Computer Bild mit Apps und neuem Look

Umgebaut: Die Computer Bild erscheint am kommenden Samstag in einem neuen Look und mit neuen Inhalten. Als "Weltneuheit" kündigt die Springer-Zeitschrift ein App-Center für Net- und Notebooks, Smartphones und Tablets an. Darin bekommen Leser kostenlosen Zugriff auf Premium-Inhalte von ausgewählten Applikationen. Zum Start sind sieben Programme dabei. "Dieses Angebot bekommen die Leser sonst nirgendwo", sagt Computer-Bild-Chefredakteur Hans-Martin Burr im MEEDIA-Interview.

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Für die überarbeitete Computer Bild kündigen Sie als "Weltneuheit" ein App-Center an. Was hat es damit auf sich?
Es handelt sich um ein Premium-App-Modell. Wir bieten schon länger für Note- und Netbooks Software an, die speziell für die mobilen Geräte abgestimmt ist. Das setzen wir jetzt auch für Smartphones-Apps um. Zum Start kooperieren wir mit sieben Entwicklern. Mit einem Code, den nur Computer Bild-Leser bekommen, können sie in Apps Mehrwerte freischalten. Ein Beispiel: TUI bietet in ihrer mobilen Applikation Premium-Reiseführer an, die normalerweise 3,99 Euro kosten. Mit dem Computer Bild-Code können Nutzer sich zwei dieser Reiseführer kostenlos herunterladen.
Was versprechen Sie sich von diesem Service?
Wir haben uns die Entwicklung im Technologiemarkt angeschaut und zwei Megatrends festgestellt. Zum einen ist der Anteil an mobilen Geräten stark gestiegen. Schon im vergangenen Jahr wurden mehr Laptops und Notebooks verkauft als Desktop-PCs. Zweitens: Auch Smartphones haben ebenfalls einen starkes Umsatzwachstum. Mit dem App-Center reagieren wir auf diese Marktentwicklung.
Wie liegen die Codes der Zeitschrift bei?
Es gibt einen Mastercode, der auf der Hülle der Heft-CD aufgedruckt ist. Den Code fotografiert man mit seinem Smartphone ab und kommt dann automatisch auf eine Seite, auf der alle Apps aufgelistet sind, die man sich mit dem jeweiligen Code herunterladen kann. Ein zweiter Code wird automatisch generiert und ist nur einmal für jede einzelne App gültig.
Entstehen Kosten beim Download der Apps?
Nein, alle Apps samt Premium-Inhalten sind kostenlos.
Warum ist niemand vorher auf diese Idee gekommen?
Das liegt sicherlich zum Teil daran, dass die Technologie hinter dem System sehr komplex ist. Zudem gibt Apple konkrete Regeln bei der Nutzung des App-Stores vor. Das Unternehmen verbietet beispielsweise App-Geschäfte, die neben dem App-Store abgewickelt werden.
Wie bekommt man Zugang zum App-Center?
Das App-Center kann jeder herunterladen, und es ist auch auf unserer Heft-CD/DVD. Dann gibt man den Code ein und wird für die Inhalte freigeschaltet.
Wie lange hat es gedauert, die Entwickler und Publisher von den Partnerschaften zu überzeugen?
Das hat einige Wochen gedauert. Weil das Konzept neu war, gab es einigen Erklärungsbedarf. Wir bekamen aber schnell großen Zuspruch, weil den Unternehmen klar wurde, dass sie auf diese Weise die Popularität ihrer Apps steigern können.
Das klingt eher nach klassischer PR-Arbeit.
Mit PR hat das überhaupt nichts zu tun. Das Prinzip, das hinter dem App-Center steckt, verfolgen wir schon seit Jahren. Bislang haben wir klassische Kaufprogramme getestet und die besten auf der Heft-CD angeboten. Nun erweitern wir das Konzept um Net-/Notebook-Software und Handy-Apps. In unser App-Center nehmen wir nur Apps auf, die wir vorher getestet haben und die einen echten Mehrwert bieten.
Wollen Sie mit dem App-Center neue Leser gewinnen?
Klar. Natürlich hoffen wir, neue und auch junge Leser anzusprechen. Sie bekommen das App-Center mit den Angeboten eben nur bei uns.
Wird die Berichterstattung stärker auf mobile Geräte ausgerichtet?
Zum Teil. Wir werden eine komplette Seite über neue Apps machen, denn der Markt wächst.
Und bezieht sich das ausschließlich auf Apple?
Zum Start gibt es Angebote für das iPhone, iPad und Android-Smartphones, weitere Plattformen wie Symbian (Nokia) und Windows Phone 7 (Microsoft) sind geplant.
Diese Betriebssysteme werden also künftig einen größeren Umfang in der Berichterstattung einnehmen?
Ja. Wir bearbeiten schon seit mehreren Jahren Handy-Themen in unserer festen Telekommunikationsrubrik. Eine Handy-Übersicht haben wir auch in jedem Heft. Aber die Unterschiede zwischen mobilen Geräten wie den Tablet-PCs und Smartphones werden immer kleiner. Darauf reagieren wir.
Die Konkurrenz schläft nicht. Es gibt mittlerweile extra Hefte, die sich mit Apps und dem iPad beschäftigen.
Das sind in der Regel eher Sonderhefte, die im Markt nur mit homöopathischen Stückzahlen vertreten sind.
Was erwartet den Leser sonst noch Neues in der überarbeiteten Computer Bild?
Wir haben eine komplett neue Optik, die frischer und moderner ist. Das Heft wirkt aufgeräumter, wir haben grafische Schwerpunkte gesetzt mit neuen Infoelementen. Wir haben eine klarere Bildsprache und der Leser wird über einzelne Elemente sowie Infokästen besser in Geschichten hineingezogen. Die Tests werden übersichtlicher, die Tabellen sind jetzt zweigeteilt – einmal die "Testergebnisse kompakt", für Leser, die sich schnell informieren wollen, und im zweiten Teil die Testergebnisse im Detail für jene Leser, die mehr vergleichen und es genauer wissen wollen.
Ist das eine Reaktion auf die Kritik an Ihren Bewertungskriterien? Es wurde immer wieder bemängelt, dass sich Computer Bild zu sehr auf die Rechenleistung und zu wenig auf andere Faktoren fokussiert haben.
Ich glaube, dieser Vorwurf steht nur bei Wikipedia. Bis heute habe ich nicht verstanden, was damit gemeint ist. Wir weisen bis zur letzten Ziffer nach dem Komma aus, wie unsere Bewertungen zustande kommen. Geschwindigkeit spielt dabei eine große Rolle. Aber wir bewerten genau so die Ausstattung oder machen bei Notebooks als einziges Magazin einen Test mit der Klappe, die wir maschinell 21.000 Mal hin und her bewegen. Außerdem testen wir als einzige die CE-Konformität und elektrische Sicherheit. Kein anderes Fachmagazin hat ein so umfangreiches Testverfahren wie wir. Über Gewichtung kann man natürlich immer streiten, aber das hat nichts mit unserer konzeptionellen Überarbeitung zu tun. Wir testen heute genauso gewissenhaft und umfangreich wie bisher.
Die Bewertungskriterien bleiben also die gleichen?
Natürlich gibt es immer wieder Änderungen und Anpassungen. Aber das hat dann mit der Weiterentwicklung der Technik zu tun und nicht mit einer Konzepterweiterung des Magazins.
Ändern Sie auch sprachlich etwas? Das Wort "Browser" hat man lange nicht in der Computer Bild gelesen.
Das Wort fällt inzwischen öfter. Aber es stimmt: Früher haben wir uns bemüht, alle Fachbegriffe auf Deutsch zu übersetzen. Mittlerweile sind die Zeiten, in denen Menschen "Rechner" anstatt "Computer" sagen, aber vorbei. Die deutschen Übersetzungen haben wir zurückgefahren. Absolute Verständlichkeit ist dennoch unser höchster Anspruch. Manchmal läuft man aber Gefahr, dass die Übersetzung unbekannter ist als das englische Originalwort. Ich halte es für albern, die Begriffe zwanghaft zu übersetzen, wenn sich das Fremdwort längst etabliert hat. Unser Leserkreis ist jedoch ein anderer als bei C’t und deshalb erklären wir lieber etwas einmal zu viel als zu wenig. Und sollte etwas unklar sein, haben wir im Zweifelsfall auch noch eine Doppelseite mit Begriffserklärungen im Heft.
Mit einem anderen Leserkreis meinen Sie, dass Ihre Zielgruppe eher Technik-Einsteiger sind?
Ob es den klassischen Einsteiger überhaupt noch gibt, ist die Frage. Aber sagen wir, es sind Menschen, die ihren PC nicht auseinander schrauben, um zu schauen, was alles drin ist. Es sind also diejenigen, die mit dem Computer arbeiten wollen, ohne selbst an der Hardware zu basteln.
Computer Bild hat in den vergangenen zwölf Monaten 13 Prozent seiner Auflage verloren, im Fünf-Jahres-Trend waren es 22 Prozent. War das der Anlass für die Überarbeitung?
Wir haben im Grosso-Einzelverkauf in den vergangenen Jahren stetig an Marktanteil gewonnen und sind mit Abstand Marktführer. Insofern stehen wir im Vergleich sehr gut da. Auch zuvor schon haben wir das Heft überarbeitet – was in erster Linie daran liegt, dass sich die Märkte und die Ansprüche der Leser verändern. Dem müssen wir genau so Rechnung tragen wie ein Autohersteller, der laufend neue Modelle entwickelt. Auch künftig werden wir, unabhängig von der Auflagenentwicklung, Computer Bild verändern. Für mich ist das ein normaler Prozess.
Die gesamte Computer-Presse hat es seit einigen Jahren schwer. Ob man zu Chip, zur C’t oder zur PC-Welt schaut – überall gehen Leser verloren. Auffällig ist aber, dass die Auflage bei der Computer-Presse besonders stark rückläufig ist. Woran liegt das?
Diesen Trend sehe ich erst seit diesem Jahr. Ich erkläre es mir so: Der Erklärungsbedarf bei den Nutzern wird weniger. Während es vor zehn Jahren noch etliche Menschen gab, die nur sehr wenig Kontakt zu Computern hatten. Diese Gruppe existiert heute kaum noch. Der Computer ist für niemanden mehr ein unbekanntes Wesen. Und das ist auch der Grund, weshalb wir uns breiter aufstellen. Computer sind das eine, aber Smartphones werden immer wichtiger für die Leser, und Tablets kommen neu hinzu. Der Leser weiß, wie er einen PC anschaltet, aber sein Informationsbedarf – speziell mit Blick auf die neuen Technologien – ist enorm gewachsen.
Müsste man Computer Bild nicht umbenennen, wenn es mehr um Smartphones und Tablets geht?
Nein, Smartphones haben auch etwas mit Computertechnologie zu tun. Und in unserer Dachzeile steht schon lange "Europas größte PC- und Handy-Zeitschrift". Wir haben also schon immer bewusst auf mobile Telekommunikation gesetzt.
Würden Sie resümierend sagen, Computer Bild wird durch die Neuausrichtung, die vielen Erklärstücke und App-Tests stärker zu einem Ratgebermedium?
Ja, das stimmt. Unsere drei Säulen waren schon immer harte Tests, erklärende Artikel über Alltagsprobleme am PC und Mehrwert auf Heft-CD/DVD – und jetzt eben auch zum Herunterladen.

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