„Bauer ist Print und bleibt Print“

Aus dem hanseatischen Verlagshaus ist ein globaler Konzern geworden: Zum ersten Mal in der 135-jährigen Bauer-Geschichte lag im vergangen Jahr der Auslands-Umsatz über den Inlands-Einnahmen. Zudem knackten die Hamburger erstmals die Umsatzmarke von zwei Milliarden Euro. Gegen den Branchentrend wurde die Krise bestens gemeistert. Für das kommende Jahr kündigte die neue Verlegerin, Yvonne Bauer, gleich mal Investitionen und Akquisitionen an und legte ein klares Bekenntnis ab: "Bauer ist Print und bleibt Print."

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Konkret konnte der Verlag im vergangen Jahr 2,107 Milliarden Euro einnehmen. Für 2010 wird das Ergebnis wieder leicht rückläufig (2,029 Milliarden Euro) sein. Der Grund soll laut Management allerdings darin liegen, dass einige Firmen aus dem Medienhaus herausgelöst wurden. So wurde beispielsweise die Druckerei in Rastatt, mit einem Umsatz von rund 50 Millionen Euro, ausgegliedert. Nach Sparten sortiert, erwirtschaftete der Vertrieb 2009 1,310 Milliarden Euro, das Radio-Geschäft 167 Millionen Euro und das Digital-Business 41 Millionen Euro. Die Anzeigenerlöse lagen im Vorjahr bei 378 Millionen Euro und sollen 2010 um sechs Millionen Euro sinken. Stolz kommentierte Heinz Bauer auf der heutigen Jahresabschluss-Pressekonferenz: „Früher konnten wir von dem Anzeigen-Boom in der Verlagsbranche nicht immer profitieren. Durch unsere starke Vertriebskonzentration kamen wir jedoch weit besser durch die Krise als einige Konkurrenten."

Die Ergebnisse aus 2009 lassen sich allerdings nur bedingt mit den Vorjahren vergleichen, weil nun zum ersten Mal die Akquisition des britischen Emap-Konzerns voll in der Bilanz ausgewiesen wurde. Überhaupt ist das Auslandsgeschäft für die Hamburger ein steter Quell der Freude. Im vergangen Jahr steuerten die 15 Länder-Dependancen 58 Prozent des Gesamtumsatzes bei. In Russland, den USA oder in England arbeiten mittlerweile 5900 der rund 8500 Verlagsmitarbeiter.

Die neue Verlagschefin will auch im Ausland kräftig weiter investieren. Dabei interessieren sie offenbar vor allem Print- und Radio-Projekte. Im Inland würden die Hamburger auch gerne neue Geschäftsfelder erschließen oder Partnerschaften eingehen. "Wenn sich die Gelegenheit bietet, sind wir bereit, schnell und flexibel zu handeln", sagte Geschäftsführer Andreas Schoo auf der PK. Ansonsten ruhen in den "Verlagsschubladen und bei den Markttestern" noch genügend Print- und Online-Konzepte, die man "wenn sich die richtige Gelegenheit bietet", schnell realisieren kann. Allerdings scheint man vor allem beim Thema Internet doch sehr vorsichtig zu sein: "Ins Web kann man schnell viel Geld investieren, aber auch verlieren", kommentierte Yvonne Bauer.  

Ihr Anspruch ist es, das "Unternehmen genauso gut zu führen, wie es mein Vater getan hat". Bis zum Ende des Jahres wird er ihr 85 Prozent aller Anteile überschrieben haben. Ihre drei Schwestern halten jeweils fünf Prozent an der neuen Yvonne Bauer KG. Trotzdem bleibt Heinz Bauer erst mal persönlich haftend, obwohl er selbst keine Anteile mehr hält. Die zwei Schwestern des Altverlegers wurden offenbar ausbezahlt. Zu der Frage, ob auch die drei Geschwister von Yvonne bis auf ihre verbliebenen fünf Prozent ausbezahlt wurden, wollte sich der Firmenpatriarch nicht äußern. Trocken merkte er jedoch an: "Ich habe auch in den Jahren davor dafür gesorgt, dass meine übrigen Töchter gut durchs Leben kommen."

Die neue alleinverantwortliche Chefin versprach trotzdem artig auch weiterhin "die ganze Familie in die Unternehmensentscheidungen mit einzubinden. Wir planen langfristig. Wir müssen nicht immer sofort gewinne einfahren. Diesen Luxus haben Medienhäuser in Shareholderhand nicht." Ihr Vater und Hobby-Flieger Heinz versprach jedoch seiner Tochter auch beratend zur Seite stehen zu wollen. "Ich werde sie weiterhin als Co-Pilot begleiten und nur ins Steuer greifen, wenn es wirklich nötig ist."

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