Spiegel TV: Widerstand gegen Job-Abbau

Seit die Geschäftsführung von Spiegel TV am 8. November einen massiven Stellenabbau angekündigt hat, sind viele Mitarbeiter der Fernsehtochter des Nachrichtenmagazins verunsichert. Denn bis heute ist unklar, wie das ausgebene Ziel erreicht werden soll - und auch, in welchem Zeitraum. Der Betriebsrat hat sich in einem internen Schreiben vom Versuch der Geschäftsführung distanziert, ein gemeinsames Abfindungsangebot vorzulegen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr auszuschließen.

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Schon die Ankündigung der Personalmaßnahmen klang kryptisch. Danach sollten 15 Prozent der laut Verlagsmitteilung insgesamt 261 Stellen wegfallen. Dies ergebe rechnerisch rund 39 Vollzeitstellen. Auf der Versammlung war dann aber von 35 Stellen die Rede. Andere Quellen nennen die Zahl von 50 Mitarbeitern, was dadurch erklärbar wäre, dass hier die Zahl der Jobs genannt wird, unabhängig davon, ob es sich um Teil- oder Vollzeitverträge handelt. Doch auch die Gesamtzahl der Stellen ist mit Vorsicht zu behandeln, denn noch Anfang des Jahres hatte der Verlag mitgeteilt, dass Spiegel TV rund 350 Mitarbeiter (siehe dazu auch Nachtrag unten) beschäftige. In dieser Zahl sind offenbar Pauschalisten und feste Freie enthalten, die vermutlich vom Kostensparprogramm ebenfalls betroffen sein dürften.

Mitarbeiter wie Betriebsrat warten seit Wochen auf ein klares Konzept, wie die Geschäftsführung vorgehen will. Nach ersten Gesprächen haben sich die Arbeitnehmervertreter in einer Mail an die Belegschaft gewandt und dabei klargestellt, dass der Betriebsrat kein Abfindungsmodell "gefordert", habe, "keines entwickeln" oder sich an der "Entwicklung eines solchen Modells beteiligen" werde. Das Gremium stellt in der Mail an die Mitarbeiter auch für die Zukunft klar: "Es wird keinen ‚gemeinschaftlichen‘ Vorschlag von Geschäftsführung und Betriebsrat zu einem Abfindungsmodell geben."

Damit scheint der Versuch des Geschäftsführer-Trios – Fried von Bismarck, Dirk Pommer und Cassian von Salomon – gescheitert, eine einvernehmliche Basis für einen Stellenabbau auf freiwilliger Basis zu schaffen. Eine solche Erwartung wäre wohl ohnehin wenig realistisch gewesen, und auch darauf weisen die Arbeitnehmer-Vertreter hin: "Der Betriebsrat hat aus seiner Funktion heraus überhaupt kein Interesse an einem Stellenabbau." Und er stellt klar, dass Gesprächsbereitschaft nicht bedeutet, den Kurs der Geschäftsführung zu unterstützen: "Das darf nicht dazu führen – und das ist der momentane Eindruck –, dass vom Betriebsrat erwartet wird, auf Anruf Hilfestellung in Form von Vorschlägen zum Personalabbau zu leisten." Zudem vermisst der Betriebsrat Klarheit über das, was an Maßnahmen ansteht. Wörtlich heißt es: "Bislang ist es uns nämlich nicht möglich, die Pläne nachzuvollziehen." Nach MEEDIA-Informationen war der Betriebsrat erst eine Stunde vor der Vollversammlung über den massiven Stellenabbau unterrichtet worden.

Damit wächst der Druck auf die Geschäftsführung. Diese wandte sich vergangene Woche mit einer Mail zum Status Quo an die Angestellten. Darin bedauert das Management, dass man "heute oder in den nächsten Tagen noch kein konkretes freiwilliges Austrittsangebot für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorlegen" könne, "da der Betriebsrat und die Geschäftsführung unterschiedliche Rechtsauffassungen über die Mitbestimmungspflichtigkeit eines solchen Vorgehens haben." Zugleich kündigen die Geschäftsführer an, "mit dem Betriebsrat Gespräche über die Alternative der betriebsbedingten Kündigungen sowie einen hierfür erforderlichen Sozialplan" einzuleiten.

Das von der Geschäftsführung offenbar favorisierte "Focus-Modell" (beim Münchner Magazin wurden jüngst 60 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut) scheint damit bei der Spiegel-Tochter in weite Ferne gerückt. Ein solches Modell funktioniert aber auch nur dann, wenn die angebotenen Abfindungssummen deutlich über dem liegen, was entlassene Arbeitnehmer gerichtlich durchsetzen können. Der Betriebsrat äußert sich dazu pessimistisch und stellt die Frage, ob die "Attraktivität" eines Abfindungsangebots gegenüber der Aufgabe einer Festanstellung "besonders groß ist". Eine reihenweise freiwillige Job-Aufgabe scheint jedenfalls nur durch eine hohe Investition seitens der Spiegel-Gruppe möglich. Ob dafür Mittel in ausreichender Höhe bereit stehen, ist unklar, ebenso, in welchen Bereichen der Stellenabbau ansteht. Wie MEEDIA erfuhr, stehen vor allem das Hauptstadtbüro (derzeit 25 Mitarbeiter), die Produktion sowie der Vox-Bereich zur Disposition, wo allein 52 Sendeplätze weggefallen sind. Allerdings hatte Geschäftsführer Fried von Bismarck bei der Betriebsversammlung erklärt, dass alle Bereiche" von den Kürzungen betroffen sein würden.

Auf MEEDIA-Anfrage, welches Konzept die Geschäftsführung bei der Sanierung verfolgt, welche Bereiche betroffen sein werden und wann der Stellenabbau erfolgen soll, teilte der Verlag in einer schriftlichen Stellungnahme lediglich mit: "Am 8. November haben wir in einer Pressemitteilung über die geplante Restrukturierung und den damit verbundenen Stellenabbau in der SPIEGEL TV GmbH informiert. Darüber hinaus möchten wir uns derzeit nicht öffentlich äußern. Wie angekündigt werden mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern Gespräche über die Ausgestaltung der angekündigten Personalmaßnahmen geführt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die laufenden Verhandlungen grundsätzlich nicht weiter kommentieren möchten."

Nachtrag, 30.11., 15.15 Uhr: Der Spiegel-Verlag beziffert die Gesamtzahl der Beschäftigten mit 315. Darunter seien rund 20 ruhende Verträge (Elternzeit, Mutterschutz o.ä.) sowie Arbeitsverhältnisse, die rein projektbezogen seien (z.B. Komparsen). 261 sei die Zahl der derzeit Festangestellten, dies sei auch Bemessungsgrundlage für die Einsparungen.

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