Anzeige

Grosso-Streit: Bauer steigt beim VDZ aus

Die Bauer Media Group reagiert auf die heftige Verbandskritik im Grossostreit und kündigt "mit sofortiger Wirkung seine VDZ-Mitgliedschaft im Fachbereich Publikumszeitschriften". Die in einer Pressemitteilung des VDZ veröffentlichte Stellungnahme zur Marketingkampagne im Lebensmitteleinzelhandel empfanden die Hamburger "als gezielte Geschäftsschädigung". In einer Mitteilung heißt es: "Der Inhalt, die Diktion und das Zustandekommen dieser Pressemitteilung sind für die Bauer Media Group beispiellos."

Anzeige

Der Hamburger Verlag wirft dem Verleger-Verband vor, dass Bauer "ohne sachlichen Grund in der Öffentlichkeit diskreditiert wurde und der VDZ in den Wettbewerb eingegriffen hat" und bezog sich damit auf eine Erklärung des Verbandes vom 26. November.
Worum es geht: Über Wochen hielten die Bauer-Vetriebsprofis die Verleger- und Grossoverbände bereits im Atem. Denn kaum hatte sich der Streit um das Top 100-Siegel Hamburger beruhigt, starteten sie vor drei Wochen die nächste Vertriebsaktion. Mit Hilfe einer eigens angefertigten GVK-Studie wirbt der Verlag für eine bessere Zeitschriften-Platzierung der umsatzstarken Titel im Lebensmitteleinzelhandel. Zudem forderte Bauer eine stärkere Konzentration auf die Presse-Top-Seller. Argument: Dies komme der Umsatzentwicklung insgesamt zugute.
 
Die erste Reaktion kam vom Arbeitskreis Mittelständischer Verlage. Dieser kritisierte, die "Regaloffensive" berühre die Interessen von Special Interest Zeitschriften "mit qualitativ hochwertigen Inhalten und anspruchsvollen Copypreisen", so der AMV in einer Mitteilung. Dies würde die Vielfalt der Zeitungs- und Zeitschriftentitel gefährden.
 
Dann folgte der VDZ und distanzierte sich von Bauer, indem man in einer offiziellen Mitteilung die Initiative des Verlages "verurteilt". In der Stellungnahmen des Arbeitskreises PMV heißt es: "Die Öffentlichkeitskampagne der Bauer Vertriebs KG erweckt den Eindruck, als befände sich das Pressesortiment im Einzelhandel in einem generell schlechten und für den Einzelhändler unattraktiven Zustand. Daher wird diese Form der Kommunikation als nicht zielführend bewertet. Presse ist nach wie vor für den Einzelhandel ein hoch attraktiver und wirtschaftlicher Sortimentsbaustein.
Auf Seiten von Bauer geht es offenbar nicht nur um Sachargumente, sondern auch um Stilfragen. In der am Montag verbreiteten Erklärung liest sich dies so: "Dass die Resolution lediglich das Ergebnis einer Telefonkonferenz des PMV gewesen ist und eine Entscheidung des Vorstands bis zum heutigen Tag zu diesem wichtigen Thema nicht vorliegt, stößt zusätzlich auf Unverständnis der Verlagsgruppe." Fazit: "Diese sowie weitere, ähnlich gerichtete Aktivitäten gegen das Medienunternehmen lassen der Bauer Media Group keine andere Wahl, als die Mitgliedschaft umgehend zu beenden."
Der Schaden für das Zeitschriftenwesen ist derzeit nicht abzusehen. Bislang hatte der VDZ unter seinem als Intergrator wirkenden langjährigen Präsidenten Hubert Burda es stets vermocht, die konkurrierenden Verlage trotz aller unterschiedlichen Interessen in Branchenfragen zu einen und im Boot zu halten.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige