Anzeige

Studie: iPad-Apps kannibalisieren Print

Verleger weltweit sollten Steve Jobs danken, weil er mit seinem iPad die Branche gerettet habe, erklärte Springer-Chef Mathias Döpfner einmal in einem Interview. Eine jüngst veröffentlichte US-Studie des renommierten Reynolds Institute spricht eine andere Sprache. Demnach kannibalisieren iPad-Apps in erheblichem Maße Zeitungen und Zeitschriften. Ein Großteil der Befragten plant seit dem Tablet-Kauf, sämtliche Print-Abos zu kündigen. Die Studie beleuchtet außerdem die Demographie von iPad-Usern.

Anzeige

Noch immer sehen Verleger in Geräten wie dem iPad und künftigen Tablets die Zukunft. Sie sollen die sich nur langsam von der Anzeigenkrise erholende Printbranche wieder auf Kurs bringen. Das renommierte Reynolds Institute macht solchen Hoffnungen mit einer jüngst veröffentlichten Studie unter über 1.600 Befragten zunichte. Demnach unterstützen News-Apps nicht das Print-Business, sie verdrängen es vielmehr. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie in Kürze:

  • Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, Nachrichten lieber auf einer iPad-App zu lesen als auf einer Nachrichtenseite.

  • User lesen weniger Zeitungen, je öfter sie Geschichten auf dem iPad lesen.

  • 931 der Befragten 1609 hatten zu dem gefragten Zeitpunkt ein Print-Abo. Ein Großteil spielt mit dem Gedanken, sein Abo zu kündigen. Rund 60 Prozent der Abonnenten, die überlegen zu kündigen, nutzen ihr iPad mindestens eine Stunde am Tag und wollen ihre Print-Abos innerhalb der nächsten sechs Monate kündigen.

  • Mehr als 30 Prozent gaben an, kein Print-Abo mehr abzuschließen. Von diesen hatten zehn Prozent bereits ein Abo gekündigt. Und zur Lektüre von digitalen Zeitungen gewechselt.

  • Je stärker die iPad-Nutzung eines Users, desto wahrscheinlicher ist die Nutzung anderer digitaler Medien für die Lektüre von Nachrichten.

  • Sechs von zehn Befragten hatten schon vor der Studie einen eReader genutzt. Davon gaben 30 Prozent an, ihn für die tägliche Nachrichtenlektüre zu verwenden.

  • Drei Viertel aller Befragten besitzen ein iPhone. Rund 70 Prozent gaben an, darüber täglich Nachrichten zu konsumieren.

  • Fast 90 Prozent gaben zudem an, sich über den Computer über das Weltgeschehen zu informieren.

  • Beinahe alle (99 Prozent) erklärten, unregelmäßig über den Tag verteilt mit dem iPad News zu konsumieren.

iPad-User im Durchschnitt 48 Jahre alt
Mindestens genauso interessant wie die Ergebnisse selbst, ist die Demografie der iPad-User. 80 Prozent sind Männer, mehr als die Hälfte mit einem Einkommen von über 100.000 Dollar im Jahr. Rund 76 Prozent haben einen akademischen Abschluss. Die Hälfte der Befragten waren sogenannte Early Adopters und kauften ihre Tablets zwischen April und Mai 2010. Ebenfalls interessant: Beinahe 70 Prozent sind zwischen 35 und 64 Jahren alt. Das Durchschnittsalter liegt bei 48.

Im Gegensatz zum iPod touch und iPhone liegt der Fokus bei der Nutzung auf Nachrichten, weniger auf Spielen. 81,5 Prozent nutzen ihr Apple-Tablet für News, um genau zu sein. 80,8 Prozent zum Browsen im Web, 75,8 Prozent für E-Mail. Bei der Befragung kam außerdem zu Tage, dass der Grad der Zufriedenheit vom Alter des Users abhängt. Kurz gesagt: Je älter der iPad-User, desto weniger zufrieden ist er mit dem iPad im Vergleich zur Lektüre von Zeitungen. Trotzdem bewerten die Älteren das Lesevergnügen auf dem iPad höher als auf Geräten mit kleineren Displays, so wie auf Smartphones und Netbooks.

Als sie gefragt wurden, was der ausschlaggebende Faktor für eine Entscheidung ist, auf dem iPad Zeitungen zu lesen, gaben die meisten Befragten den Preis für ein Abo oder eine einzelne Ausgabe an. Zudem solle die App zuverlässig sein und Zugang zum gesamten Content der Publikation bieten. Dem wurden laut Befragung am ehesten die New York Times, USA Today, Associated Press und das Wall Street Journal gerecht.

Die Studie ist auf mehrere Jahre angelegt. 92 Prozent der Befragten stammen aus den USA. Detaillierte Studie für den deutschen Markt stehen noch aus. Dennoch spricht nichts dagegen, dass sich deutsche User großartig anders in der Nutzung ihres iPads verhalten.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige