Der Twitter-Rückzieher des MDR-Chefs

Ein schlechter Twitter-Witz von MDR-Intendant Udo Reiter hat Konsequenzen. Alle Inhalte auf Reiters Twitter-Account sind mittlerweile komplett gelöscht. Reiter hatte Anfang Oktober einen geschmacklich fragwürdigen Kommentar zur Rede des Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit getwittert. Der Beitrag wurde bei Twitter vielfach weitergeleitet und schlug hohe Wellen. Reiter hat den Tweet später als Witz bezeichnet und sich entschuldigt. Nun befasst sich der Rundfunkrat mit der Sache.

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Kurz nachdem Bundespräsident Christian Wulff in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt hatte, der Islam gehöre zu Deutschland, twitterte MDR-Intendant Udo Reiter unter seinem Account-Namen @mdrreiter: “Einheitstag 2030: Bundespräsident Mohammed Mustafa ruft die Muslime auf, die Rechte der Deutschen Minderheit zu wahren.” Die darauffolgende Aufregung bei Twitter und in den Medien schlug hoch, Reiter äußerte sich kurz darauf bei Twitter folgendermaßen: "Der Tweet war vor einiger Zeit ein gezeichneter Witz in einer deutschen Zeitung. War natürlich als Joke gemeint. Sorry."

Nun war Reiters “Twittergate”, wie die Website Flurfunk-Dresden.de schreibt, offenbar der Anfang vom Ende der Twitter-Karriere des MDR-Intendanten. Heute will sich der Rundfunkrat des Senders mit dem Fall befassen. Es geht in der Sitzung u.a. ganz allgemein um die Nutzung von Social-Media-Angeboten durch MDR-Mitarbeiter, aber auch konkret um die Twittereien des Intendanten.

Drei Rundfunkrat-Mitglieder haben die Sache mit einer Anfrage auf die Tagesordnung gesetzt. Die Äußerungen des Intendanten seien nicht die einer Privatperson, sondern würden “eins zu eins mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und konkret dem Mitteldeutschen Rundfunk in Verbindung gebracht – zumal Funktion als auch die web-Adresse des MDR im Account verzeichnet sind”, heißt es in der Anfrage der drei Rundfunkräte. Sie wollen nun wissen, wie Udo Reiter künftig mit seinem Twitter-Account umgeht und “wie es gelingen kann, ein solches kommunikatives Desaster zukünftig zu verhindern.”

Die Lösung dürfte so aussehen, dass von @mdrreiter nichts mehr zu lesen sein wird. Der Twitter-Account ruht bereit seit Ende Oktober. Dass er nun von allen Inhalten freigeräumt wurde, spricht eine deutliche Sprache. Gelöscht wurde der Account wohl allein deshalb nicht, damit sich kein Spaßvogel den Namen zulegen und für weitere Irritationen im Namen des Intendanten sorgen kann. Als die Twitter-Welt von Udo Reiter noch in Ordnung war, sagte er in einem Interview: "Da hat sich tatsächlich eine neuartige Kommunikationswelt etabliert, die von meiner Generation kaum wahrgenommen wird. Das ist schade. Diese unmittelbare Resonanz hat durchaus etwas Stimulierendes." Nun war es für die Amt-, Würden- und Bedenkenträger des öffentlich-rechtlichen Apparates offenbar ein bisschen zu viel an Stimulanz.

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