Assange, Ecclestone und Österreich

Julian Assange ist diese Woche gleich zweimal Coverboy bei großen deutschen Magazinen gewesen: Focus am Montag und Stern am Donnerstag. Dabei hätte der Stern den Wikileaks-Chef schon vergangene Woche auf den Titel hieven können. Formel-Eins-Boss Bernie Ecclestone schlägt Werbe-Kapital aus einem echten Raubüberfall und zeigt sein Mega-Veilchen für Uhren-Werbung her, das ZDF schaltet eine “bewegende” Anzeige und die Zeitung Österreich sorgte mit ihrer Vor-Schreiberei für den Medienskandal der Woche.

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Wenn man zum Stern greift, weiß man nicht immer auf den ersten Blick hundertprozentig, in welcher Woche man sich gerade befindet. Auf dem Cover diese Woche prangt Wikileaks-Oberkopf Julian Assange, dazu die Zeile “Vor ihm zittern die Mächtigen”. Dieses Cover hätte man auch schon vergangene Woche bringen können. Da entschieden sich die Stern-Macher aber, den in der breiten Öffentlichkeit wohl nicht sehr bekannten, mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning auf den Titel zu nehmen. Das gab dem Focus am Montag die Gelegenheit, seinerseits zuerst mit einem Assange-Titel und der lustigen Zeile “Nicht ganz dicht?” rauszukommen. Mal schauen, welcher Wikileaks-Titel welcher Zeitschrift den Wettkampf am Kiosk gewinnt.

Man kann von Formel-Eins-Chef Bernie Ecclestone halten, was man will. Einen gewissen, schrulligen Humor kann man ihm nicht absprechen. Da wurde er überfallen, übel zugerichtet, bekam seine Luxusuhr der Edelmarke Hublot geklaut. Und was macht Ecclestone? Er lässt ein Werbemotiv daraus basteln. Angeblich schickte Ecclestone selbst ein Foto seines verunstalteten Gesichts samt Werbe-Spruch “See what People will do for a Hublot” selbst an die Uhrenfirma. Die ließ dann die Anzeige gestalten, die ausschließlich in der Financial Times und International Herald Tribune erschienen ist. Warum sollte Hublot auch noch in weiteren Medien schalten? Die Anzeige verbreitete sich auch so im Internet. Zum Beispiel hier.

Ein etwas unglücklicheres Händchen in Sachen Werbung hatte das ZDF mit der Anzeige zum Jahresrückblick mit Thomas Gottschalk. In diversen Magazinen wurde ein lächelnder Gottschalk mit zwei Fingern über dem Auge gezeigt (“Mit dem Zweiten sieht man besser”). Dazu gab es die Zeile: “Bewegend”. Bewegend fanden aber wohl viele vor allem den dramatischen Unfall von der vergangenen “Wetten dass.. ?”-Sendung über den in dieser Woche viel geredet und geschrieben wurde. Es wäre vielleicht klüger vom ZDF gewesen, ein anderes Motiv zu wählen. Die zeitliche Nähe zum Unfall könnte der eine oder andere als unpassend empfinden.

Den eigentlichen Medien-Skandal zum “Wetten dass..?”-Unfall liefert eindeutig die österreichische Tageszeitung Österreich. Das Blatt hatte den Artikel zur Sendung einfach vorgeschrieben. Und während am Morgen nach dem Unfall alle über die abgebrochene “Wetten dass..?”-Sendung redeten, las man in Österreich davon, dass Robbie den Gottschalk “rockte” und die Sendung “aus dem Koma” holte. Es ist nicht das erste Mal, dass die Zeitung Österreich mit vor-geschriebenen Inhalten böse auf die Nase fällt. An Weihnachten 2009 wurde die Sonntagsausgabe vorproduziert und verpasste so die Geschichte, wie der “Unterhosen-Bomber” von Detroit seine Bombe nicht zünden konnte. Eine Story, die weltweit Schlagzeilen machte. Die "Wetten, dass..?"-Österreich-Story hat nun immerhin in Deutschland Schlagzeilen gemacht.

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