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„Die Deutschen“: vom Megahit zum Flop

6,48 Mio. Menschen sahen vor etwas mehr als zwei Jahren die erste Folge der ZDF-Doku-Reihe "Die Deutschen" - ein grandioses Ergebnis. Am Ende der zweiten Staffel ist von diesen Traumquoten nichts mehr übrig. Nur noch 2,82 Mio. waren am Dienstag beim Staffel-Finale dabei, der Marktanteil der zweiten Staffel lag mit 12,3% sogar unter den ZDF-Normalwerten. Eine MEEDIA-Analyse zeigt, dass es besonders bei Figuren der neueren Geschichte deutlich nach unten ging.

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Zwar konnten im Jahr 2008 schon die Episoden 2 bis 9 den großen Auftakterfolg nicht halten, doch mit durchschnittlich 5,10 Mio. Zuschauern und einem Marktanteil von 16,1% gehörten "Die Deutschen" zu den ganz großen Doku-Erfolgen des Jahres. Was damals noch erstaunlicher war: die grandiosen Zahlen im jungen Publikum. Heftige 2,00 Mio. 14- bis 49-Jährige (16,6%) sahen die erste Episode, im Staffel-Durchschnitt erreichte die Reihe immerhin noch 1,45 Mio. und 11,6%.

Und nun also der Absturz: Staffel 2 erreichte im Gesamtpublikum nur noch 4,00 Mio. Leute und 12,3%, bei den 14- bis 49-Jährigen rutschten die Werte auf 0,98 Mio. und 7,7%. Ein Minus von 3,8 bzw. 3,9 Prozentpukten also. Besonders bitter sieht die Entwicklung aus, wenn man die allererste Episode mit der 20., also der letzten der zweiten Staffel vergleicht. Im jungen Publikum gingen hier zwei Drittel der Premieren-Zuschauer verloren, aus 2,00 Mio. wurden 0,67 Mio.

Doch wo sind die Gründe für diese deutliche Entwicklung zu suchen? Am Dienstagabend-Sendeplatz, auf dem die Reihe längst nicht an die Sonntags-Zahlen heran kam, lag es nicht allein. Zwar lief die zweite Staffel am Dienstag mit einem Marktanteil von 10,5% besonders schlecht, doch im Vergleich zur ersten Staffel, die damals ebenfalls sonntags und dienstags zu sehen war, gingen auf beiden Sendeplätzen nahezu identische Marktanteilspunkte verloren. Dennoch: Hätte sich das ZDF auf den Sonntagvorabend, den beliebten "Terra X"-Programmslot konzentriert, "Die Deutschen" lägen jetzt wahrscheinlich nicht unter den ZDF-Normalwerten. Denn: Mit Marktanteilen von 14,2% und 8,9% übersprangen die fünf hier ausgestrahlten Episoden in beiden wichtigen Zuschauergruppen den Sender-Durchschnitt der vergangenen 12 Monate.

Sollte das ZDF über eine weitere Staffel nachdenken, wäre also vor allem die Konzentration auf den Sonntags-Sendeplatz ein wichtiger Faktor. Zudem zeigen die Ergebnisse der einzelnen Episoden, dass vor allem die Figuren aus der neueren Geschichte nicht so gut beim Publikum ankamen. Die letzte Folge mit Gustav Stresemann war beispielsweise die erfolgloseste der gesamten Reihe, in der ersten Staffel landete die Episode zur Märzrevolution von 1848 auf dem letzten Platz. Gute Zuschauerzahlen gab es in der zweiten Staffel hingegen weiterhin bei Figuren aus ganz alten Zeiten: Die Folge mit Karl dem Großen sahen 5,21 Mio. Menschen, die mit Hildegard von Bingen sogar 5,43 Mio. Ob aber eine Konzentration auf solche Figuren aus der älteren deutschen Geschichte ein Erfolgsrezept für eine eventuelle weitere Staffel wäre, erscheint fraglich. Denn die Zahl an wirklich interessanten und bekannten Deutschen ist überschaubar und durch die bisherigen 20 Folgen schon relativ gut abgedeckt worden.

(Die Bezeichnungen auf der x-Achse in der Grafik entsprechen den jeweils zehn Folgen der beiden Staffeln)

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