Buch voller treffender Beobachtungen, Branchen-Klatsch und lesenswerten Erkenntnissen eines alten Print-Hasen. Wunderbar praktisch: Wagners zwölf Regeln für Reporter. MEEDIA dokumentiert, die Tipps des ausgebufften Boulevard-Profis.

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Der kurze Abschnitt steht unter dem Motto: "Was ich als junger Reporter lernte":

  • Journalisten sollen nach Interviews nie im Hausflur mit dem Fotografen reden, "weil der Interviewte hören könnte, was für ein Idiot er ist".

  • Eine Story darf niemals, bevor sie aufgeschrieben wurde dem Chefredakteur, Ressortleiter oder der Freundin erzählt werden. Denn dann sei sie kein "Neuschnee" mehr. "Erzähl sie zuerst dem weißen Blatt Papier."

  • "Mittags nichts essen. Essen macht müde."

  • Junge Reporter sollen lernen, beim Schreiben immer cool zu bleiben. "Wer fickerig wird, schreibt fickerige Sätze". Passend dazu der nächste Ratschlag:

  • "Du bist kein Psychologieprofessor, schreib keine Erklärstorys."

  • Dieser Tipp wirkt wie aus einer anderen Zeit, denn Wagner rät Spesenvorschüsse sofort abzurechnen. Sogar bevor eine Story geschrieben wird. "Sie ziehen dir die die nicht abgerechneten Spesen vom Gehalt ab. Einmal überwiesen sie mir als Monatsgehalt nur 25 Mark." Heute wissen wir: Wagner überlebte trotzdem.

  • Der ehemalige Bild-Reporter rät zudem, nie zu lange an den Einstiegssätzen zu sitzen. Denn die Zeit fehlt später für die Story. "Ich weiß", schreibt er, "man will immer mit dem ersten Satz das Blaue vom Himmel holen. Aber es gelingt so selten."  Wagner glaubt, dass dem US-Autoren Ross Thomas bereits der perfekte erste Satz gelungen sei. Er lautet: "Es begann, wie das Ende der Welt beginnen wird, mit Telefonklingeln um drei Uhr morgens."

  • Der Print-Profi ermahnt, niemals Recherche-Unterlagen, Notizen, Tonbänder und andere Materialien zu verschlampen. "Hebe das Zeug an einem Ort auf, den nur du kennst. Wenn sie dich verklagen, musst du dich wehren können."

  • Jeden Morgen: Nach den Zähnen sind auch die Schuhe zu putzen. Denn nichts ist "erbärmlicher" als ein "verwahrloster Reporter".

  • Wenn der Chefredakteur will, dass man eine Geschichte umschreibt, dann "tu ihm den Gefallen. Beim dritten Versuch, wirf die Story weg. Sie ist giftig."

  • Niemals mit Interviewpartnern anfreunden. Diese Gespräche werden nie gut.

  • Wenn man schlecht über jemanden geschrieben hat, dann gilt es ihn immer vorher anzurufen. Wichtig: Immer erst durchklingeln, wenn sich die Auslieferung der Zeitung nicht mehr gerichtlich verhindern lässt. "Du bist in dieser Situation ein Schwein, aber ein halbes."

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