„Preiserhöhung eine Selbstverständlichkeit“

Entspannte Endzeitstimmung an der Brandstwiete: Letztmalig vor dem Umzug präsentierte Geschäftsführer Ove Saffe am Mittwoch im 11. Stock des Redaktionshauses die Jahresprognose der Spiegelgruppe. Danach setzt der Verlag über alle Aktivitäten 2010 rund 312 Millionen Euro um. Das bedeutet ein moderates Plus von 3 Prozent oder 10 Millionen Euro gegenüber dem (Krisen-)Vorjahr. "Für 2011 haben wir allen Grund zum Optimismus", erklärte der 47-Jährige, warnte jedoch: "Einen Turnaround sehen wir nicht."

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Das Anzeigengeschäft im Magazinmarkt, so ist Saffe überzeugt, werde auch in Zukunft schwierig bleiben. Für den Spiegel ist das allerdings nur mittelbar ein Problem. Denn während das Magazin vor zehn Jahren noch rund zwei Drittel der Umsätze aus der Anzeigenvermarktung generierte, ist es inzwischen nur noch ein Drittel. Mehr als 60 Prozent entfallen jetzt auf die Vertriebserlöse, und dieser Anteil könnte weiter steigen: Zum Jahreswechsel hebt der Spiegel den Copypreis für das Einzelheft von 3,80 Euro auf 4 Euro an. Dabei wird es laut Saffe nicht lange bleiben: "Regelmäßige Copypreis-Erhöhung ist eine Selbstverständlichkeit, das gilt auch für die Zukunft. Der Leser versteht das, hochwertiger Journalismus kostet auch Geld."

Mit seiner Kernmarke ist der Spiegel-Geschäftsführer hochzufrieden. Dabei verwies Saffe auf die Debatten, die das Magazin mit aufmerksamkeitsstarken Titelgeschichten angeschoben hat, vor allem den nicht ganz unumstrittenen Wikileaks-Scoop. Er wandte sich zugleich gegen die "Achterbahnfahrt der Einschätzungen" der Rolle von Print und Internet sowie gegen übertriebene Erwartungen an Hardware-Produkte wie das iPad. Der Spiegel setze nicht auf Print oder Online, sondern verfolge erfolgreich die Devise "Journalismus first". Das iPad spiele zwar aufgrund seiner multimedialen Möglichkeiten eine interessante Rolle bei der Erweiterung der Vertriebskanäle, doch das Zeug zum Massenprodukt traut Saffe dem Apple-Tablet nicht zu. Da müssten erst konkurrierende Hersteller mit Angeboten auf Android-Basis nachziehen, damit eine "neue Dynamik" errreicht werde. Immerhin haben iPhone und iPad dem Verkauf von E-Paper-Ausgaben einen signifikanten Schub gegeben. Nach einem starken Verkauf des Sarrazin-Titels (Nr. 36/10) erzielte die letzte Wikileaks-Ausgabe mit der Enthüllung der Depeschen von US-Diplomaten erstmals mehr als 20.000 Verkäufe auf dem digitalen Sektor. In der kommenden Woche soll nun die dritte technische Ausbaustufe der iPad-Version verfügbar sein.

Insgesamt erfolgreich sieht Saffe die Situation in den Bereichen der Gruppe. So sei das Manager Magazin "im Krisenjahr 2009 der einzige wirtschaftlich erfolgreiche Titel im Segment" gewesen. Zudem sei der Sanierungskurs bei der Online-Sparte des Magazins aufgegangen. Dort habe man die Reichweite trotz erheblichen Sparmaßnahmen ausbauen können, das Angebot sei inzwischen profitabel. Das Kinderheft Dein Spiegel entwickele sich erfreulich, gewinne pro Ausgabe rund 1.000 neue Abonnenten und habe inzwischen eine Verkaufsauflage von 50.000 Exemplaren (bei 18.000 Abos). Einzig Spiegel TV ist derzeit in Problemen; dort sollen aufgrund von weggebrochenen Produktionsaufträgen 15 Prozent der Arbeitsplätze abgebaut werden. Über das Wie und Wann sei man "in Gesprächen", Einzelheiten nannte der Spiegel-Geschäftsführer nicht. Saffe schloss nicht aus, dass Mitarbeiter, die ihren festen Arbeitsplatz verlieren, künftig frei für die TV-Abteilung arbeiten könnten.

Angesichts der insgesamt harmonischen Geschäftslage hatten die Ausführungen von Verlagsleiter Matthias Schmolz zum Spiegel-Neubau in der angrenzenden Hamburger Hafencity noch den größten News-Wert. Der mehr als 100 Millionen Euro teure hochmoderne Gebäudekomplex für bis zu 1.200 Mitarbeiter soll im kommenden Sommer bezugsreif sein. Mehr Platz für die Redakteure (die Denkerklausen messen künftig 13,9 Quadratmeter und damit gut 3 Quadratmeter mehr als bisher), eine größere Kantine mit Außensitzplätzen sowie ein ausladender Konferenzbereich sind Highlights des Spiegel-Hochhauses, in dem erstmals alle Mitarbeiter am Standort mit Ausnahme des Call Centers unter einem Dach arbeiten werden. Und sogar für Teile der Inneneinrichtung der unter Denkmalschutz stehenden Kantine des derzeitigen Baus wurde ein Platz gefunden – diese sollen der neuen Snackbar im 5. Obergeschoss ein vertrautes Flair schaffen.

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