Spiegel-Chefs verteidigen Wikileaks-Story

In einem Interview mit der FAZ haben die beiden Spiegel-Chefs Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron die umstrittene Veröffentlichung der Wikileaks-Dokumente mit vertraulichem Material von US-Botschaften verteidigt. Wikileaks sei für den Spiegel eine Quelle wie viele andere auch. Der Spiegel stehe zur Meinung, dass nicht jede Information veröffentlicht gehört und wahre zu Jedermann eine kritische Distanz. Die Botschafts-Depeschen seien außerdem mehr als nur Klatsch und Tratsch.

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“Das ist Diplomatie ungeschminkt”, sagte von Blumencron auf die entsprechende Frage der FAZ. Die veröffentlichten Depeschen vermittelten “ein besseres Verständnis der Sicht unseres wichtigsten Bündnispartners auf Deutschland. Das ist weit mehr als Klatsch und Tratsch.” Allerdings sei es auch nicht Aufgabe des Spiegel, Mächtige vor Peinlichkeiten zu schützen.

Sowohl bei den Afghanistan, als auch bei den Irak-Dokumenten hätten die beteiligten Medien, neben dem Spiegel u.a. die New York Times und der Guardian, sich schnell darauf verständigt, dass nicht alle zur Verfügung stehenden Dokumente veröffentlicht gehörten. Wikileaks habe dies zu Beginn anders gesehen. Von Blumencron betonte, dass man zwischen Wikileaks und den Medien, die das Material aufbereiten und veröffentlichen klar trennen müsse. “Wir nutzen Wikileaks als Quelle, wie wir andere Quellen auch nutzen. Was Wikileaks mit dem Material macht, können wir bis ins Detail nicht kontrollieren.”

Georg Mascolo ergänzte: “Der Spiegel ist älter als die Republik, er kennt seine Verantwortung. Rudolf Augstein hat einmal gesagt: Der Journalist darf es sich nicht leichtmachen – und erst Recht nicht denjenigen gegenüber, über die er schreibt. Wir haben uns zu dieser Verantwortung immer bekannt und gefragt, wie weit wir bei der Veröffentlichung von Informationen gehen können. Üblicherweise stellt sich diese Frage zwei- oder dreimal pro Woche, in diesem Fall stellte sie sich 251 287 Mal.”

Den Vorwurf, dass einige brisante Stellen der Veröffentlichung gar internationale Konflikte lostreten könnten, wollen die Spiegel-Chefs nicht gelten lassen. Mascolo: “Ich stelle mir vor, dass Bob Woodward in seinem nächsten Buch beschriebe, was arabische Staatsführer wirklich denken. Würden wir nicht applaudieren?”

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