Web-Häme für Amazons „Cyber Monday“

User-Frust statt Käuferlust: Das ultimative Shopping-Event sollte der "Cyber Monday" werden. Bis zu 80 Prozent Rabatte versprach der weltgrößte Onlinehändler Amazon. Doch offenbar können sich nur die Wenigsten über wahre Schnäppchen freuen. Egal ob Spielekonsole oder Herrenunterwäsche - nach einigen Sekunden sind die Artikel ausverkauft. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens machen die User ihrem Frust jetzt Luft und ärgern sich über die vermeintlichen Lockangebote. Droht Amazon ein PR-Desaster?

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Auf der "Cyber Monday"-Webseite läuft immer ein Counter herunter, der anzeigt, wann die nächsten Deals verfügbar sein werden. Dann heißt es: zuschlagen. Aber bei vielen Angeboten helfen selbst beste Reaktionszeiten und schnellste Internetverbindungen nichts. Eine Nutzerin schreibt bei Facebook: "Lächerlich, hab die PS3 direkt bei 0 in den Einkaufswagen gelegt!! Hatte mich sehr auf die Aktion gefreut, aber DAS ging so nach hinten los!!" Ein anderer User meckert: "Echt arm Amazon… Mal schaun, was da jetzt raus kommt, aber ich werd sicher eine Beschwerdemail schreiben…"
Viele vermuten, dass es sich bei den "Cyber Monday"-Schnäppchen lediglich um Lockangebote handelt. Amazon macht nicht öffentlich, wie viele Exemplare von jedem Produkt zum Verkauf stehen. Rabatte von 80 Prozent sind zudem selbst im Ausverkauf eher ungewöhnlich – und werden auch nur selten eingelöst. Ein Sony Bravia LCD-Fernseher kostete beispielsweise 333,33 Euro anstatt 499 Euro, die Playstation 3 schlug mit 177,77 Euro anstatt 299,95 Euro zu Buche. Das sind Preisnachlässe von rund 30 bis 40 Prozent.
Anders ist es bei der Digitalkamera Nikon Coolpix S3000. Sie kostete 39,39 Euro statt 96,39 Euro. Herrenunterhosen von Calvin Klein gab es für 5,55 Euro anstatt für 27,95 Euro. Von den wirklich großen Rabatte profitierten also nur Produkte, die ohnehin schon relativ günstig sind und ansonsten eher nicht zu den Amazon-Top-Sellern gehören. Fraglich ist zudem, wie beispielsweise acht unterschiedliche Unterhosenmodelle in die Top 30 gekommen sind.
Aus der groß angekündigten Rabattaktion könnte für Amazon Deutschland ein PR-Desaster werden. Ein User fasst den Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen "Cyber Monday" wie folgt zusammen: "Das war ja wohl eine Riesen-Entäuschung – Amazon. So viel Werbung und dann das Ergebnis ?!? Ich habe die Aktion in USA verfolgt und dort waren einige Produkte über Stunden verfügbar – hier waren es eher Millisekunden, scheint mir."
Ob Amazon schon von diesen Problemen ausgegangen ist? Jedenfalls legt der Onlinehändler "für alle, die heute keines ihrer Wunsch-Produkte ergattern können", noch Produkt Nummer 31 drauf: eine Espressomaschine von Delonghi. Allerdings wird auch dieses Angebot zeitlich begrenzt sein.
Update: Auf MEEDIA-Anfrage sagte eine Amazon-Sprecherin: "Wir haben für die von unseren Kunden gewünschten Produkte am Cyber Monday die bestmöglichen Rabatte realisiert und bieten diese in größtmöglicher Anzahl an. Da viele Tausende Kunden die Angebote direkt in den ersten Sekunden zum Start der jeweiligen Aktionen wahrnehmen und kaufen, sind die Produkte erwartungsgemäß sehr schnell vergriffen. Mit dem unlimitierten Angebot des Amazon MP3 Shops, bei dem mehr als 14 Millionen MP3 Tracks für vier Stunden um 50 Prozent reduziert wurden, wollen wir jedem die Chance geben, von den Cyber Monday Deals zu profitieren."

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