Openleaks: das Wikilieaks für Verlage

Nach den jüngsten Veröffentlichungen steht die Whistleblower-Plattform Wikileaks stark unter Beschuss. PayPal und Mastercard schließen die Konten, Amazon wirft die Seite von seinen Servern. Und ein DNS-Provider sorgt dafür, dass die Seite nicht mehr erreichbar ist. Zeit also für eine Alternative. Die Ex-Wikileaks-Mitglieder Daniel Domscheit-Berg und Herbert Snorrason starten noch diese Woche ihr Portal Openleaks. Kein Wikileaks-Klon, sondern grundlegend anders aufgebaut. Ein sogenannter "toter Briefkasten".

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Warum Openleaks kein Wikileaks-Klon ist, erklärt Snorrason im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: “Der wichtigste Unterschied ist, dass wir selbst nichts veröffentlichen, nicht einmal Dokumente empfangen. Wir bauen nur ein sicheres Computer-Netzwerk, eine Art elektronischer Briefkasten. In den kann jeder brisante Dokumente werfen und selbst bestimmen, wer die Papiere bekommen soll.”

Openleaks fungiert also nicht als Plattform, sondern als technischer Unterbau. Der Rest liegt in der Hand der Informanten und Kooperationspartner. Das können beispielsweise Zeitungen sein, aber auch Behörden, Gewerkschaften oder Regierungen. Auf der Homepage einer Webseite würde dann ein Button abgebildet. Klickt man darauf, bekommt der User Anweisungen, um eventuell brisante Dokumente auf sicherem Wege zu verschicken. Kritik, man könne doch auch eine Mail an die Redaktion schicken, entkräftet Snorrason: “Der Absender einer E-Mail lässt sich leicht zurückverfolgen. Das heißt, wer geheime Dokumente in einer E-Mail verbreitet, kann schnell enttarnt werden.”

Technisch gesehen basiert das Netzwerk auf einen Serververbund in etwa zehn Ländern. Die Anzahl der Server soll im Laufe der Zeit aufgestockt werden. Je größer das Netz und je mehr Knotenpunkte darin, desto schwerer ist später nachzuvollziehen, woher potenziell brisante Dokumente stammen.

Wie auch Wikileaks will sich Openleaks mit Spenden finanzieren. Darüber hinaus fallen für etwaige Kooperationspartner Gebühren für den Aufbau und Erhalt der technischen Infrastruktur an. Diese “Gebühr” beläuft sich dabei auf 200 bis 500 Euro. Bis April läuft die Seite im Testbetrieb mit nur fünf Partnern. Danach will man ein internationales Netz aus Partnern aufbauen. Die Gelder sollen möglicherweise von einer Stiftung verwaltet werden. Die Kosten für den Betrieb und Erhalt werden auf 100.000 Euro pro Jahr geschätzt.

Openleaks ist aber bei weitem nicht das einzige Angebot dieser Art. Jüngst launchte die WAZ-Gruppe unter der Leitung von David Schraven ein Portal, auf dem Leser dem Recherche-Team anonym Dokumente zukommen lassen können. Brussels Leak hat sich zum Ziel gesetzt, im Dickicht der Lobbyorganisationen innerhalb der EU für etwas mehr Durchblick zu sorgen. Ein weiterer Dienst mit ähnlicher Ausrichtung ist die Privacybox der German Privacy Foundation, der 3000 sichere Postfächer unterhält, die von rund 2000 Personen genutzt werden.

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