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Wett-Unfalldrama: Welche Rolle spielt Audi?

In ersten Reaktionen lobten viele Kommentatoren Showmaster Thomas Gottschalk und das ZDF für den schnellen Abbruch der Live-Übertragung von "Wetten, dass..?" nach dem tragischen Unglück. Doch nun stellt sich die Frage, ob es überhaupt so weit hätte kommen müssen. Denn der Unfall des 23-jährigen Studenten Samuel Koch passierte beim Überspringen einer Limousine von Audi. Mit exakt diesem Hersteller hat das ZDF und oder Thomas Gottschalk möglicherweise einen gut dotierten Vermarktungsvertrag...

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Schon im September hatte das Branchenmagazin Journalist über die übermäßige werbliche Präsenz der Ingolstädter beim ZDF-Quotenriesen berichtet und enthüllt, dass die Kooperation mit Audi der Show für zwei Staffeln insgesamt 1,8 Millionen Euro in die Produktionskassen spüle. Zudem trat Thomas Gottschalk auch bei verschiedenen Events des Autobauers wahlweise als prominentes Zugpferd oder auch als Moderator auf. Abgewickelt worden seien die Geschäfte über die Firma Dolce Media. Deren Inhaber: Thomas Gottschalk und sein Bruder Christoph. Es ist davon auszugehen, dass das Presenting der Audi-Modelle vor einem Millionenpublikum nicht nur für das ZDF, sondern auch für den Moderator eine überaus einträgliche Zusammenarbeit darstellt.

Das Unternehmen des großen Blonden gilt heute als eine der wichtigsten Adressen, was die Platzierung von Marken in Sendungen und Filmen angeht. Schon Gottschalks Dissertation befasste sich mit dem Thema. Der Titel: „Verbotenes und erlaubtes Product Placement im TV“. Allerdings beendete er die Arbeit nie.
Nach der Enthüllung des Branchenmagazins hatte das Zweite eingeräumt, dass die Tochterfirma ZDF Enterprises an Erlösen aus der Markennutzung der Sendung beteiligt werde. Dolce Media habe dafür "entsprechende Lizenzen" erworben. Die Zahlungen von Audi erfolgten "für umfangreiche Medien- und Beratungsleistungen …, für die Einräumung der Persönlichkeitsrechte von Thomas und Christoph Gottschalk, für Events und Event-Organisationen." Diese Art der Geldbeschaffung hat offenbar System: Der Journalist zitierte in seinem Beitrag eine schon sechs Jahre alte Interview-Aussage von Thomas Gottschalk gegenüber dem Focus. Dort hatte der heute 60-Jährige das umtriebige Wirken von Dolce Media bei der Sposorenbeschaffung so erklärt: "Der Sender sagt schon mal, diesen Gast können wir uns nicht leisten, dieses Bühnenbild ist uns zu teuer. Deshalb muss es neue Ideen der Finanzierung geben."
Für vergangenen Samstag hatte Gottschalk ein geballtes internationales Star-Aufgebot nach Düsseldorf geholt: Hollywood-Star Cameron Diaz, die Chart-Stürmer von Take That, Pop-Nachwuchswunder Justin Bieber, Gerard Dépardieu, Schauspieler Christoph Waltz.
Wie die Idee zum Power-Rizer-Stunt entstand, ist unklar. Es passte allerdings nur zu gut ins Sponsoren-Konzept, dass der Student seine waghalsiges Salto-Akrobatik über fahrenden Autos inszeniert und nicht etwa beispielsweise über Heuwagen, wo sein Sturz wohl glimpflicher hätten enden können. Erschwerend für den Sprung war auch, dass die A8-Limousine als Flaggschiff der Audi-Flotte 5,15 Meter misst – ein weiter Weg für einen Satz auf Sprungfedern…
Das ZDF hat sich auf Anfrage bislang noch nicht zu der Angelegenheit geäußert, Dolce Media erklärte gegenüber MEEDIA lediglich: "Kein Kommentar."

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