Anzeigenflaute: Garms legt Trip auf Eis

Das schnelle Ende eines ehrgeizigen Projektes vermeldete am Freitagmorgen der Branchendienst TextIntern: Der ehemalige Hörzu-Chefredakteur Thomas Garms habe sein neues Männermagazin Trip nach vier Ausgaben eingestellt. Doch der Neu-Verleger widerspricht: "Das Magazin wird nur ausgesetzt", so der 52-Jährige zu MEEDIA, "im Frühjahr soll die nächste Ausgabe erscheinen". Grund: "Die Anzeigensituation im Männersegment ist extrem schwierig, die Flaute hat uns voll erwischt."

Anzeige

Nach Angaben von Garms gibt es derzeit Verhandlungen mit weiteren potenziellen Partnern, die Trip künfitig unterstützten sollen: "Das Konzept  kam gut an, ich rechne damit, dass es gelingen wird, weitere Ausgaben an den Markt zu bringen." Der Blattmacher bestritt auch, dass die Redaktion "fristlos gekündigt" worden sei, wie TextIntern vermeldet hatte. Garms: "Das ist falsch. Ich habe mit festen Freien gearbeitet, lediglich zwei Mitarbeiter hatten Verträge, die aber ordnungsgemäß mit Einhaltung der Frist gekündigt wurden. Sie bekommen auch noch Geld." Am 15. Dezember hätte eine Doppelausgabe Januar/Februar an die Kioske kommen sollen. Diese war redaktionell bereits abgeschlossen, wird nun aber weder gedruckt noch ausgeliefert. Trip liegt auf Eis, die Zukunfst ist ungewiss. Laut Textintern betrug die Auflage des Heftes durchschnittlich 20.000 verkaufte Exemplare.
"Rebellisch, mutig, ehrlich": Das war das Motto der deutschen Lizenzausgabe der brasilianischen Zeitschrift, mit der der ehemalige Chefredakteur der Hörzu, der Welt am Sonntag und der Men’s Health sein Debüt als Verleger gab. Die Startauflage lag noch bei 100.000 Exemplaren.

"Ich sehe in Deutschland keine Zeitschrift, die glaubwürdig widerspiegelt, was in Männern wirklich vor sich geht. Die bestehenden Lifestyle- und Männermagazine zeigen fast ausschließlich eine perfekt inszenierte Parallelwelt, die mit dem realen Leben kaum etwas zu tun hat", sagte Garms im Februar über sein neues Heft.

Als das Heft schließlich auf den Markt kam, waren Branchenbeobachter überrascht, dass Garms trotz seiner redaktionellen Ansage auf dem Cover auf reichlich nackte Haut setzte. Vielleicht war dies auch einer der Gründe, warum das Heft am Anzeigenmarkt wenig Resonanz erzielte. Der Hamburger hatte sich gegenüber Mitarbeitern wiederholt dahingehend geäußert, dass er mit der Anzeigenbelegung nicht zufrieden sei und der erkennbare Aufschwung am Markt an seinem Magazin bislang vorbei gehe.

Die Zeitschrift Trip wurde 1986 in Brasilien gegründet. Die Marke steht dort für ein multimedial angelegtes Informations- und Unterhaltungsangebot mit Radio-Shows, CDs, Internet, Apps sowie sozialen Projekten und einem Award für "Veränderer". Trip gilt nach eigenen Angaben als das meinungsbildende Magazin der jungen Generation in Brasilien.

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte gelang in Deutschland bislang nicht. Allerdings stellt sich der Markt für Männermagazine aktuell auch höchst kompliziert dar. Vor einer Woche erst stellte Egmont Ehapa FHM ein. Die Berliner sahen keine Perspektive, den Verlag Mitte Editionen und das Magazin erfolgreich weiterführen zu können.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige