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Diese Webserien sind einen Klick wert

Schlechte Bildqualität, Laiendarsteller, hölzerne Dialoge: Webserien sind hierzulande ein unterschätztes Format. Doch sie können mehr sein als ein weiterer Joghurtbecher auf der Internetclip-Deponie. Manche taugen nicht nur als Fiction-Snack für zwischendurch, sondern sind sehenswerter als viele der großen TV-Geschwister. MEEDIA hat eine Liste deutscher Webserien zusammengetragen, die mehr bieten als Aufnahmen mit Wackelkamera und WG-Geschichten für Mittzwanziger.

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Blutsbrüder

Zwei Neuköllner Kleinkriminelle träumen von einer Karriere à la Pablo Escobar. Turbo (Kida Khodr Ramadan), der schon lange dealt, ist der Mentor des jungen Schlumpf (Antonio Wannek). Er führt den Nachwuchsdealer in seine Geschäfte ein, um selbst in der Hierarchie der Straße aufsteigen zu können – doch die Polizei hat die beiden schon im Visier… "Blutsbrüder ist die erste wirklich hochkarätig besetzte und produzierte Webserie aus Deutschland, bei der man ahnt, was an Narration und Inszenierung jenseits des TV-Alltags möglich sein wird", schreibt der Web-Entertainment-Experte Stefano Semeria über die zwölfteilige Serie aus dem Berliner Ghetto.
In der Tat sind die Aufnahmen des renommierten Kameramanns Felix Novo de Oliveira (zweimal für den Deutschen Kamerapreis nominiert und ausgezeichnet mit zwei Studenten-Oscars) für Webserienverhältnisse grandios und der Schauspielerstab kann sich sehen lassen: Wannek wurde 2002 zum "Shooting Star" des Jahres gekürt und war bereits zweimal für den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller nominiert. Die Drogenlieferantin "Oma" wird gespielt von Friederike Kempter, bekannt als Kommissaranwärterin Nadeshda aus dem Münsteraner "Tatort". Ko-Produziert wird "Blutsbrüder“ von vbs.tv, der Web-TV Plattform des Vice Magazine, deren Creative Director der legendäre Videoclip-Regisseur Spike Jonze ist. Laut 3min.de befindet sich die zweite Staffel bereits in der Vorproduktion und soll voraussichtlich Anfang nächsten Jahres erscheinen.

SPPD: Die Sau ist tot

"Ist doch alles ganz friedlich hier, sagst du. Junge – gib mir Drinks aus und ich zeige dir Orte in St. Pauli, die du nicht findest in deinem Reiseführer." Friedlich geht es in der Krimi-Persiflage "SPPD: Die Sau ist tot" tatsächlich nicht zu: Vor der Olivia Jones Bar wird ein totes Wildschwein gefunden. Zwei Kiez-Cops des St.-Pauli-Police-Departements nehmen die Ermittlungen auf. Unterstützt werden sie dabei von bewaffneten Gogo-Girls und einem nur mit Latexmaske bekleidetem Medium.
Die Handlung ist an den Haaren herbeigezogen und die Bildqualität lässt gelegentlich zu wünschen übrig, doch dafür bieten die elf dreiminütigen Folgen Kameraeinstellungen à la Tarantino, markige Cop-Sprüche ("Wir sind ein 24 Stunden Escortservice nur nicht mit Happy-End-Garantie, aber genau so diskret") sowie für Hamburger und Hamburgfans eine ordentliche Portion Lokalkolorit. Darsteller sind mehr oder weniger bekannte St. Paulianer von nebenan: unter anderem der ehemalige "Park Avenue"-Art-Director Alexander Aczél, der "Freudenhaus"-Wirt Mathias Storm und der Brötchenbudenkönig Stefan Wulff.

Kollegium – Klassenkampf im Lehrerzimmer

Alkoholiker, Aufreißer und Alt-Nazis: Das Wilhelm Pieck Gymnasium im ostdeutschen Oberschwichow steht kurz vor der Schließung, weil es kaum noch Neuanmeldungen gibt. Einzige Rettung: Bis zum nächsten Schuljahr melden sich mehr Schüler an als bei der Konkurrenz. "Kollegium – Klassenkampf im Lehrerzimmer" überzeichnet gnadenlos gängige Lehrerklischees. Das ist oft albern, doch gelegentlich auch richtig witzig. Bei dem ein oder anderen Lehrertyp wird sich ein Jeder an seine Schulzeit erinnern. Erinnert fühlt man sich auch an alte Fernsehtage, denn Hansi Kraus ("Die Lümmel von der ersten Bank") wechselt die Seiten und spielt einen der Pauker.

Epicsode

Ein Aufruf zum Social-Network-Stalking: Lena, Alex und Rainer erwachen in einem Wohnzimmer, am Boden liegt ein Toter. Wer ihn getötet haben könnte, ist unklar. Sofort beginnen die drei Überlebenden sich gegenseitig zu verdächtigen…
Optisch und darstellerisch kann der Webkrimi "Epicsode" nicht mit Serien wie "Blutsbrüder" mithalten. Doch dafür wird der Zuschauer in dem Projekt von Masterstudenten der Hochschule Offenburg selbst zum Ermittler. Nur die erste Episode ist frei verfügbar, um zu den weiteren Folgen zu gelangen, müssen die Zuschauer auf Hinweise achten und im StudiVZ oder bei Facebook auf Spurensuche gehen. Nach und nach wird es deutlich schwieriger auf die richtigen Informationen zu stoßen, und verschiedene Spuren müssen kombiniert werden.

Dating Lanzelot

Da kann man schon mal verzweifeln: In jeder Episode datet Lanzelot eine Frau, die der Langzeit-Single im Internet kennengelernt hat. Doch jede Verabredung endet in einer Katastrophe. Nicht ganz unschuldig daran: die skurrilen Dating-Tipps von seinem Mitbewohner. Viel wird in "Dating Lanzelot" nicht erzählt, doch wegen der gelungenen Situationskomik und Lanzelots verrückter Datingpartnerinnen (allen voran das koksende "Hotbunny") ist die Web-Comedy absolut zu empfehlen.

Die Snobs

Der smartphonesüchtige Astor (Christian Ulmen) und sein koksender Kompagnon Zesen (Wilfried Hochdoldinger) treffen sich jeden Sonntag zu einer 18-Loch-Runde Golf, wobei sie sich vor allem verbale Duelle der derbsten Form liefern. Zwischen die Fronten gerät "Wurstjunge" (Frederick Lau), ein Grillwalker, den der Edelprolet von Zesen "von der Schundplatte namens Alex aufgekratzt" hat und nun als Caddy beschäftigt. "Die Snobs" bietet wenig Handlung, was dazu führen kann, dass man nach einigen Folgen wieder aus der Serie aussteigt. Für jeden, der bitterbösen Humor liebt, lohnt sich reinklicken aber auf jeden Fall.

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