Zuckerberg: Ritterschlag für den Super-Nerd

Es ist das erstaunliche Ende eines bemerkenswerten Jahres: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist auf dem Thron angekommen – das Time Magazine kürte ihn gestern zur "Person des Jahres". Mehr Ehre im Alter von 26 Jahren geht kaum. Die Entscheidung ist richtig: Auch wenn Steve Jobs als Manager Größeres geleistet hat oder Julian Assange stärker aufrüttelt, ist Zuckerbergs Relevanz kaum zu überschätzen - Facebook verändert schlicht die Gesellschaft.

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Es ist das erstaunliche Ende eines bemerkenswerten Jahres: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist auf dem Thron angekommen – das Time Magazine kürte ihn gestern zur „Person des Jahres“. Mehr Ehre im Alter von 26 Jahren geht kaum. Die Entscheidung ist richtig: Auch wenn Steve Jobs als Manager Größeres geleistet hat oder Julian Assange stärker aufrüttelt, ist Zuckerbergs Relevanz kaum zu überschätzen – Facebook verändert schlicht die Gesellschaft.

Jubelgebrüll klingt anders: „Eine wahre Ehre und Anerkennung“ sei die Auszeichnung zur „Person des Jahres“ von Time Magazine, erklärte Mark Zuckerberg gestern in einem kurzem Update auf seiner Facebook-Seite – wo auch sonst.

Die Demut wirkt mehr als nur im PR-Sprech aufgesetzt: Obwohl 2010 fraglos als Facebooks größtes Jahr in die fast siebenjährige Firmengeschichte eingeht, war es gleichzeitig Zuckerbergs schwerstes. Das lag nicht zuletzt am Hollywood-Blockbuster „The Social Network“, der eine vernichtende Charakterstudie vom jungen Super-Nerd zeichnete. Für den überwältigenden Teil der 500 Millionen Mitglieder, die das weltgrößte Social Network ohne Hintergedanken zu ihrem Gründer nutzen, bekam Facebook plötzlich ein Gesicht.

Modernes Helden-Epos: Zuckerbergs öffentliche Achterbahnfahrt 2010

Dieses Gesicht war unsicher, es hat in der Gründungsphase offenbar seine Auftraggeber und seinen besten Freund übergangen, und es kommt nicht gerade rüber, wie man sich einen sympathischen Zeitgenossen vorstellt. Die soziale Kompetenz des Machers des weltgrößten sozialen Netzwerks ist bis heute nicht wirklich erkenntlich. Wie ein Schuljunge beim ersten Referat wurde Zuckerberg im Frühjahr auf der Internet-Konferenz „D8“ vorgeführt – und schwitzte am Ende auf offener Bühne Angstschweiß wie auf der Schlachtbank.

Und gerade deswegen ist Zuckerberg zum maßgeblichen Teil eines modernen Helden-Epos geworden. Facebook, dieses abstrakte Netzwerk mit seinen unzähligen Privatsphäre-Einstellungen, hat mit Zuckerbergs öffentlicher Achterbahnfahrt endlich jenen sozialen Touch bekommen, den wir tagtäglich in den unzähligen Profilen besichtigen können. Es menschelt bei Facebook – und erst recht bei seinem erst 26-jährigen Gründer, der mal in einer Homestory als ganz normaler Tech Geek von nebenan punktet, um dann wieder bei der nächsten Produkt-Präsentation angespannt die Pointe zu verreißen.    

Zuckerbergs größter Verdienst: Die Welt zu einem offeneren Ort gemacht

Damit müsste der Erfolg seiner Studenten-Vision ihm das Ego eines Steve Jobs verleihen. Facebook, das steht 2010 endgültig fest, ist das größte Internet-Ding seit Google – und in ein paar Jahren wahrscheinlich noch größer als der heute wertvollste Internet-Konzern. Facebook ist längst zum zweiten Internet erwachsen, geniale Weiterentwicklungen wie die Einführung des Like-Buttons dieses Jahr haben den schier unaufhaltsamen Aufstieg weiter befeuert.

Mehr als eine halbe Milliarde Menschen knüpft und pflegt heute über Facebook bereits Kontakte – und teilt sich dabei in einer Weise mit, die noch vor Jahren undenkbar gewesen wäre. Die Wochenendaktivitäten vom Kollegen für jeden sichtbar kommentieren. Gefallen an den sexy Urlaubsbildern der Praktikantin bekunden. Den eigenen Beziehungsstatus ungefragt offen legen. Geht’s noch? Immer öfter geht das. Immer mehr Menschen tun dies auf Facebook. Und immer mehr gefällt das.

Plötzlich in einer Reihe mit Obama, Putin und George W. Bush

Man muss Zuckerberg ohne Wenn und Aber dafür beglückwünschen: „I’m trying to make the world a more open place“, beschreibt der Zahnarzt-Sohn sein Arbeitsmotto selbst in einem Satz auf Facebook. Viele Staatsmänner und bedeutende Künstler könnten sich nicht mehr wünschen, haben aber weniger erreicht.

Und ganz nebenbei wächst Facebook auch endlich wirtschaftlich in die Erfolgsgeschichte, die seit langem vorgeschrieben schien. Zwei Milliarden Dollar Umsatz werden es wohl dieses Jahr mindestens sein, profitabel soll Facebook schon länger arbeiten. Auf fast 50 Milliarden Dollar ist Facebooks Bewertung am Graumarkt dann auch schon angestiegen – mehr Boom geht in einem Jahr nicht. Entsprechend folgerichtig erscheint die Wahl des „Time Magazine“, das Zuckerberg mit nur 26 Jahren den großen Ritterschlag verliehen hat: Der Facebook-Chef findet sich plötzlich in einer Reihe mit Barack Obama, Wladimir Putin oder George W. Bush wieder.

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