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Neue Profile: Facebook lockt ältere Nutzer

Ohne Vorwarnung hat Facebook gestern seine Profilseite runderneuert - und dabei ohne Not einige beliebte Features versteckt. Die neue Profil-Seite sieht eindeutig steckbriefartiger und damit erwachsener aus: Der Profilkopf erinnert an ein Xing- oder LinkedIn-Profil. Der Beziehungsstatus ist bei Singles auf den ersten Blick nicht mehr ersichtlich. Auf Status-Updates wurde zugunsten von mehr Bildern verzichtet. Der Schwenk weg von der Twitter- hin zur Business-Welt erscheint jedoch hochriskant.

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Überraschung kurz vor Mitternacht: Ohne Vorwarnung hat Facebook gestern seine Profilseite runderneuert – und dabei ohne Not einige beliebte Features versteckt. Die neue Profil-Seite sieht eindeutig steckbriefartiger und damit erwachsener aus: Der Profilkopf erinnert an ein Xing- oder LinkedIn-Profil. Der Beziehungsstatus ist bei Singles auf den ersten Blick nicht mehr ersichtlich. Auf Status-Updates wurde zugunsten von mehr Bildern verzichtet. Der Schwenk weg von der Twitter- hin zur Business-Welt erscheint jedoch hochriskant.

Es gibt dieses Idiom aus dem amerikanischen Sprachgebrauch, das immer wieder im Geschäftsalltag herhalten muss: "If it ain’t broke, don’t fix it" – wenn eine Sache nicht kaputt ist, warum sie dann reparieren? Heute dürfte wieder einmal dieser Tage sein, an dem diese Fragestellung diskutiert wird – in den Foren wie an den Mittagstischen dieser Welt: Was soll das neue Profil-Update des weltgrößten Social Networks, das in so guter Verfassung wie nie ist?

Ohne Vorankündigung machte gestern kurz vor Mitternacht eine überraschende Nachricht auf den einschlägigen Techblogs, dem Kurzmitteilungsdienst Twitter und natürlich auf Facebook selbst die Runde: Man poliere die Profile auf, war im firmeneigenen Blogeintrag um kurz vor zehn Uhr abends deutscher Zeit zu lesen.

Generalüberholung des Profil-Kopfs: Willkommen in der Xing-Welt

Der will jedoch wohl überlegt sein, zumindest für den Moment, denn langfristig werden die Profile natürlich von selbst umgestellt – wer aber von der Stunde null an dabei sein wollte, erlebte optisch schnell einige Veränderungen. Klar werden sofort zwei Dinge: Der Profil-Inhalt scheint geschrumpft, ist dabei aber nur an die Schriftgröße der Timeline angepasst. Und plötzlich mit ziemlich vielen Bildern überfrachtet. Und überhaupt: Viele Infos werden ganz oben plötzlich auch angeboten.  

Passiert ist dies: Der Profil-Kopf hat ein völlige Neuordnung erhalten – in Hinblick auf Design und Basisinformationen. Was früher unter dem Info-Reiter auf einer Extra-Seite gesondert sichtbar war,  wird dem Profil nun vorangestellt: Angaben zum Geburtsort, dem derzeitigen Wohnort, dem Geburtstag, der Ausbildung, dem aktuellen Arbeitgeber oder sogar den Sprachkenntnissen. Die Statuszeile ist nicht sofort sichtbar, sondern klappt sich erst durch einen Klick auf die Reiter “Status”, “Foto”, “Link” oder “Video” auf.

Selektiver Beziehungsstatus: Nur Profilanzeige, wenn gebunden

Klar wird sofort: Facebook bewegt sich mit seinen vorangestellten Profilangaben eindeutig in Richtung der Business-Netzwerke Xing oder LinkedIn – das Social Network will offenkundig seriöser werden. Das wird auch bei einem Detail augenscheinlich: Der Beziehungsstatus wird nur dann im Profilkopf ausgewiesen, wenn er erfolgreich besteht – sprich: wenn eine existiert.

Wer seinen Beziehungs- oder Ehepartner verlinkt, bekommt sogar die Doppelanzeige: Unter dem Profilbild und oberhalb der neuen Freundesliste erscheint der Ehe- oder Beziehungspartner nun in der linken Navigationsleiste noch einmal per Bild. Entdeckt Facebook damit eine Ära der Spießigkeit? Oder schlimmer: Werden Singles damit diskriminiert? Solche Fragen wird sich das weltgrößte Social Network künftig gefallen lassen müssen.

Schwenk weg von Twitter hin zu Flickr

Aufpoliert in Richtung eines anderen Social Network-Vorreiters – nämlich Flickr – ist dann ein anderes Element im Profil-Kopf: Die Bildergalerien, sofern denn welche vorhanden sind. Fünf kleinformatige Fotos sind plötzlich zu sehen. Das ist nicht uninteressant, hat jedoch zwei entscheidende Schönheitsfehler: Zum einen zieht Facebook für die Galerie markierte Bilder. Facebook-Nutzer wissen jedoch: Das sind nicht immer die vorteilhaftesten, da man selbst schon mal auf anderen Bildern markiert werden kann, ohne die Bilder vorher gesehen zu haben. Nur die richtigen Privatsphäre-Einstellungen oder eifriges Wegklicken schützen vor bösen Überraschungen.

Genauso ärgerlich: Die angezeigten kleinformatigen Bilder können nicht angepasst, skaliert oder ausgeschnitten werden. So kommt es, dass an diesem Morgen reihenweise Halbkörperbilder mit langen Beinen, überdimensioniertem Haarschopf oder schlicht einem Kussmund zu sehen sind. Ausgegoren ist etwas anderes.    

Amerikanisches Facebook: Für größere Vorhaben glatt gebügelt

Doch es ist nicht alles schlecht bei Facebooks Profil-Upgrade. Die neue Freundesanzeige und –verwaltung ist ein Schritt zur besseren Übersicht. Freunde sind ab sofort schneller in der Übersicht zu überblicken, gewichtet nach Intensität der Interaktion bzw. des Profilbesuchs.  Besser noch: Bestimmte Zugehörigkeiten wie Familie, Freunde, Kommilitonen oder Kollegen können vergeben werden. Das führt zu einem klareren Überblick.

Andere Informations-Ergänzungen bleiben dabei etwas nebulös: Eigene Sportarten können nun ebenfalls im Informations-Feld, das nun auf die linke Navigationshälfte gewandert ist, ergänzt werden. "Personen, die einen inspieren", zudem. Beim "Kunstbegriff" wird es jedoch arg amerikanisch: Zwischen Musik, Büchern, Filmen und Fernsehen kann gewählt werden.
  
Ingesamt erscheint es, als wolle Facebook sein Profil gerade in Hinblick auf zukünftige Vorhaben wie den im nächsten oder übernächsten Jahr überfälligen Börsengang zunehmend glatt bügeln –und zwar nach nur allzu amerikanischen (Beziehungs-)Vorstellungen. "Shiny" nennt das die PR-Branche. Wie es Facebook-Community kommentiert, wird ab sofort sehr spannend zu beobachten sein!

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