Katia Saalfranks peinlicher Pädagogen-Pop

Von der Pädagogin zum Popstar: Die Quoten der "Super Nanny" sind so schlecht wie nie. Was also tun, um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen? Richtig: sich in neue Projekte stürzen. Am Mittwoch strahlte RTL die Pilotsendung "Katia Saalfrank hilft" aus, in der sie verzweifelten Eltern via Knopf im Ohr Tipps für den Umgang mit ihren Kindern zuflüstert. Zudem wirft sie am Freitag ihre erste Tränendrüsen-Single auf den Markt. Dabei hat die 39-Jährige diese Imagepflege gar nicht nötig.

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Katia Saalfrank hat mit dem Start ihrer "Super Nanny" nicht nur die "stille Treppe" und die "Wuthöhle" etabliert, sondern auch vielfältige Debatten in Deutschland angeregt. Die Vorwürfe reichten von Voyeurismus, Besserwisserei bis hin zur Bloßstellung der Kinder. Andere sahen in dem Format die Chance, dass dadurch auch einkommensschwache Eltern die Erziehung ihres Nachwuchses reflektieren und sich dadurch Rat holen würden.
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Am gestrigen Mittwoch feierte sie dann ihr Debüt als Familienmanagerin im Ohr gestresster Eltern. In "Katia Saalfrank hilft" besucht sie – anders als in ihrem ersten Ratgeber-Format – "normale" Familien mit alltäglichen, "normalen" Problemen. Der dreijährige Collin will sich morgens nicht von seinem Vater waschen und anziehen lassen, Louis (17 Monate) hat Angst alleine einzuschlafen und der sechsjährige Lion mag entgegen dem Willen seiner Mutter das Kinderzimmer nicht alleine aufräumen. Zwischen die Besuche schneidet die Produktion Straßenumfragen, die noch einmal unterstreichen sollen, dass es sich dabei um ganz alltägliche Situationen handelt, die auch bei den Müllers und Schröders dieses Landes stattfinden.
Saalfranks Lösung: Nicht die Kinder sind an allem schuld, sondern der Anspruch ihrer Eltern. Die "Super Nanny" setzt sich mit ihnen hin, schaut sich die Filmaufnahmen ihres gescheiterten Handelns an und bespricht das weitere Vorgehen. Um auch in den Stresssituationen helfend zur Seite zu stehen, in denen Katia Saalfrank nicht dabei ist, werden Mutter und Vater per Funk mit der Super-Pädagogin verbunden. Sie gibt die Regieanweisung, und schon läuft alles nach Plan – zumindest in den Fernsehfamilien.
Bei Saalfrank selbst leider nicht. Seit der Saison 2009/1010 fällt der einstige Quotenkracher "Die Super Nanny" stetig nach unten, was die Zuschauerzahlen betrifft. Bei der Pilotfolge, die 2004 ausgestrahlt wurde, schauten 2,92 Millionen 14-bis 49-Jährige zu, was einem Marktanteil von über 25 Prozent entsprach. In der aktuellen Staffel sind es nur noch 15,6 Prozent, was unter dem durchschnittlichen Marktanteil von RTL (18 Prozent) liegt und sehr am Image der 39-Jährigen zu kratzen scheint.
Warum nur muss eine durchaus fähige Pädagogin, die ihre klugen Erziehungsratschläge via TV in die Plattenbauten dieses Landes transportiert, nun auch noch eine Single im Sabrina-Setlur-Look herausbringen? In "Ein Funken Hoffnung" singt die ausgebildete Musiktherapeutin von Streit und Gewalt in Familien. Produziert hat sie den Song mit ihrer Freundin Lucy van Org ("Ich bin so froh, dass ich’n Mädchen bin") in der Kulisse von Berliner Problembezirken. Dort, wo sonst Rapper wie Bushido ihre Punchlines zum besten geben, steht Katia Saalfrank nun mit Kapuzenpulli und Turnschuhen auf dem Asphalt.
Mit Authentizität hat das nichts zu tun. Eher mit einer Verzweiflungstat, um wieder in den Medien präsent zu sein. Schade, dass sich diese Vorzeigefrau solcher Mittel bedient und sich damit selbst disqualifiziert. Die "stille Treppe" wäre in dem Moment der bessere Platz gewesen.

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