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Tagesspiegel bleibt doch dpa-Abonnent

Viel Wind um Nichts: Nach MEEDIA-Informationen bleibt der Tagesspiegel allen Bekundungen zum Trotz Kunde der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Vor gut einem Jahr hatten die beiden Chefredakteure Lorenz Maroldt und Andreas Casdorff noch mit Empörung darauf reagiert, dass der News-Dienstleister in eine Immobilie des Axel-Springer-Verlages ziehen wollte, und lautstark als Sanktion den Verzicht auf die dpa-Dienste angekündigt.

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Viel Wind um Nichts: Nach MEEDIA-Informationen bleibt der Tagesspiegel allen Bekundungen zum Trotz Kunde der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Vor gut einem Jahr hatten die beiden Chefredakteure Lorenz Maroldt und Andreas Casdorff noch mit Empörung darauf reagiert, dass der News-Dienstleister in eine Immobilie des Axel-Springer-Verlages ziehen wollte, und lautstark als Sanktion den Verzicht auf die dpa-Dienste angekündigt.
Auslöser des Theaters war eine Meldung der dpa vom 3. November 2009. Damals verbreitete der hiesige Agentur-Marktführer die Schlagzeile: "dpa-Zentrale in Berlins historischem Zeitungsviertel" – und kündigte damit den Umzug seiner bisher auf Frankfurt, Hamburg und die Hauptstadt verteilten Redaktionen in eine gemeinsame Etage der Axel-Springer-Passage an, die ein Anbau des Hauptsitzes jenes Verlags ist, der mit vielen anderen Verlagen in erbittertem Wettbewerb steht. Im Tagesspiegel entfachte diese Nachricht deshalb auch einen "Sturm der Entrüstung", wie damals Redakteure aus den Sitzungen berichteten.
Was folgte, waren auch im Tagesspiegel Berichte in eigener Sache: Unter dem Titel "Mit der Unabhängigkeit völlig unvereinbar" hieß es in knappen Zeilen an die Leser, mit dem Umzug sei "eine vertrauensvolle Zusammenarbeit (…) nicht mehr möglich". Zugleich hatte der Tagesspiegel der dpa mitgeteilt, den Bezug ihrer Dienste "aus wichtigem Grund" zum Juli 2010 zu kündigen – dem Zeitpunkt des avisierten Umzugs.
Eine Ankündigung, die für viel Aufsehen sorgte. Zum einen warfen Kritiker dem Blatt vor, mit zweierlei Maß zu messen, weil der Tagesspiegel selbst Kunde seines eigenen Konkurrenten war – zu diesem Zeitpunkt ließ er bei Springer drucken. Zum anderen sah sich die dpa in der öffentlichen Wahrnehmung mit einer Welle an Kundenabgängen konfrontiert, da ihr zuvor bereits die Essener WAZ-Gruppe zu schaffen machte. Die verzichtet seit Anfang 2009 für ihre Titel in Nordrhein-Westfalen und Thüringen gänzlich auf die Inhalte der dpa (ganz anders als bei der Braunschweiger Zeitung, die bei Agenturberichten allein auf die dpa setzt). Das Bild der dpa als Verleger-Agentur bröckelte damit so stark wie nie zuvor.
Jetzt aber ist klar: Maroldt und Casdorff halten der dpa auch in Zukunft die Treue. "Wir haben in den vergangenen Monaten die dpa geprüft, die Redaktion besucht und vertrauensvolle Gespräche vor allem mit Chefredakteur Wolfgang Büchner geführt. Die dpa hat uns schlichtweg überzeugt, dass sie ihre Standards halten wird und wir mit ihr als Qualitätsagentur auch künftig eine Qualitätszeitung machen können", sagte Maroldt auf Anfrage zu MEEDIA. Er habe "keinerlei Befürchtungen mehr, dass unser Konkurrent Springer etwa besser zitiert wird als wir".
Maroldt sagte allerdings auch: "Die dpa hat uns damals mit ihrer Meldung vor vollendete Tatsachen gestellt. Hätte sie mit uns im Vorfeld besser kommuniziert, dann hätte sie sicher die ein oder andere Befürchtung frühzeitig ausräumen können." Auch die dpa bestätigte auf Nachfrage die Vertragsverlängerung und teilte mit: "Der Tagesspiegel bleibt auch über das Jahr 2010 hinaus Kunde der dpa. Das Vertragsverhältnis wird in vollem Umfang fortgesetzt."
Eine gänzlich dpa-freie Zone ist damit weiter nicht in Sicht: Die nordrhein-westfälischen Titel und das Online-Portal derwesten.de der WAZ verzichten zwar weiter in aller Konsequenz auf die Inhalte des Agentur-Marktführers. Ihre erst vor wenigen Wochen gestartete Fußball-App "WAZ Dauerkarte" speist sich hingegen aus Inhalten der dpa, wenn auch über den Umweg des IT-Ablegers dpa-Infocom. Auch die Düsseldorfer Rheinische Post, bei der sich der heutige WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz einst bereits im dpa-Verzicht übte, ist längst wieder Abonnent, nämlich für die Themendienste und den dpa-Bildfunk. Und die Ludwigshafener Rheinpfalz, die ebenfalls häufig fälschlicherweise als dpa-frei gilt, bezieht etwa Infografiken und den Dienst mit Nachrichten für Kinder von der dpa.
Während die dpa jubeln kann, weil ihr ein prominenter Kunde doch nicht wegbricht, bleibt ihrem Hauptkonkurrenten dapd die Schmach nicht erspart: Auf MEEDIA-Anfrage bestätigte der Springer-Verlag, dass alle seine Titel definitiv und vollständig auf die Dienste des dapd verzichten werden. Derzeit bekäme man zwar noch einzelne dapd-Inhalte von der Agentur geschenkt. "Das werden wir aber nicht in reguläre Bezüge umwandeln, wenn die kostenfreie Belieferung ausläuft", so eine Sprecherin (Hintergrund).
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  1. Was folgte, waren auch im Tagesspiegel Berichte in eigener Sache: Unter dem Titel „Mit der Unabhängigkeit völlig unvereinbar“ hieß es in knappen Zeilen an die Leser, mit dem Umzug sei „eine vertrauensvolle Zusammenarbeit

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