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Markworts Abrechnung mit Anwalt Schwenn

Was beim Focus einst als Editorial des Gründers das Münchner Magazin eröffnete, ist seit der Übergabe von Helmut Markwort an Wolfram Weimer als "Tagebuch des Herausgebers" weiter nach hinten ins Heft gewandert. Das heißt nicht, dass die Themen weniger brisant sind: In der neuen Ausgabe rechnet Markwort mit dem neuen Kachelmann-Verteidiger Johann Schwenn ab. Dem Hamburger Juristen wirft er Stil- und Niveaulosigkeit vor und spricht mit Blick auf die Prozessauftritte von "Konfrontation und Krawall".

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Wer das wohl wutschnaubend verfasste Meinungsstück verstehen will, muss berücksichtigen, dass Anwalt Schwenn nicht nur das zuvor festgefahren wirkende Verfahren vor dem Landgericht Mannheim kräftig durcheinander wirbelt, sondern auch schwere Vorwürfe gegen Medien erhebt. Der SWR sprach nach dem ersten Showdown im Gericht auf seiner Homepage von einem "Rundumschlag" des neuen Wahlverteidigers "gegen Medien, Gericht und Staatsanwaltschaft".

Wörtlich wird Schwenn dabei mit einer an den Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge gerichteten Ansage zitiert: "Sie erscheinen mir als Partei, die gemeinsam mit dem Hause Burda anstrebt, Herrn Kachelmann fertig zu machen." Die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren auch in die Medien getragen. Der Anwalt bezog sich auf Berichte des Focus vor Prozessbeginn, in denen dem Standpunkt der Ermittlungsbehörde und den Aussagen der Belastungszeugin und früheren Partnerin des Moderators breiter Raum gegeben worden war.

Aktuell ging es aber vor allem um die Zeitschrift Bunte. Schwenn monierte, dass ehemalige Geliebte, die als Zeuginnen vernommen wurden, anschließend in Bunte zu Wort gekommen seien und und sich dabei zum Teil anders geäußert hätten als vor Gericht. Deshalb müsse Medienanwalt Höcker bei den nichtöffentlichen Vernehmungen anwesend sein, um beurteilen zu können, "wann und ob es sich empfiehlt, gegen dieses Burda-Blatt vorzugehen."

Eine unverhohlene Kampfansage gegen das People-Magazin, das von Markworts Lebensgefährtin Patricia Riekel verantwortet wird – und vielleicht einer der Gründe, warum Markwort nun mit Schwenn hart ins Gericht geht. Der Herausgeber schreibt: "Wie der Fall Kachelmann strafrechtlich entschieden wird, ist noch offen. Standesrechtlich steht das Urteil fest. Kachelmanns neuer Verteidiger Johann Schwenn hat das Mandat mit einer Methode erobert, die viele seiner Kollegen für unanständig und standeswidrig halten. Im Kampf der Anwälte um spektakuläre Fälle hat er das bisher schon fragwürdige Niveau noch um ein paar Grad nach unten gesenkt."

Und weiter: "Johann Schwenn hat es fertiggebracht, sich mitten in ein laufendes Verfahren zu drängeln. Seine Propagandisten in den Medien und er selber haben den amtierenden Verteidiger Reinhard Birkenstock so schlecht aussehen lassen, dass Kachelmann sich von ihm trennte und Schwenn als den angepriesenen Rechts-Messias engagierte."

Wo er "Propaganda" der Medien sieht, macht Markwort auch deutlich: "Schon im Mai hatte die Zeit-Autorin Sabine Rückert Birkenstock in einer Mail empfohlen, ‚einen Kollegen einzubinden, der Verfahren dieser Art gewachsen ist. Wenn Sie mein Buch gelesen haben, wissen Sie, wen ich in einem solchen Falle wählen würde.‘ Das Buch hatte sie in Zusammenarbeit mit Schwenn verfasst." Birkenstock habe das abgelehnt und die Quittung bekommen: "Fünf Wochen später konnte er in der Zeit lesen, dass Rückert ihn für einen miserablen Verteidiger Kachelmanns hielt. Sie warf ihm ‚Samtpfötchen‘ und ‚Schmusekurs‘ vor. Ihr Favorit Schwenn ist bekannt für den gegenteiligen Stil: Konfrontation und Krawall." Auch hier muss man wissen: Sabine Rückert, hochdekorierte Autorin und Dauergast beim Henri-Nannen-Preis, Markwort als langjähriges Jury-Mitglied der Gruner + Jahr-Preisgala.

Im Bestreben, sich das Mandat im schon laufenden Verfahren zu sichern, so Markwort, sei auch der Anwalt selbst nicht untätig gewesen: "Schwenn mischte sich auch selber ein, was unter seriösen Juristen streng verpönt ist. In Cicero attackierte er auf zwei Seiten das Landgericht Mannheim und die Staatsanwälte, rühmte seine Erfolge bei Wiederaufnahmeverfahren und winkte dem Angeklagten mit schönen Aussichten." Was er vom Prozessverhalten des Verteidigers erwartet, umschreibt Markwort so: Dieser werde "mit der Schrotflinte um sich schießen".

Wenige Tage vor seinem 74. Geburtstag präsentiert sich Helmut Markwort rauflustig wie eh und je. Der Prozess gegen Jörg Kachelmann wird mindestens bis März dauern, und auch im Medientagebuch Schwenn versus Burda und umgekehrt ist gewiss nicht das letzte Kapitel geschrieben.

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