Tatort: Sozialdrama mit Krimi-Nebenhandlung

In ihrem bereits neunten Fall als "Tatort"-Ermittler haben es Simone Thomalla und Martin Wuttke mit einem Mord und vielen Verdächtigen zu tun. Denn: Der getötete Personalleiter der Leipziger Verkehrsbetriebe hinterlässt eine betrogene Frau, gemobbte Mitarbeiter und einen eifersüchtigen Nebenbuhler. Doch die Mord-Ermittlungen spielen diesmal nur eine Nebenrolle, denn starke Darsteller, insbesondere in einer Alkoholiker-Familie machen den "Tatort" zum Sozialdrama, in dem die Kommissare beinahe stören.

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In einem demolierten Auto wird auf einer Baustelle die Leiche von Jörg Korsack gefunden, bis dahin Personalleiter der Leipziger Verkehrsbetriebe. Da Korsack erschlagen im Wagen von Uwe Fischer (Martin Brambach) lag, fällt der Verdacht schnell auf den Familienvater. Doch auch seine alkoholabhängige Ehefrau und sein Sohn, der nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus-Koma liegt, könnten mit dem Fall zu tun haben. Denn: Moni Fischer (Jule Böwe) arbeitet in den Verkehrsbetrieben und ist des Öfteren mit Korsack aneinander geraten. Und Sohn Tobias Fischer war verliebt in die aktuelle Affäre Korsacks, Mandy Wachowiak (Susanne Bormann). Und dann gibt es noch die betrogene Ehefrau, die etwas geheimnisvolle Sabine Korsack (stark: Corinna Harfouch), die nach außen hin einverstanden war mit den Querelen ihres Mannes, nach innen hin aber wohl kaum.

Insbesondere die Darsteller des Ehepaares Fischer, Jule Böwe und Martin Brambach machen "Schön ist anders" zu einem sehenswerten Film. Die beklemmende Tristesse in der Familie Fischer, mit der alkoholkranken Frau, dem völlig überforderten Ehemann, dem 17-jährigen Sohn, der sich halb tot säuft und der kleinen Tochter, die alles mit ansehen muss, ist so eindrucksvoll, dass sie den Zuschauer auch nach Ende des Films nicht loslässt. "Ab morgen wird alles gut" heißt es kurz vor Schluss. Der Zuschauer aber weiß: Nichts wird gut.

Die Krimihandlung stört da beinahe schon – und das liegt an zwei Dingen. Zum einen schleppen sich die Ermittlungen in viel zu lahmem Tempo voran, zum anderen hat vor allem Ermittlerin Eva Saalfeld dem Film diesmal überhaupt nichts Elementares beizutragen. Beinahe scheint es so, als hätte die Drehbuchautorin Kathrin Bühlig nichts mit der Figur anzufangen gewusst. Krampfhaft wird nebenbei versucht, Saalfeld mit einer privaten Nebenhandlung mehr Farbe zu geben. Doch wenn sie mit ihrer Mutter ("Mutsch") Sekt trinkt, den Ratschlag bekommt, sie brauche mal wieder Sex und dann auch noch etwas mit einem Arzt-Schönling anfängt, nervt das einfach nur.

Etwas relevanter für den Verlauf des Films ist die Rolle des zweiten Ermittlers. Martin Wuttke kann als Keppler ab und zu glänzen, weil auch er eine Alkoholiker-Vergangenheit hat. Dennoch: Ohne das beklemmende Sozialdrama um die Familie Fischer wäre "Schön ist anders" wohl nur ein sehr mittelmäßiger "Tatort". Als Krimi versprüht der Film nämlich vornehmlich Langeweile.

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